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„Backhaus blockiert Dorfentwicklung“

Bürgermeister contra Denkmalschutz „Backhaus blockiert Dorfentwicklung“

Das Backhaus in Wittelsberg , oder genauer gesagt, das, was vom ehemaligen Backhaus noch übrig ist, steht unter Denkmalschutz. Die Gemeinde als Eigentümer darf es deshalb nicht abreißen lassen.

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In dem roten Backsteinhaus wurde bis 1958 gebacken. Seither diente die obere Etage mitunter noch als Wohnraum, die untere als Holzlager.

Quelle: Thorsten Richter

Wittelsberg. Für Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz, der sich als Sprecher für die Dorferneuerung in Wittelsberg engagiert, ist die Zeit des Handelns gekommen. Die Gespräche bezüglich des ehemaligen Backhauses in Wittelsberg mit der hiesigen Denkmalpflege in Marburg sind nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufen. „Jeder sieht, dass dieses Gebäude keinen Wert für Wittelsberg besitzt, aber die Denkmalpflege stellt sich wohl aus Prinzip quer“, sagt Schulz. Das Haus direkt an der Ortsdurchgangsstraße wird seit 1958 nicht mehr als Backhaus benutzt, nachdem es dort fast zu einem Unfall gekommen war. Die Haustür befindet sich praktisch direkt an der Straße, es gibt nur einen schmalen Gehweg.

„Es ist ja nicht so, dass wir in der Gemeinde keine Backhäuser haben. Im Gegenteil. Insgesamt sind es 13 Stück, von denen mehrere auch in Betrieb sind. Wir haben in diese viel Geld hineingesteckt und werden sie auch künftig erhalten. Das Gebäude in Wittelsberg blockiert hingegen die Dorfentwicklung“, macht Schulz deutlich.

Rückendeckung erhält er von Wittelsbergs Ortsvorsteher Gotthard Seim. „Es besteht kein Interesse an diesem Gebäude. Die Bürgerschaft möchte es im Kollektiv gerne abreißen, um Platz für eine neue Gestaltung der Dorfmitte innerhalb des Dorferneuerungsprogramms zu schaffen“, sagt Seim gegenüber der OP.

„Alle Politiker sagen, dass die Denkmalbehörde es schon zulässt, dass Nebengebäude oder ungenutzte Gebäude abgerissen werden können, um Platz für Neues zu schaffen. Das gilt jedoch offenbar nicht für hier“, ärgert sich Schulz.

Er setzt jetzt auf eine andere Lösung. „Wenn wir es als Kommune nicht abreißen dürfen, verschenken wir es eben an eine Privatperson mit dem Ziel, dass es dann abgerissen werden kann.“ Dass es überhaupt in Sachen Backhaus Wittelsberg zu einem Konflikt kommen konnte, sieht Schulz insbesondere im hiesigen Ansprechpartner vom Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Bernhard Buchstab, begründet.

„Argumente scheinen bei ihm nicht zu zählen“, sagt Schulz und verweist auf einen zweiten „Fall“, der sich in Beltershausen abspielt. Die Thematik sei zwar eine ganz andere, zeige ihm aber auf, dass mit Buchstab einfach nicht zu reden sei.

Denkmalschutz: Abrissist keine Option

Es sei schon ein einmaliger Vorgang gewesen, wie das Backhaus überhaupt unter Denkmalschutz gestellt wurde. Offenbar wurde das Gebäude an der Straße von den Experten, die andere historische Gebäude im Ortskern unter Denkmalschutz stellten, nicht als Backhaus erkannt. Es wurde erst 2011 nachträglich, unter Denkmalschutz gestellt, als in Wittelsberg die Diskussion um die Neugestaltung der Dorfmitte begann.

Die Kritik des Bürgermeisters prallt an Dr. Bernhard Buchstab ab. „Es hat Gespräche gegeben und vonseiten des Denkmalschutzes auch Lösungsvorschläge“, sagt er auf Nachfrage der OP. Er gibt zu, dass alle Lösungsvorschläge den Erhalt des Gebäudes vorsahen. Denkmalschutz ist Denkmalschutz. „Ich bin weiterhin an Gesprächen interessiert und auch an einer einvernehmlichen Lösung“, sagt Buchstab weiter. Das von Schulz in Spiel gebrachte Vorhaben, das Haus zu verschenken, um es abreißen zu können, wolle er indessen nicht kommentieren. „So lange nichts konkret ist, gibt es für mich nichts zu sagen“, so Buchstab.

von Götz Schaub

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