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Beispielhafter Lernort vorerst gerettet

Jugrendwaldheim Roßberg Beispielhafter Lernort vorerst gerettet

Nach 2006 und 2011 ging es in den zurückliegenden Monaten hinter den Kulissen erneut um die Zukunft des Jugendwaldheims in Roßberg.

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An Tagen der offenen Tür haben Kinder auch die Möglichkeit, mit ihren Eltern an kleinen Experimenten in der Natur rund um das ­Jugendwaldheim Roßberg teilzunehmen.

Quelle: Archivfoto

Roßberg. „Gute Nachrichten für das Jugendwaldheim Roßberg“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Stadt Marburg. Warum gute Nachrichten? Gibt es mehr Geld? Oder gar einen Stellenausbau? Nein, nichts dergleichen. Sondern? Nun, es wurde eine offenbare Katastrophe verhindert: So führen der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und Marburgs Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach in einer schriftlichen Stellungnahme aus, dass sie die vom Land geplante Reduzierung der vom Land zugewiesenen Stunden von 26,2 auf nur noch 6 Lehrerstunden erfolgreich verhindern konnten. Die diesbezüglich erlösende Nachricht habe der Erste Beigeordnete direkt von Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer erhalten.

„Mit der ursprünglich geplanten Kürzung der Stunden um fast 85 Prozent wäre das gesamte Projekt Jugendwaldheim akut gefährdet gewesen“, führt Zachow weiter dazu aus. Und Dr. Kerstin Weinbach ergänzt: „Deshalb haben wir uns gemeinsam sehr intensiv und auf unterschiedlichen Kanälen für das Jugendwaldheim eingesetzt.“

Doch eine komplette Rücknahme der Stundenreduzierung konnte nicht erreicht werden.

Die Stelle wird nun von 26,2 auf 21 Lehrerstunden gekürzt. „Wir sind jedoch froh, dass wir das Land von der hervorragenden Arbeit des Jugendwaldheims überzeugen konnten“, erklärten Zachow und Dr. Weinbach. Zachow lässt durchblicken, dass sich derzeitige wie auch ehemalige Landtagsabgeordnete aller Fraktionen in Wiesbaden für das Jugendwaldheim eingesetzt und auf die „hochwertige pädagogische Arbeit“ hingewiesen hätten. Eigentlich eine klare Sache, denn nicht zuletzt hat sich das Land selbst ehrgeizige Klimaziele gesetzt und die Umweltpädagogik fest im hessischen Bildungs- und Erziehungsplan verankert. Mit den vom Land ursprünglich vorgesehenen verbliebenen sechs Stunden hätte das sicher beispielhafte pädagogische Angebot nicht erhalten werden können.

Doch so positiv wie Zachow und Weinbach die „Nachricht“ verkaufen, so zurückhaltend ist die Reaktion von Reinhold Jäger, Kassierer des Vereins Jugend­waldheim Roßberg. „Sicher sind wir zunächst einmal dankbar für die Unterstützung. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre. Aber auch die reduzierte Stundenzahl bedeutet eine Kürzung um 15 bis 20 Prozent der bislang zur Verfügung stehenden Zeit. Das kann durchaus bedeuten, dass wir künftig weniger Kinder aufnehmen können“, sagt Jäger.

Und er macht auch deutlich, dass der Verein dem jetzigen Ergebnis noch nicht zugestimmt hat. „Wir haben am Donnerstag eine Vorstandssitzung und werden das Ergebnis dort sicher besprechen.“ Es gebe ausreichend Gründe, den Dialog noch einmal aufzunehmen, mit dem Ziel, dass gar keine Stundenreduzierung vorgenommen wird.

Einen Ansatz wertet Jäger hingegen schon mal als einen richtigen Schritt für ein verlässliches Angebot im Jugendwaldheim. So habe der Finanzminister durchblicken lassen, mit dem Jugendwaldheim längerfristige Finanzierungsvereinbarungen abzuschließen.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Marburg finanzieren zusammen eine Personalstelle und die Sachkosten des Naturschutz- und Umweltzentrums Jugendwaldheim Roßberg. Schon zweimal stand das Jugendwaldheim in seinem Fortbestand auf der Kippe. Nach 2006 ausgerechnet 2011 im Jahr seines 20-jährigen Bestehens. Und nachdem diese Krise erfolgreich gemeistert werden konnte, überschlugen sich alle Experten und Politiker mit Lobeshymnen über die Arbeit im Jugendwaldheim. Wer nur einmal einen Aktionstag einer Schulklasse dort miterlebt hat, weiß auch wieso das so ist. Ja, im Jugendwaldheim werden Lernmethoden angewandt, die Schüler ansprechen, sie begeistern, ihnen neue wichtige Erkenntnisse im Umgang mit der eigenen Umwelt bringen. Schule wie sie besser nicht sein kann.

HINTERGRUND: 4500 Kindern aus rund 60 Schulen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg besuchen jährlich das Jugendwaldheim Roßberg. Zudem machen etwa 100 Lehrerinnen und Lehrer sowie Referendarinnen und Referendare von den Aus- und Fortbildungsangeboten Gebrauch. Die beiden vom Land Hessen finanzierten Pädagogen, die sich eine Stelle teilen, erarbeiten fortlaufend neue Bildungskonzepte und Angebote für den Bereich Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Zudem wurde das Jugendwaldheim 2013 vom hessischen Umweltministerium als Bildungsträger für nachhaltige Entwicklung zertifiziert.

von Götz Schaub

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