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Brisantes Material direkt aus dem Kanzleramt

Auftritt in der Alten Kirche Brisantes Material direkt aus dem Kanzleramt

Der Kanzlerchauffeur zog: Bis auf den letzten Quadratzentimeter besetzt war die Alte Kirche am Sonntagabend.

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Michael Frowin überzeugte als Kabarettist.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederweimar. Wir haben sogar noch Bierbänke geholt, die wir an den Seitenwänden aufgestellt haben“, sagte Ulla Vaupel, Vorsitzende des Kultur- und Fördervereins Alte Kirche. Doch selbst das war zu wenig: Die Besucher standen im Vorraum, setzten sich vor der Bühne auf den Boden - um Michael Frowin zu erleben. Der Ex-Niederweimarer präsentierte mit seinem Programm „Anschnallen, Frau Merkel - Aus dem Alltag des Kanzlerchauffeurs“ ein Polit-Kabarett vom Feinsten.

Mit dabei hatte er äußerst brisantes Material. Denn die Kanzlerin hatte auf einer der letzten Touren auf dem Rücksitz der Kanzler-Limousine ihr Tagebuch vergessen. Und in dem hat Angela Merkel „in ihrer Kinderschrift“ zahlreiche Begebenheiten notiert - ein gefundenes Fressen für ihren Chauffeur. Doch er stellte klar: „Wir Deutschen lieben ja unsere Mutti. Weil sie es geschafft hat, den Leuten einzureden, sie sei alternativlos.“

Das sei zwar das Ende der Demokratie, „aber wahrscheinlich lieben sie die Leute, weil sie das personifizierte Mittelgebirge ist.“ Dabei habe sie in ihrer Amtszeit bisher „anderthalb Vizekanzler verschlissen, zwei Koalitionspartner runterregiert und zwei Bundespräsidenten auf dem Kerbholz. Eine stramme Leistung für acht Jahre.“

Zwar sollte man nicht auf Äußerlichkeiten achten. Aber Merkel habe eine „beachtliche Metamorphose durchgemacht: Aus der Miss Marple der Uckermark ist das Busenwunder von Osterode geworden.“ Schließlich habe sie in Bayreuth „ihre Überhangmandate“ präsentiert, „wenn auch mit Seidenstrümpfen. Das geht gar nicht!“, so Frowin.

Genauso wenig, wie Partnerlook. „Angie und Jo in identischen knatschgrünen Funktions-Fleecejacken auf dem Weg zu Reinhold Messner - ich glaube, als der Messner die hat auf sich zu eiern sehen, ist er froh gewesen, dass er es normalerweise nur mit gefrosteten Yetis zu tun hat.“

Doch nicht nur die Kanzlerin bekommt ihr Fett weg. Auch über andere Minister gießt Frowin seine Häme aus. So habe man ja jüngst eine Orchidee nach der Kanzlerin benannt. „Entschuldigung, aber Frau Merkel hat mit einer Orchidee so viel gemeinsam, wie Dirk Niebel mit einem Minister.“ Philipp Rösler indes beweise, „dass er als Wirtschaftsminister noch unbeliebter sein kann, als Christina Schröder.“ Als die im vergangenen Jahr ihr Kind zur Welt gebracht habe, habe Frowin gedacht: „Endlich kommt was raus, was Hand und Fuß hat.“

Doch immer wieder kommt er auf Merkel zurück. Die „nur farblich wechselnde Dreiknopfleiste“ habe über Philipp Rösler gesagt: „Er hat ein hohes Stehvermögen, was nächtliche Überzeugungsarbeit angeht.“ Sie muss Brüderle den Unterschied „zwischen Fiskalpakt und Reinheitsgebot“ erklären. Und bei der Euro-Rettung „muss ich ja alles alleine machen.“ Frowin bietet in seiner Kanzlerlimousine aber auch Extra-Touren an, denn er habe viel Zeit. Angela sei ja viel beschäftigt, „die muss Seehofer fertig machen, Pofalla demütigen - das dauert. Das ist so langweilig, da passe ich auf, dass der Autolack vor Langeweile keine Blasen wirft.“ Und bei diesen Touren finden auch andere Politiker einen Platz - alle werden in der Alten Kirche von Frowin bedient.

Gut 90 Minuten bietet er einen Blick in die Abgründe der Politik, rechnet mit dem Mehrwertsteuer-Wahnsinn ab und erklärt die Kanzlerin anhand der Sendung mit der Maus. Alles in allem ein äußerst amüsanter Abend. Bleibt zu hoffen, dass der Kanzlerchauffeur noch viele Tagebücher findet.

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von Andreas Schmidt

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