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Claudia Schnabel sieht Kurs bestätigt

Bürgermeisterwahl in Fronhausen Claudia Schnabel sieht Kurs bestätigt

Michael Esken zeigte sich als fairer Verlierer, gratulierte Claudia Schnabel und räumte ein, die Wähler mit seinen Argumenten nicht ausreichend überzeugt zu haben.

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Claudia Schnabel ist Bürgermeisterin in Fronhausen. Sie bekam in der Stichwahl mehr Stimmen als Mitbewerber Michael Esken, der fair und auch herzlich gratulierte.

Quelle: Nadine Weigel

Fronhausen. Unter den 250 Gästen der gemeinsamen Wahlparty der Gemeinde Fronhausen und der Oberhessischen Presse im Bürgerhaus Fronhausen waren deutlich mehr Anhänger und Sympathiesanten von Claudia Schnabel. Entsprechend laut und eifrig beklatscht wurde ihr erneuter Sieg, der dieses Mal nicht mehr nur für ein Finale wie vor 14 Tagen qualifizierte, sondern direkt in das Bürgermeisteramt führte. Ab 1. Januar 2016 wird Claudia Schnabel Chefin des Fronhäuser Rathauses sein. Dafür habe sie gekämpft und sei auch immer davon überzeugt gewesen, es schaffen zu können. Nach der Wahlkampfverlängerung standen am Sonntag noch mal Gesten an, so wurden am Sonntagmorgen noch Brötchen an Bürger verteilt.

Gestern Abend gab sie sich dann nach Verkündung des vorläufigen Endergebnisses der Freude über den Sieg hin. Dabei galt es, sehr viele Hände zu schütteln. Zu den ersten Gratulanten gehörten neben Michael
Esken und Landrätin Kirsten Fründt auch Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber, der sich öfter mit Schnabels Amtsführung als Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses nicht zufrieden gezeigt hatte. Aber er respektiere ganz demokratisch den Wählerwillen, ließ er wissen. Auf Schnabel kommt gewiss eine spannende Zeit zu. Dabei gönnt sie sich erst mal gar keine Pause. Auf die Frage, was sie am Montag machen werde, antwortete sie: „Arbeiten gehen.“ Auch Esken wird nach verlorener Wahl wieder ganz zurück an seinen Arbeitsplatz gehen, der bekanntermaßen in der Verwaltung der Gemeinde ist. Von der OP befragt, ob er sich vorstellen könne, auch unter Schnabel als Bauamtsleiter arbeiten zu können, antwortete er mit einem entschiedenen ja.

Bei der letzten Stichwahl vor zwölf Jahren, verlor Walter Horn (CDU) gegen Reinhold Weber (Bürger für Fronhausen), obwohl er den ersten Wahlgang gewonnen hatte. Dieses Mal bleibt es der Gewinnerin des ersten Wahlgangs erspart, die Stichwahl zu verlieren. Gute 800 frei gewordene Stimmen galt es für sich zu gewinnen. Schnabel steigerte die Zahl ihrer Befürworter von 912 auf 1 318. Auch Esken steigerte die Zahl seiner Unterstützer. Waren es am 27. September 585 waren es dieses Mal 806. Immer noch weniger als Claudia Schnabel im ersten Wahlgang hatte.

Somit erhält die Parlamentarierin der Initiative Fronhausen, die 2011 als Abgeordnete der „Bürger für Fronhausen“ ins Parlament eingezogen war, einen klaren Wählerauftrag. Es geht den Fronhäusern zunächst einmal um einen anderen Stil, um eine andere Herangehensweise. Alles andere wird dann schon kommen, wie bei fast jedem, der  bisher irgendwo per Direktwahl in das Amt gewählt wurde. Auch wenn Schnabel angekündigt hat, als Bürgermeisterin wechselnde Mehrheiten, also sachbezogene Mehrheiten beziehungsweise den machbaren Kompromiss, wird ihre Fraktion im März 2016 erstmalig auch zur Kommunalwahl antreten, mit dem Leitgedanken, der Bürgermeisterin auch ein bisschen den Rücken zu stärken. Das ist aber dann eine andere Wahl. Die Wahlbeteiligung lag bei über 65 Prozent. Damit kann und darf man zufrieden sein, auch wenn es immer noch ein bisschen hätte sein können – das Wetter war kein Hinderungsgrund.

