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Automaten-Eier vom Camping-Huhn

24-Stunden-Hofladen Automaten-Eier vom Camping-Huhn

Die Eier der reisenden Hühner von Familie Jung finden reißenden Absatz - auch aus dem Automaten. Bei der Eröffnung des „Automatischen Hofladens“ interessierten sich die Gäste insbesondere auch für das mittlerweile dritte Hühner-Mobil.

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Sandra Streu (links) half bei der Eröffnung ihrer Freundin Margit Jung, den Strom an Besuchern zu bewältigen und erläuterte diesen die Funktion der Verkaufsautomaten.

Quelle: Manfred Schubert

Bellnhausen. Mehr als 400 Gäste kamen zum Tag der offenen Tür, den die Landwirtsfamilie Günter und Margit Jung anlässlich der Eröffnung ihres „Automatischen Hofladens“ mit integrierter Radler-Raststätte veranstaltete. Es ist der erste Hofladen dieser Art in Mittelhessen. Freunde und Erzeuger von Waren, die neben den eigenen Produkten verkauft werden, unterstützten die Familie dabei, den Besucherstrom zu bewältigen.

Das Interesse an dem neuen Konzept, den Angeboten und der Funktion der in einer Holzhütte aufgestellten Automaten war groß. Vor allem die Gelegenheit, das mittlerweile dritte „Camping-Mobil für Hühner“ zu besichtigen und sich das Ganze erklären und die tatsächlich recht zufrieden und ausgeglichen wirkenden Hühner bei ihrem Tagewerk beobachten zu können, nutzten die Besucher ausgiebig.

Nachdem, unter anderem wegen des großen Widerstands aus der Bevölkerung (die OP berichtete), die Familie ihre Pläne für ein große Hähnchenmastanlage aufgegeben hatte, setzt sie verstärkt auf Direktvermarktung mit unkonventionellen Ideen. Im vergangenen Frühjahr schaffte sie den ersten fahrbaren Hühnerstall an, ein in Bad Sooden-Allendorf hergestellter mobiler Stall, der mit dem Förderpreis ökologischer Landbau vom Bundeslandwirtschaftsministerium sowie als Hessen Champion 2013 in der Kategorie Innovation ausgezeichnet wurde.

Hühner auf Reisen: Alle 14 Tage eine neue Wiese

Die Idee ist einleuchtend, die Vorteile gegenüber einer stationären Freilandhaltung liegen auf der Hand. Spätestens alle 14 Tage wird das Hühnermobil auf eine frische Wiese umgesetzt, die bisher genutzte Grünfläche kann sich wieder erholen und wird nicht überdüngt, die Vermehrung von Parasiten und Krankheitserregern wird vermieden. Das reichliche Angebot frischer Gräser und Kräuter komme dem Geschmack der Eier zugute. Offenbar wissen das die Kunden ebenso zu schätzen wie die Möglichkeit, rund um die Uhr am Automaten einzukaufen.

„Eier muss ich täglich drei- bis viermal nachfüllen“, berichtete Margit Jung. Etwa 660 Eier täglich legen die Hennen, nach zwölf Stunden seien die Eier in der Regel vom Hof. Zu 90 Prozent gingen sie an Privatkäufer, die auch weite Wege in Kauf nehmen, der Rest an Gastronomen. Gerne würde sie noch einen reinen Eierverkaufsautomaten in Marburg, woher viele Kunden kämen, aufstellen, bisher fehle es aber an einem Standort. Für die glücklichen Hühner, die zu der guten Nachfrage führen, nehme sie die Nachteile gerne in Kauf. „Das ist mit Abstand die schwierigste Art von Hühnerhaltung, die man haben kann. Man muss sehr wachsam sein, aufs Wetter achten, wissen, wann es für die Tiere gefährlich wird“, sagte Margit Jung. Aufgrund der Nachfrage hat die Familie einen weiteren, größeren, vollklimatisierten Automaten angeschafft und in einer neuen, größeren Hütte am Hof aufgestellt. „Ursprünglich wollte ich einen kleinen Laden, aber auf unseren Hof passte nichts mehr und es gibt zurzeit auch keine Scheunen zu kaufen.“ Die Grundidee zu dem Automaten stamme aus ihrer Heimat Bayern. Bäuerinnen in der Nähe von Erlangen haben, mit LEADER-Förderung der EU, gemeinsam einen Automaten angeschafft, berichtet die Bellnhäuserin. „Ich habe es ohne Förderung gemacht, sonst hätte ich ein Jahr auf den Bescheid warten müssen.“

Aber die „sehr gute Lebensmittelkontrolle des Landkreises“ habe ihr viel bei der Umsetzung geholfen, nun könne sie beispielsweise auch vakuumverpackte Hähnchen aus den vier bis fünf Schlachtungen im Jahr und frische Suppenhühner anbieten, jeweils nach Ankündigung im Internet und am Automaten, und in regelmäßigen Abständen Rindsbratwürste von den eigenen Angus-Rindern.

Außerdem gibt es nach Saison Spargel, Kürbis und Marmelade aus eigener Produktion, Bio-Brot von Familie Eidam aus Roth, Honig von Helmut Zebisch, Kartoffeln von Familie Döhne, aus eigener Herstellung, Käse vom Siegbacher Ziegenhof, Nudeln von Familie Pfeiffer und Familie Schaut, Wurst und Grillfleisch von der Landmetzgerei Lang, Milch von der Marburger Traditionsmolkerei und Kaffee aus Kehna. Speziell für Radfahr-Touristen gibt es isotonische Getränke, kleine Snacks und wochenends auch frischen Rührkuchen sowie einen Kaffeeautomaten. Da nicht alle Automaten Scheine annehmen, sollte man Münzgeld dabei haben.

Internet: www.camping-huehner.com

von Manfred Schubert

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