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Authentisch, offen und ehrlich

Rolf Zacher Authentisch, offen und ehrlich

Rolf Zacher hat sehr viel erlebt. Er kann also auch viel erzählen. Darüber hinaus hat er aber auch etwas zu sagen - deshalb lohnt sich das genaue Zuhören besonders.

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Rolf Zacher im Friseursalon von Gülbahar Stein in Fronhausen. Der Besuch im Landkreis machte ihm so viel Spaß, dass er jetzt hier eine Lesung halten will.

Quelle: Thorsten Richter

Fronhausen. Er ist Schauspieler durch und durch. Er liebt es, aus dem Nichts heraus, den Angetrunkenen, den alten sabbernden Lüstling oder den verärgerten Nachbarn zu geben.

Was er hasst, ist Hast. Rolf Zacher nimmt sich lieber viel Zeit, Zeit, über das nachzudenken, was er will, aber auch die Zeit, anderen Menschen ein Lächeln zu schenken, die Tür aufzuhalten oder über die Straße zu helfen. Zacher sieht, wo Hilfe benötigt wird. Er sieht auch hinter die verschlossenen Türen, hinter denen sich Szenen abspielen, die niemand sehen will, von denen aber jeder weiß, dass sie stattfinden, sonst gäbe es kein Fleisch und keine Wurst zu kaufen. Zacher hat seine Konsequenz gezogen. Wegen ihm muss kein Tier der Welt sterben, er ernährt sich vegan. „Broccoli ist das Beste, was es gibt. Ich esse mindestens dreimal in der Woche Broccoli“, sagt Zacher. Er fühlt sich gut. Meint sogar, dass einige Wehwehchen, die er spürte, als sein Speiseplan üppiger war, verschwunden sind.

"Je mehr man gibt, desto reichger wird man innerlich"

„Ich genieße das Leben. Ich genieße es auch, was ich noch alles erreichen kann, weil ich Rolf Zacher bin und die Menschen mich hier kennen“, sagt der 73-Jährige. Zacher setzt seinen Namen ein, um anderen Menschen, die in Not sind, zu helfen. Insbesondere Kindern, etwa jenen, die in Syrien ihr Zuhause verloren haben. „Je mehr man gibt, um so reicher wird man innerlich“, sagt Zacher. Doch es geben nicht alle. Zacher beobachtet auch eine Verhärtung in der Gesellschaft, ein kollektives Wegschauen, wenn Hinschauen angebracht wäre. Zacher weiß um seinen Platz in dieser Gesellschaft. Er will gerne aufrütteln. „Aufwachen muss der Mensch jedoch selbst.“ Und: „Ich bin kein Missionar.“ Gerade deshalb hört man ihm schon viel lieber zu als einem der verbissenen TV-Prediger, die mit penetrantem Wiederholen religiös ausgerichteter Botschaften, Gehirnwäsche betreiben. Das hat Zacher nicht nötig, denn er akzeptiert Andersdenkende.

Er kann nur seine Sichtweise beispielgebend vorleben. „Wenn ich schon höre ,Du musst‘. Nichts muss ich. Ich kann, wenn ich will.“ Und so lernte Zacher in seinem Leben immer mehr, richtig zu sehen, mit dem Herz zu fühlen. Er weiß, wie er den Promi-Status richtig einsetzt. „So wie Peter Maffay. Wir kennen uns und ich schätze sein Engagement für andere Menschen.“

„Es gibt einige Schauspieler-Kollegen, die so tun, als ob sie es nicht bemerken, wenn sie auf der Straße erkannt werden. Ich freue mich hingegen darüber und gehe auf die Menschen zu und rede mit ihnen. Daraus schöpfe ich Energie, denn sie begegnen mir freundlich und ich kann von dieser Freundlichkeit wieder etwas weitergeben.“

Rolf Zacher - was macht er eigentlich jetzt? Was macht die Schauspielkunst?

