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Burschen halten an ihrem Festplatz fest

492 Unterschriften Burschen halten an ihrem Festplatz fest

Wird das Gelände „Auf der Schwärz“ verkauft, könnte die Gemeinde einen Gewinn von rund 100000 Euro für sich verbuchen. Doch die Burschenschaft hält mit einer Unterschriftenliste dagegen.

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Fronhausen. Mehr Bürger, Arbeitsplätze, höhere Kaufkraft, eine Steigerung der Attraktivität des Ortes sind voraussichtliche Nebeneffekte einer Bebauung des jetzigen Festplatzes. Bürgermeister Reinhold Weber informierte am Donnerstagabend, dass die Besitzerin des ortsansässigen Seniorenpflegeheims „Haus am Park“ auf dem Gelände Wohneinheiten für betreutes Wohnen errichten möchte. Grundsätzlich ein „begrüßenswertes“ Ansinnen fanden alle Ausschussmitglieder, wenn es sich bei dem Gelände nicht gerade um den Festplatz handeln würde. Sich von diesem zu trennen und auf einen anderen Standort ausweichen zu müssen, war nicht allen Fraktionen recht.

Der Bürgermeister erzählte, dass sich der Gemeindevorstand intensiv mit dem Thema befasst habe. Fünf Ausweichstandorte wurde auf ihre Qualität geprüft. Das Ergebnis erläuterte Bauamtsleiter Michael Esken dem Gremium. Als beste Ausweichfläche hatte sich die ehemalige Kläranlage herauskristallisiert. Dieses Gelände liegt unmittelbar hinter dem Bürgerhaus, Richtung Odenhausen. Als Vorzüge für diese Lösung führte Esken an, dass es sich um Gemeindeeigentum handle und im Gegensatz zu den anderen Standorten nicht angekauft werden müsse. Eine gute Anbindung sowie eine leichte Erschließung waren weitere Argumente. Außerdem ließe sich dieses Gelände baurechtlich als Festplatz absichern, was für das Gelände „Auf der Schwärz“ aus Emissionsschutzgründen nicht möglich sei, so Esken. Dort besteht ausschließlich eine Art Gewohnheitsrecht.

Bürgermeister Weber bekräftigt gegenüber der OP noch, dass die Gesamtanlage ein Gewinn für Fronhausen darstelle. Der Spielplatz könne neu konzipiert werden auf einer Größe von 526 Quadratmetern. Die dringend benötigten Stellflächen für Bahnpendler könnten harmonisch von 31 auf 47 erhöht werden.

Von einer Veränderung betroffen, wäre insbesondere die traditionelle Burschenkirmes. Ein Dutzend der Vereinsmitglieder war daher auch bei der Versammlung anwesend.

SPD stärkt Bürgermeister, CDU auf Seiten der Burschen

Die Ausschussvorsitzende Claudia Schnabel räumte dem Burschenvater Nils Meckbach Rederecht ein. Er beklagte, dass der Verein bislang nicht über die Pläne informiert wurde. Er zweifelte an, dass sich das vorgeschlagene Ausweichgelände besser eigne und die Lage vorteilhafter sei. Vielmehr beharrte der Verein auf dem Erhalt des Festplatzes. Meckbach war der Meinung, dass nicht vorrangig nach einer Alternative für den Festplatz, sondern für das betreute Wohnen gesucht werden solle. In diese Richtung ging auch die Argumentation von Lothar Nau, Sprecher der CDU Fraktion. Er räumte ein, dass das Interesse der Investorin ein „hohes Gut“ für die Entwicklung von Fronhausen sei. Bei der Abstimmung sprach sich die Fraktion mit drei Stimmen gegen den Umzug des Festplatzes aus. Esken hatte zuvor mehrfach dargelegt, dass für die Investorin kein alternativer Standort in Frage komme und schon gar nicht die umgekehrte Variante. Gerade die Nähe zu den Einkaufsmöglichkeiten, zu Bus und Bahn machen das innerörtliche Gelände für das Vorhaben attraktiv. Im Raum steht ein Kaufpreis von 250000 Euro.

Wenn davon die Abrisskosten für das alte Mehrzweckhallengebäude in Höhe von 50000 Euro sowie die Kosten für die komplette Erschließung des neuen Festplatzes abgehen, bleiben der Gemeinde 100000 Euro Gewinn. Für Klaus Bork von der SPD Fraktion war das Ganze eine klare Sache. „Wenn für die Gemeinde ein übergeordnetes Interesse vorliegt, hat das Priorität“, so der SPD-Sprecher. Seine Fraktion war klar für den Erhalt eines Festplatzes aber nicht für die Versteifung auf den jetzigen Standort. „Ohne Festplatz geht nichts, wo er ist, darüber kann man streiten“, so Bork. Der Beschlussvorschlag des Gemeindevorstandes, der die zügige Schließung eines Vorvertrages mit der Investorin vorsah, wurde mit drei Jastimmen, drei Neinstimmen und einer Enthaltung abgelehnt. In der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag wird die Investorin zugegen sein, um zum Vorhaben Stellung zu nehmen.

Burschen binden mit Befragung Bürger mit ein

Die Burschenschaft Fronhausen will sich nicht allein auf die politischen Kräfte verlassen. Letztendlich wird es wohl darauf hinauslaufen, dass die vier abgespalteten ehemaligen „Bürger für Fronhausen“ als Initiative Fronhausen weiter im Parlament sitzend, den Ausschlag für oder gegen das Projekt auf dem Festplatz geben werden.

Derweil haben die Burschen den öffentlichen Druck für ihr Anliegen erhöht. Sie sammelten am Wochenende in Fronhausen Bürgerstimmen. Dabei haben sie mehr als 500 Unterschriften gesammelt und diese den Wohngebieten Fronhausens zugeordnet. Auswärtige wurden aus den Listen gestrichen, versichert Nils Meckbach gegenüber der OP. 492 Bürger wollen den Festplatz dort, wo er ist, nur acht stimmten für die Umnutzung „Betreutes Wohnen“. Damit wird die Debatte am Donnerstagabend im Gemeindeparlament (ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus Fronhausen) auch von einem Bürgervotum flankiert, mit dem sich die Parlamentarier auseinanderzusetzen haben.

von Martina Becker und Götz Schaub

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