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Claudia Schnabel: Vermietung an Flüchtlinge ist lukrativ

Ortsbeirat Hassenhausen Claudia Schnabel: Vermietung an Flüchtlinge ist lukrativ

Die Gemeinde Fronhausen gerät langsam unter Druck: Dieses Jahr müssen rund 140 Flüchtlinge in den Ortsteilen untergebracht werden. Der Ortsbeirat Hassenhausen hat sich mit dem Thema beschäftigt.

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Bürgermeisterin Claudia Schnabel stand bei der Ortsbeiratssitzung für Fragen zur Unterbringung von Flüchtlingen in Hassenhausen bereit.

Quelle: Thorsten Richter

Hassenhausen. Es war die letzte Sitzung des aktuellen Ortsbeirats. Alle fünf Mitglieder hören am Ende des Monats auf. Dennoch haben die derzeitigen Mitglieder sich nochmal das Thema Unterkünfte für Flüchtlinge auf die Tagesordnung geholt und gemeinsam mit einigen Zuschauern diskutiert. Bürgermeisterin Claudia Schnabel stand für Fragen bereit.

Schnabel erklärte, dass die Landkreise Flüchtlinge für die Zweitaufnahme in die Kommunen verteilen. Da Fronhausen im vergangenen Jahr wegen fehlenden Wohnraums niemanden aufgenommen hat, werden ihnen in diesem Jahr vermutlich 140 Flüchtlinge zugeteilt. „Wir können nicht sagen, dass wir keine Wohnungen haben und die Flüchtlinge eben in die Zeltstadt in Wenkbach sollen“, erklärte sie. Diese Zeltstadt sei eine Erstaufnahme des Landes. Dort kommen Flüchtlinge unter, wenn das Erstaufnahmelager in Gießen überfüllt ist. Nach etwa drei Monaten kommen sie jedoch in die Zweitaufnahme, wo Landkreis und Kommunen zuständig sind.

Bisher gibt es nur eine Wohnung für acht Personen

Schnabel erklärte, dass die Gemeinde das Marburger Modell favorisiere. Die Flüchtlinge leben dann in Wohnungen unter den Einheimischen und nicht in großen Hallen. „So können wir die Menschen auch besser integrieren“, zeigte
sich Schnabel sicher. Die Gemeinde trete als Mieter auf und zahle den Vermietern das Geld, vermietet dann selbst weiter an den Landkreis. „Bisher haben wir eine Wohnung für acht Personen. Sonst nichts“, erklärte Schnabel. Zwei weitere Wohnungen könnten dazukommen. Schnabel wisse, dass nicht viele Häuser leer stünden – dafür aber viele einzelne Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

„Ich weiß, dass viele Flüchtlinge nicht gerade im eigenen Haus aufnehmen wollen.“ Sie warb aber dafür, einmal darüber nachzudenken. Gerade lebe in Bellnhausen eine Familie – „nette Menschen und keine Terroristen“. Auf Nachfrage interessierter Bürger führte Claudia Schnabel aus, wie lukrativ eine Vermietung an Flüchtlinge sei: Eine Wohnung mit 100 Quadratmetern bringe in Hassenhausen auf dem Wohnungsmarkt etwa 700 Euro warm.

Die Gemeinde zahle sieben Euro am Tag pro Flüchtling, und bis zu zehn Personen könnten in einer Wohnung dieser Größe untergebracht werden. Eine möblierte Wohnung würde dem Vermieter also 2100 Euro warm im Monat bringen.

Durch Kontakte junge Familien gezielt vermitteln

„Wir nehmen aber auch Wohnungen, die nicht möbliert sind. Dann sinkt der Mietpreis leicht und wir statten sie selbst aus“, betonte Schnabel. Auch versicherte sie, dass es bei einzelnen Wohnungen Möglichkeiten gebe, Einfluss darauf zu nehmen, wer in die Wohnung einzieht. „Wir können über Kontakte schon gezielt etwa junge Familien aus dem Camp in Cappel ziehen und in Wohnungen unterbringen.“

Sollte es mit einem Mieter dauerhaft Probleme geben, könne man diesen auch wieder anderweitig unterbringen und es mit neuen Flüchtlingen versuchen. Eine andere Sorge zerstreute Schnabel auch: Sollte etwas in der Wohnung kaputt gemacht werden, greift die Haftpflichtversicherung der Gemeinde.

Den Menschen erklären, wie man in Deutschland lebt

Schnabel erklärte auch, dass die Flüchtlinge selbst kochen und ihre Wohnung selbst sauber halten. Die Angst vor Heizen bei offenem Fenster und ständig laufendem Wasser räumte sie auch aus: „Wir müssen uns Zeit nehmen und den Menschen erklären, wie man in Deutschland lebt und dass das Wasser nicht kostenlos aus der Wand kommt. Die sind ja nicht dumm.“

Die Bürgermeisterin erklärte, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn keine Wohnungen gefunden würden: „Es wird sehr kostspielig und an weiteren Investitionen wäre nicht mehr viel drin.“ Dabei stehe einiges an, nicht zuletzt der neue Feuerwehrstützpunkt Ost und eine Drehleiter. „Die Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser und die prekären Finanzen würden die Gemeinschaft stark einschränken.“ Konkreten Wohnraum hatten die Ortsbeiräte auch nicht auf dem Schirm. Sie erklärten aber, das Thema weitertragen und Menschen ansprechen zu wollen.

Gemeinde sucht Hausmeister für das Bürgerhaus

Neben Wohnungen sucht die Gemeinde derzeit auch einen Hausmeister für das Bürgerhaus in Hassenhausen. Seit März 2015 sei die Stelle nicht besetzt. Mieter bekämen Nachlass auf den Mietpreis, weil sie vor ihrer Feier selbst reinigen müssten. Schnabel erklärte, dass die Tätigkeit überschaubar sei. Die könne nebenher erledigt werden. Dafür gebe es auch ein kleines Gehalt. Interessenten können bei der Gemeinde nach den Aufgaben fragen.

von Patricia Grähling

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