von Götz Schaub

Standpunkt zur Wahl

Es ist ein klares Wählervotum

Als Claudia Schnabel ihren Hut in den Ring warf, durfte man gespannt sein, wie sie sich als Frau gegen drei männliche Mitbewerber schlagen würde. Dabei ist es ihr schnell gelungen, von der „Frauenrolle“ wegzukommen und mit Argumenten, Ideen und Vorstellungen, wie sie das Amt ausfüllen möchte, zu punkten. Sie hat die Wähler davon überzeugen können, dass sie das Zeug hat, eine Gemeinde, ihre Heimatgemeinde, zu führen und zu vertreten. Nun, Claudia Schnabel hat unweigerlich Landkreis-Geschichte geschrieben als erste Bürgermeisterin, seitdem der Landkreis Marburg-Biedenkopf 1974 aus der Taufe gehoben wurde. Auch wenn sie nun die erste Frau ist, so muss sie sich jetzt nicht in erster Linie als Frau, sondern ganz einfach als Person in diesem Amt beweisen. Sie muss nicht beweisen, dass sie es besser kann, sie muss einfach nur zeigen, dass sie es anders kann. Nicht mehr und nicht weniger wollen die Wähler von ihr. Sie soll ihren Stil einführen, weil er bei den Wählern am besten angekommen ist. Sach- und Fachkompetenz bringt sie mit und sie wird sicher schnell noch dazulernen.

von Götz Schaub

Stimmen am Wahlabend

Landrätin Kirsten Fründt begrüßte am Wahlabend sehr, dass die Bürgermeisterdienstversammlung mit der ersten Bürgermeisterin im Landkreis in Zukunft stärker gemischt-geschlechtlich arbeiten wird. „Ich wünsche Claudia Schnabel alles Gute und ein glückliches Händchen bei allem, was sie tut zum Wohle der Gemeinde“, sagte Fründt. Außerdem wünschte sie ihr die Unterstützung der Bürger und sicherte ihr diese aus der Bürgermeisterdienstversammlung zu.
Die Fraktionsvorsitzende der Initiative für Fronhausen, Inge Lettermann-Naß, war „froh und stolz, dass das funktioniert hat“. Sie bedankte sich für die Stimmen für ihre Kandidatin und ist sich sicher, dass die Wähler „die richtige Wahl“ getroffen haben.
Ihr Amtskollege der Bürger für Fronhausen, Steffen Weber, schloss sich den Gratulationen für Schnabel an. „Michael Esken ist mit Sachkompetenz in den Wahlkampf gegangen. Die Wähler haben entschieden und das wohl nicht als ausschlaggebenden Punkt gesehen“, resümierte Weber. Er wünschte Schnabel alles Gute für die kommenden sechs Jahre und „dass sie ihre Themen und Versprechen auch umsetzt“.
Der noch amtierende Bürgermeister Reinhold Weber gratulierte seiner Nachfolgerin als einer der ersten Gäste auf der Bühne. „Von ihrer Qualifikation kann ich beide Kandidaten beurteilen. Claudia Schnabel muss jetzt ihren eigenen Stil finden“, sagte Weber, machte aber auch auf das „beachtliche Ergebnis“ aufmerksam, das Michael Esken „als Ein‑
zelkandidat ohne große Verwandtschaft“ erreicht habe. Esken sei engagiert dabei gewesen und habe alles gegeben. Claudia Schnabels Erfolg erklärt sich Weber mit dem „größeren Draht“ zu den Menschen. „Und die Wahlentscheidung der Fronhäuser Bürger ist eindeutig.“
Peter Eidam war in seiner Funktion als Sprecher der Bürgermeister und Bürgermeister der Nachbargemeinde Weimar vor Ort. „Im Namen meiner Kollegen, der Herren Bürgermeister, gratuliere ich der neuen Dame Bürgermeisterin, Claudia Schnabel. Ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl in der Dienstversammlung als auch in kommunaler Beziehung“, sagte Eidam. „Ich wünsche Claudia Schnabel ein glückliches Händchen und Michael Esken alles Gute für seinen weiteren Weg.“ Abschließend bekundete er seinen Respekt vor allen angetretenen Kandidaten. Wie er weiß, haben diese eine anstrengende und teilweise ernüchternde Zeit hinter sich.
Offizielle Statements der Fraktionen von SPD und CDU zum Wahlausgang stehen noch aus.

von Philipp Lauer

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