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Behornte Landschaftspfleger leisten was

Heckrinder Behornte Landschaftspfleger leisten was

Wo Heckrinder ganzjährig grasen dürfen, da sind auch Ameisenbläuling, Frösche und andere seltene Arten nicht weit. Ein Beweidungsprojekt bei Ebsdorf bringt der Natur und den Menschen einen großen Nutzen.

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Star auf der Heckrinder-Weide: Dieses knapp zwei Monate alte Kalb mit seinem dicken Fell ist zwischen Ebsdorf und Hachborn für Spaziergänger und Radfahrer eine echte Attraktion.

Quelle: Thorsten Richter

Ebsdorf. Nein, es sind keine Auerochsen, die dort auf den Auen an der Zwester Ohm bei Ebsdorf friedlich grasen. „Obwohl die Bullen fast genauso aussehen, sie sind nur etwas kleiner“, sagt Rinderhalter Klaus Erber vom Weideverein Taurus, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jens Hering-Hofmann seit zwölf Jahren die Herde von derzeit zehn Heckrindern für die naturnahe Pflege der gemeindeeigenen, geschützten Wiesen an der Zwester Ohm bereitstellt.

Ein Beweidungsprojekt mit Heckrindern bringt Natur und Menschen einen großen Nutzen.

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Auerochsen, mächtige Tiere, die ein Stockmaß von bis zu 1,80 Metern erreichten, sind schon lange ausgestorben. Die Zoologen und Brüder Heinz und Lutz Heck züchteten 1920 eine Rasse, die den Auerochsen recht ähnlich sieht - die Heckrinder. Eingeflossen sind unter anderem Schottisches Hochlandrind und Ungarisches Steppenrind. Die Heckrinder präsentieren sich in Ebsdorf als schwer behornte Landschaftspfleger. Oder, wenn sie noch Kälber sind, als wuschelig-herziger Tiernachwuchs, der viele Fans hat.

Rinder lockern den Boden auf

Die Rinder leisten ganze Arbeit - durch Tritt und Fraß „pflegen“ sie die Auen in einer Weise, wie es mit landwirtschaftlichen Geräten nicht möglich ist: Sie lockern den Boden auf. Sie fressen auch so übergriffige Pflanzen wie das Drüsige Springkraut, so dass zarte Pflänzchen sprießen können und seltene Arten wie der Kleine Ameisenbläuling und der Wiesenknopf-Ameisenbläuling wieder ein Zuhause finden, in dem die lebensnotwendige biologische Vielfalt gegeben ist. Das hebt Uwe Krüger, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde hervor, der das Projekt für den Landkreis begleitet.

Das Beweidungsprojekt in Ebsdorf gehört zu den ältesten im Landkreis. Das Beispiel hat vielerorts Schule gemacht, läuft mit anderen besonderen Rinderrassen oder auch Ziegen in mehreren geschützen Gebieten im Landkreis, die mit Maschinen nicht gepflegt werden können. „Unsere Rinder sind nicht nur nützlich, sie sind auch eine echte Attraktion“, freut sich Klaus Erber und berichtet, dass Spaziergänger, Radfahrer und Jogger, die auf dem stark frequentierten Feldweg entlang der Zwester Ohm unterwegs sind, viel Freude an den Heckrindern haben. „Viele wissen auch genau, wann es hier Kälbchen gibt und kommen zum Schauen vorbei.“

Die Tiere sind ganzjährig auf der Weide, ernähren sich komplett von dem Pflanzenangebot an der Zwester Ohm und sind dabei nicht wählerisch. Im Winter füttern die Besitzer sie zusätzlich mit Heu.

Neuer Zaun für das Weidegelände

Dem Weideverein Taurus gehören rund 30 Mitglieder an - etliche von ihnen werden aktiv, wenn auf dem 14 Hektar großen Weidegelände bei Leidenhofen Arbeit ansteht. So bauten die Mitglieder während eines fünftägigen Arbeitseinsatzes jüngst einen neuen Zaun - 700 Meter ist er lang. Die Kosten dafür belaufen sich auf 6800 Euro. Geld, das der Landkreis aus seinen Mitteln für Naturschutz bereitstellte.

Schon im vergangenen Jahr wertete der Weideverein das Gelände gemeinsam mit dem Nabu auf. Auf den Weiden wurden mehrere Blänken angelegt. Das sind flache Wassertümpel, die zum einen die Rinder gern für ein Bad oder zum Trinken nutzen. Zum anderen bieten sie neuen Lebensraum für Amphibien. Naturschützer hoffen, dass etwa der Laubfrosch dadurch einen Lebensraum an der Zwester Ohm findet.

von Carina Becker

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