Also die Schauspielkunst ist nach wie vor vorhanden, aber auf dem deutschen Markt gibt es keine echte Rolle für ihn - sagt er. Deshalb setzt er sich selbst in Szene. Auf der Bühne. So wie jetzt am 31. Mai im Musik- und Kulturhaus Niederwalgern.

Energie aus Meditieren

Wieso ausgerechnet dort? Warum nicht dort? Er ist befreundet mit Gülbahar Stein aus Fronhausen, möchte mit ihr und anderen Promis gerne ein Benefizprojekt aufziehen. Dazu besuchte er sie in Fronhausen und fragte einfach mal, wo er wohl hier mal auftreten könne.

Das ist für ihn auch ein kleines Abenteuer, fern von Berlin mitten auf dem Land, Menschen einen schönen, unterhaltsamen, aber auch informativen Abend zu gönnen. Kennen gelernt haben sich Stein und Zacher bei Mata Amritanandamayi, oder einfach Amma. Die Inderin ist vor allem für ihre zahlreichen wohltätigen Projekte und Stiftungen und für ihre unzähligen Umarmungen bekannt. 2002 erhielt sie den „Gandhi King Award“ für Gewaltlosigkeit, 2006 den James Parks Morton Interfaith Award für ihr Bemühen um interreligiöse Verständigung. 2007 folgte der Cinéma Vérité Award für ihre Bemühungen um Friede und Harmonie in der Welt.

Passt das zu Zacher, der gerne in die Rolle der zwielichtigen Typen schlüpfte? „Die Leute sind immer überrascht, wenn sie mich kennen lernen“, weiß er aus Erfahrung zu berichten. „Ich habe einiges durch, Jetzt trinke ich morgens zwei Gläser Wasser und schöpfe Energie aus Meditieren.“ Um seinen Gemütszustand zu beschreiben, ergeht sich Zacher sogar in einer Plattitüde: „Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag.“ Bei Zacher gewinnt die Plattitüde allerdings an Bedeutung, weil er es genau so meint. „Ich saß ja auch mal im Gefängnis“, sagt er ohne Umschweife. Und wie viele andere hielt er sich für unschuldig - es waren andere, die dafür gesorgt haben, dass das so passieren musste. „Ist doch nicht wahr“, braust Zacher plötzlich auf. „Ist doch nicht wahr, ich, ja ich bin ganz alleine daran schuld. Ich habe mich doch selbst in die Situation gebracht.“ Diese Erkenntnis reifte Zacher nicht jetzt nach mehr als sieben Jahrzehnten Lebenserfahrung. Nein, er begriff es direkt im Gefängnis.

Zacher liest aus seiner Biografie

In den vergangenen Jahren hat Zacher zwei CDs rausgebracht. Seine Werke „latest hits“ und „danebenleben“ erhielten von der Fachpresse beste Kritiken. Wieso? Weil Zacher stimmgewaltig, authentisch und ehrlich daherkommt. Texte mit Tiefgang eben. Texte, die ansprechen, Texte, die Gänsehaut verursachen, Texte, die einfach genial sind. Das Publikum in Niederwalgern darf sich auf einen interessanten Abend freuen. Und wenn es sich interessiert zeigt, gibt es sicherlich auch ein paar Anekdoten, ein paar Geschichten zu hören, die er mit Schauspielerkollegen erlebt hat, etwa mit Manfred Krug, mit dem er in „Auf Achse“ und „Liebling Kreuzberg“ vor der Kamera stand. Vielleicht erzählt er auch von seiner Bekanntschaft mit Peter Sellers. Ganz sicher liest er aber aus seiner Autobiografie.

  • Rolf-Zacher-Abend im Musik- und Kulturhaus Niederwalgern am Samstag, 31. Mai, ab 20 Uhr, Karten gibt es nur an der Abendkasse, Eintritt: zehn Euro. Veranstalter ist der Förderkreis Kultur in der Region.

von Götz Schaub

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