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Bürger sind in Sorge

Deich-Debatte Bürger sind in Sorge

Hochwasserschutz, marode Deiche und die bevorstehende Sanierung sind ein Dauerthema in Roth. Ortsbeirat und Anlieger befassten sich mit dem ­ Zustand der Schutzwälle.

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Beim Hochwasser im August 2007 in Roth halfen nur noch Dämme aus Sandsäcken.

Quelle: Thorsten Richter

Roth. Mangelnde Pflege, Löcher in den Schutzwällen und umstrittene Unterhaltspflicht - seit Jahren diskutieren die Bürger in Roth über fällige Sanierungsarbeiten an ihren Deichen. Nachdem sich dringende Pflegearbeiten verzögerten, hoffen Bewohner und Ortsbeirat auf ein baldiges geotechnisches Gutachten, das den Sanierungsbedarf darlegen soll.

„Ob die Deiche versprechen, was sie halten, wird sich zeigen“, sagte nicht nur Ortsbeiratsmitglied Siegfried Koch (SPD) wenig optimistisch und kritisierte die bisherigen Verzögerungen. Eigentlich sollte der Qualitätscheck zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein, „wir liegen aber fast vier Monate hinter dem Zeitplan“, bemängelte Ortsvorsteher Michael Pfeffer. Es sei dringend notwendig, dass Klarheit darüber herrsche, wie der Zustand der Dämme ist und wo Gefahren eines Durchbruchs bestehen. Dies wollen auch die Bewohner aus Roth wissen - rund zehn interessierte Anlieger nahmen an der Ortsbeiratssitzung teil.

Bestimmte Deich-Abschnitte seien durch mangelnde Pflege und allgemeinen Verfall dermaßen marode, dass eine Ausbesserung dringend nötig wird, erklärten Anwohner. Teilweise wurde seit Jahren nicht mehr gemäht, andere „Brennpunkte“ weisen Löcher, fehlenden Bewuchs oder eine falsche Bewirtschaftung auf, lautete die Kritik. Das geotechnische Gutachten soll den derzeitigen Zustand und den Ausbau, wie etwa durch eine Anhebung der Wälle, aufzeigen.

„Es ist erbärmlich, was hier passiert“

Für eine Untersuchung habe die Gemeinde kürzlich ein erstes Angebot eines Bauunternehmens erhalten, wie Bürgermeister Peter Eidam schriftlich mitteilte. Weitere Angebote sind noch nicht eingegangen, die Verwaltung rechne mit einer zweiten Anfrage Ende des Monats. Darüber hinaus hat der Bauhof der Gemeinde Mitte ­Juli oberhalb der Mühle Roth gemäht.

Weitere Arbeiten wie eine Erdauffüllung der löchrigen Deich-Abschnitte seien in Planung. Der Abschluss der Mäharbeiten machte den Anwesenden Hoffnung, dass „die Angelegenheit noch Chefsache“ ist, sagte Stephan Wenz. Uneinigkeit besteht nach wie vor darüber, wer für die Pflege der Deiche künftig geradezustehen hat. Die Schutzwälle liegen teilweise auf öffentlichem Raum, zum Teil auf Privatgrundstücken. Koch erklärte, dass laut dem hessischen Wassergesetz (HWG) „die Unterhaltung der Deiche den jeweiligen Grundstückseigentümern obliegt“. Mit Zustimmung der Wasserbehörde können jedoch auch andere die Unterhaltungslast übernehmen. Der Hochwasserschutz sei eine öffentliche Aufgabe, widersprachen dagegen die Anlieger. Ähnlich sieht dies auch der Ortsvorsteher: „Der Damm ist Gemeinwohl, die Gemeinde hat für den Unterhalt zu sorgen.“

Auch für den Teil der Anlage, der auf Privatbesitz liege. Die Eigentümer hätten schließlich ihren Grund und Boden damals zur Verfügung gestellt, damit der Damm überhaupt gebaut werden kann.

Über die genaue Zuständigkeit scheiden sich die Geister. „Es ist erbärmlich, was hier passiert, was ist, wenn der ganze Laden absäuft?“, machte Anwohner Jürgen Rabenau seinem Ärger während der Sitzung Luft. Nicht nur, dass sich der Deichbau weiter verzögert, auch dass überhaupt erst Jahre nach Wetterkatastrophen wie dem Orkan „Kyrill“ 2007 reagiert werde, sei eine Frechheit. „Es muss immer erst etwas passieren, bevor etwas in die Gänge kommt“, ärgerte sich Rabenau.

70.000 Euro stehen bereit für Hochwasserschutz

Der Ortsbeirat habe bereits mehrfach in den vergangenen Jahren entsprechende Vorschläge gemacht und Haushaltsgelder beantragt, passiert sei lange Zeit nichts, erklärte der Ortsvorsteher und zeigte Verständnis für den Unmut der Anlieger.

Im aktuellen Haushalt stehen 70.000 Euro für den Hochwasserschutz bereit. „So stelle ich mir eine Zusammenarbeit zwischen Ortsbeirat und Gemeinde nicht vor“, bemängelte Pfeffer. Das Thema werde das Gremium noch lange Zeit intensiv beschäftigen.

von Ina Tannert

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