Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Bei „Wulliwulli“ gibt‘s leckeres Futter

Oberwalgern Bei „Wulliwulli“ gibt‘s leckeres Futter

Still und ruhig liegt er da, der schöne Teich in Oberwalgern. Doch der erste Eindruck täuscht. Irgendwo im dichten Schilf tobt das pralle Leben, tollen elf kleine Küken unter der Aufsicht der stolzen Entenmama im Wasser herum.

Voriger Artikel
„Kinderzentrum“ arbeitet sehr erfolgreich zusammen
Nächster Artikel
Rentsch pumpt sich Geld vom "Grund"

Portionsgerecht erhalten die kleinen Enten ihre besondere Mahlzeit von Lilli Abel. Dafür kommen sie extra aus ihrem schützenden Teich.Fotos: Schaub

Oberwalgern. Letzten Donnerstag vor acht Tagen, ja genau, an dem Tag, an dem es so heiß war, dass man tatsächlich schon an einen Jahrhundertsommer glauben wollte. Ja an diesem Tag saß Lilli Abel auf ihrer Terrasse hinter dem Haus, als plötzlich von rechts eine Ente um die Ecke bog. Und hinter dieser Ente trabten eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf... elf kleine Entchen hinterher. Vor Lilli Abel stoppte das Kommando zum Betrachtenlassen. Dann setzte sich die Entenmama wieder in Bewegung und marschierte um die andere Ecke des Hauses wieder aus dem Blickfeld von Lilli Abel. Diese folgte den Entchen um die Ecke und sah, wie sie schnurstracks über die Straße, über eine Wiese durch die Löcher eines Jägerzauns watschelten und im Schilf des dahinterliegenden Teichs verschwanden. Lilli Abel glaubte schon, geträumt zu haben, aber das was sie an jenem heißen Tag erlebt hatte, war tatsächlich ein Freundschaftsbeweis einer Ente.

Die stolze Entenmama ist nämlich für Lilli Abel keine Unbekannte. Ihr Sohn Ottmar, Mitarbeiter des Fronhäuser Bauhofs, hatte nämlich im Sommer vergangenen Jahres in der Lahn ein verlassenes Nest mit Enteneiern gefunden. Er nahm sie mit und ließ die Eier bei einem Landwirt ausbrüten. „Das klappte und anschließend schwammen sie bei meinem Sohn in der Badewanne herum“, erzählt Lilli Abel. Doch nicht alle Entchen überlebten mehr als wenige Tage. Dann kam unverhofft noch einmal Nachschub hinzu von einer Tierärztin. Die Entchen fanden ein neues Zuhause auf dem Teich am Ende der Brunnenstraße und ließen sich auch gern von Lilli Abel füttern. Mit der Zeit flogen sie aber alle aus und verteilten sich wohl auf die umliegenden Flüsse. Doch eine weibliche Ente blieb Oberwalgern treu. „Ich habe sie in den Wintermonaten mehrfach hier gesehen. Aber nicht immer, ich habe mich schon gefragt, wo sie untergekommen ist“, so die rüstige Rentnerin. Nun , die Ente war gar nicht so alleine auf dem Teich, ein Erpel hatte erfolgreich um sie geworben und...

Ja und? Tja, also etwa 600 Meter weiter dorfeinwärts in der Ringstraße, da lebt Waltraud Hartmann. Auf ihrem Anwesen gibt es einen sehr schönen Badeteich. Und dort waren am Mittwoch vor dem eingangs beschriebenen Donnerstagserlebnis von Lilli Abel die elf Küken geschlüpft. „Die Eier lagen hier auch ganz versteckt im Schilf“, sagte die Besitzerin des Teichs gegenüber der OP. Sie fragte ein Mitglied des Naturschutzbundes um Rat. „Der wollte die Entchen einsammeln und zur Salzböde bringen“, sagte Lilli Abel. Das Einfangen wollte er mit einem Kescher erledigen, doch hatte er keinen dabei und musste ihn wohl erst holen. Und in der Zeit, als ob die Enten eine Antenne dafür gehabt hätten, muss es passiert sein, dass die Entenmama samt der Küken mitten durchs Dorf marschiert sein muss mit dem Ziel, im Teich in der Brunnenstraße Quartier zu beziehen.

„Ich habe noch niemanden getroffen, der die Enten beim Umzug gesehen hat“, sagte Lilli Abel, aber Fakt ist, sie sind jetzt in dem Teich gegenüber ihres Hauses. Und was jetzt folgt, ist ein echter Hammer. Wenn Lilli Abel rüber zum Teich geht und „Wulliwulli“ ruft, dauert es keine halbe Minute und die kleinen Racker kommen aus ihren Verstecken im Teich durch den Jägerzaun gewatschelt und nehmen zu Füßen von Lilli Abel ihr Frühstück oder Abendessen ein. Sind sie satt, verschwinden sie wieder auf dem Weg, auf dem sie gekommen waren und paddeln wieder ihre Runden auf den Teich. Die Entenmama lässt ihre Kinder gewähren sitzt aber im Hintergrund am Rand des Teichs und beobachtet die Umgegend. „Ab und an ist auch der Entenpapa da“, sagt Lilli Abel. Aber eben nicht immer. Ob der Herr der Schöpfung irgendwo noch eine andere Familie unterhalten muss? Na, das wollen wir ihm nicht unterstellen, wahrscheinlich geht er nur einer geregelten Arbeit nach und sucht für seine Familie möglicherweise auf der Lahn ein schönes Fleckchen zum Wohnen. Nach all den Erlebnissen von Lilli Abel möchte man das gerne glauben. Wünschen wir ihnen noch ein schönes Entenleben: „Wulliwulli!“

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr