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„Beim Abladen wurde es dunkel“

Gericht „Beim Abladen wurde es dunkel“

Es war ein spektakulärer Unfall auf der neuen B3 bei Niederweimar. Eher unspektakulär schlossen sich fast zwei Jahre danach vor dem Marburger Amtsgericht die Aktendeckel dieses Falles.

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Rettungskräfte kümmern sich im August 2012 um zwei Straßenwärter, die bei einem Unfall auf der B3 bei Niederweimar verletzt worden waren. Der Unfallfahrer stand in dieser Woche vor Gericht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am 13. August 2012 hatte ein Lkw-Fahrer mit seinem Sattelzug bei Niederweimar ein Fahrzeug der Straßenmeisterei gestreift, zwei Straßenwärter erlitten dabei Verletzungen. Jetzt stellte das Marburger Amtsgericht das Verfahren gegen den 45-Jährigen ein.

Der Berufskraftfahrer wehrte sich gegen einen Strafbefehl, laut dem er wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe zahlen sollte. An der jetzigen Verhandlung konnte er krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Wie Amtsrichter Tobias Friedhoff erläuterte, sei eine Verhandlung bei einem Einspruch gegen einen Strafbefehl jedoch möglich.

"Beim Abladen wurde es auf einmal dunkel"

Laut Anklage befuhr der Mann mit seinem Sattelzug die Bundesstraße 3 in Richtung Norden. An der Anschlussstelle Niederweimar erfasste der LKW auf dem Seitenstreifen trotz gelben Warnblinklichts das Fahrzeug der beiden Arbeiter, die gerade beim Abladen von Material waren. Beide Männer wurden durch den Aufprall über die Leitplanke geschleudert und verletzt.

Übereinstimmend sagten die Zeugen, sich an den eigentlichen Vorfall nicht erinnern zu können. Sie hätten zwischen Fahrzeug und Leitplanke gestanden, als es geknallt habe. „Beim Abladen wurde es auf einmal dunkel“. Erinnern könnten sie sich erst, als sie im Graben gelegen hätten und der Lkw-Fahrer zur Ersten Hilfe geeilt gekommen sei.

Laut eigenen Angaben erlitten beide Männer eine Vielzahl von Prellungen und Quetschungen, einer auch eine Schnittwunde im Gesicht. Körperlich sei alles ausgeheilt, betonten sie vor Gericht, gleichwohl bestehe bei der Arbeit oft noch ein ungutes Gefühl. „Man kann es nicht so schnell vergessen“, so einer der Zeugen. „Es gibt Situationen, bei denen alles wieder hoch kommt“. Groll empfänden sie jedoch nicht. „Dem Mann ist halt ein Reifen geplatzt, das kann passieren“, sagte einer.

Schuld an der untersten Grenze

Das Gefühl habe der Angeklagte auch gehabt, so der Verteidiger, der gleichwohl einräumte, dass diese Unfallursache nicht sicher sei, weil der Reifen auch durch den Unfall erhebliche Schäden aufgewiesen habe.

Ohne dies als Entschuldigung verstehen zu wollen, so der Anwalt weiter: Sein Mandant habe keine Erklärung für den Unfall. Er habe nach links ausweichen wollen, sei jedoch nach rechts gezogen worden. Zudem sei es am Standort des Straßenwärterfahrzeugs unter einer Brücke schattig gewesen. „Er trägt an der Sache“, stellte der Verteidiger abschließend klar.

Letztendlich stellte Friedhoff das Verfahren auf Anregung der Verteidigung und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft vorläufig ein. Obwohl sicher eine Menge Glück dabei gewesen sei, hätten die Geschädigten keine schwerwiegenden Verletzungen erlitten, so Friedhoff. Die Schuld des 45-Jährigen liege an der unteren Grenze, sodass als Auflage eine Geldzahlung reiche. Nach sechs Monaten werde das Verfahren dann endgültig eingestellt. Der Angeklagte soll zusätzlich zum Schmerzensgeld, das die Versicherung trage, jeweils 500 Euro an die Straßenwärter zahlen. Weitere 200 Euro gehen an den Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr.

von Heiko Krause

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