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Kandidaten wollen Flüchtlingen helfen

Bürgermeisterwahl Fronhausen Kandidaten wollen Flüchtlingen helfen

Die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland ist derzeit das beherrschende Thema. Diejenigen, die ein laufendes Asylverfahren haben, werden auf die Städte und Gemeinden verteilt.

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Alle vier Bürgermeisterkandidaten (hier beim OP-Wahlforum) wollen den Flüchtlingen helfen: (von links) Michael Esken (parteilos), Claudia Schnabel (Initiative Fronhausen), Werner Speier (parteilos) und Peter Kelch (SPD).

Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter

Fronhausen. Was kann, was sollte, was muss ein Bürgermeister tun, wenn es darum geht, Flüchtlinge in der Kommune unterzubringen? Wenige Tage vor der Direktwahl in Fronhausen fragen wir die vier Kandidaten:

„Wie wollen Sie sich als Bürgermeister beim Thema Unterbringung von Flüchtlingen in der Kommune Fronhausen einbringen?“

„Ein Gebot der Menschlichkeit, Flüchtlinge aufzunehmen“

Peter Kelch (SPD): Viele Menschen sind momentan auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Schreckliche Bilder gehen um die Welt, denn viele bezahlen ihren Traum von einem Leben in Sicherheit mit dem Tod. In Fronhausen gibt es bereits eine Willkommenskultur: Nicht nur Einzelpersonen beteiligen sich in vorbildlicher Weise, sondern auch Kirchengemeinden und Vereine. Stellvertretend sind hier die Chrischona-Gemeinde Bellnhausen und der Verein Imbuto genannt. Ich werde mich um die Beschaffung geeigneten Wohnraums kümmern. Wichtig sind auch weitere Informationsveranstaltungen, um evtl. noch bestehende Vorbehalte bei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern auszuräumen. Zwei in Fronhausen angebotene Wohnungen in Fachwerkhäusern wurden als Flüchtlingsunterkünfte verworfen, da sie u.a. nicht die nötige Deckenhöhe aufweisen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass in solchen Fällen Ausnahmen gemacht werden. Über die zahlreichen Vereine in der Gemeinde werde ich alles tun, das ehrenamtliche Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger zu stärken.  Nur wenn Gemeinde und Ehrenamt eng zusammenarbeiten, wird uns die Integration der Flüchtlinge gelingen. Wir haben mehrere  große Firmen und zahlreiche kleine, vor allem Handwerksbetriebe, in Fronhausen. Mit diesen werde ich Gespräche führen, ob die Möglichkeit besteht,  Flüchtlinge als neue Arbeitskräfte einzustellen. Für mich ist es ein Gebot der Menschlichkeit, Flüchtlinge aufzunehmen. Dafür werde ich mich als Bürgermeister mit voller Kraft  einsetzen.

„Freundlich aufnehmen und angemessen unterbringen“

Werner Speier (parteilos): Hunderttausende fliehen vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland. Die hohe Zahl der Flüchtlinge stellt unser Land vor große Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können. Hier kann keine Gemeinde abseits stehen, auch nicht Fronhausen. Die Integration der Flüchtlinge in Deutschland kann nur gelingen, wenn wir die Menschen freundlich aufnehmen und angemessen unterbringen. Mein Ziel ist es deshalb, Sammelunterkünfte in Fronhausen zu vermeiden. Dies wird nur gelingen, wenn sich die Gemeinde dem Thema aktiv annimmt und Familien und kleineren Gruppen angemessene Wohnungen verschafft. Erste Schritte sind hier schon unternommen worden und Vereine wie „Imbuto“ bemühen sich um die gesellschaftliche Integration der Flüchtlinge. Hierzu ist auch die Allgemeinheit gefordert. Dies will ich unterstützen und auch die Vereine in der Gemeinde ermuntern, auf die Neuankömmlinge zuzugehen. Bei all dem muss eine Überforderung der Dorfgemeinschaften durch eine zu hohe Zahl an Flüchtlingen ebenso vermieden werden, wie Zwangseinweisungen in private Wohnungen. Ich werde deshalb für weitere freiwillige private Vermietungen an Flüchtlinge bzw. den Landkreis werben. Parallel sollte natürlich eine globale Lösung angestrebt werden, denn Deutschland und Europa können nicht den Platz für die halbe Welt bieten.

„Diesen Menschen muss geholfen werden“

Michael Esken (parteilos): Meine Großeltern wurden in Frankfurt ausgebombt, und die Großeltern meiner Frau mussten aus Oberschlesien flüchten. Deshalb geht mir das Leid der Flüchtlinge so nahe. Diesen Menschen muss geholfen werden. Ich kann aber auch die Bürger verstehen, die Angst vor der Entwicklung in Deutschland haben und die fürchten, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Schon heute ist es sehr schwer, in Fronhausen Wohnraum bereitzustellen, denn es gibt so gut wie keinen Leerstand. Ich werde persönliche Gespräche führen, die Eigentümer leer stehender Häuser direkt anschreiben und Aufrufe in der Presse veröffentlichen. Ich werde bei der Ausstattung der Wohnungen und bei der vertraglichen Abwicklung helfen und bei Baugenehmigungen persönlich beim Kreis auftreten. Die teilweise Nutzung gemeindlicher Einrichtungen kommt für mich nur im allergrößten Notfall und auch nur vorübergehend infrage. Es müssen auch gemeindeübergreifend Standorte für Notunterkünfte gesucht werden. Es gibt bereits Kontakt mit den Nachbarkommunen Cölbe, Ebsdorfergrund und Weimar. Bei den ersten Gesprächen nahm ich teil. Menschen, die langfristig bleiben, müssen Deutsch lernen. Hierbei werde ich behilflich sein. Sobald Flüchtlingskinder die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen haben, haben sie einen Rechtsanspruchauf Betreuung. Das ist wichtig, denn es fördert die
Integration, stellt aber an die Erzieherinnen neue Herausforderungen. Deswegen fordere ich über den Kreis von der Bundes- und der Landespolitik drastisch bessere Unterstützung, wir schaffen das nicht alleine.

„Werde Suche nach Wohnraum aktiv vorantreiben“

Claudia Schnabel (Initiative Fronhausen): Die Grundsatzproblematik der Flüchtlingsströme wird auf Bundesebene und nicht auf kommunaler Ebene diskutiert. Die Kommunen werden jedoch mit dieser Thematik zunehmend konfrontiert, und ich beschäftige mich bereits seit einiger Zeit damit. Ich habe Veranstaltungen besucht, die von Imbuto und dem Landkreis Marburg organisiert wurden. Das dort vorgestellte Marburger Modell ist meiner Meinung nach sehr gut geeignet, Integration von Flüchtlingen auch praktisch umzusetzen. Anstatt die Menschen in Auffanglagern unterzubringen, wird hier auf Freiwilligkeit von Wohnungsanbietern gesetzt. In der Gemeinde Fronhausen ist es gelungen, eine
Familie im Haus der Chrischona Gemeinde Bellnhausen unterzubringen. Mit der Ausnahmegenehmigung für den Kindergarten Bellnhausen, der bereits bis auf den letzten Platz besetzt ist, kann das älteste Kind der Familie nun den Kindergarten besuchen, um sich auf die Einschulung im nächsten Jahr vorzubereiten. Das ist für mich ein Beispiel, dem ich folgen möchte. Nur wenn es uns gelingt, Menschen die vor unvorstellbaren Zuständen geflohen sind, hier auch zu integrieren, vermeiden wir langfristig Konflikte und Konfrontationen. Als Bürgermeisterin werde ich die Suche nach Wohnraum aktiv vorantreiben und Vermietern sowohl vor als auch nach dem Zuzug von Flüchtlingen unterstützend zur Seite stehen. Auch werde ich die Bürger, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten, aus der Gemeinde heraus unterstützen.

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