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Auf die Kirmesprügelei folgt der Jugendarrest

Gericht Auf die Kirmesprügelei folgt der Jugendarrest

Auch der zweite Verhandlungstag rund um eine Kirmesprügelei brachte keine absolute Gewissheit, bekräftigte jedoch den ungefähren Ablauf einer der Ereignisse in jener Festnacht.

Marburg. Eigentlich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt waren zwei junge Männer aus dem Südkreis. Beide waren im Sommer vergangenen Jahres an massiven Auseinandersetzungen während einer Dorfkirmes beteiligt. Laut Anklage sollen die beiden 19 und 20 Jahre alten Festbesucher die Streitereien, die sich über mehrere Stunden an verschiedenen Örtlichkeiten dahin zogen, angezettelt und dabei mit teils äußerster Gewalt vorgegangen sein (die OP berichtete).

Um die Geschehnisse der Tatnacht genauer verstehen zu können, wurden dieser Tage vor Gericht drei weitere Zeugen gehört. Nach Ende der ersten Prügelei begaben sich einige der Beteiligten spät in der Nacht zum Elternhaus des älteren Angeklagten. Der Streit hatte sich in der Gemeinde herum gesprochen, eine Art Abordnung bestehend aus fünf bis sechs Festbesuchern wollte die jungen Männer daher „zur Rede zu stellen und befragen“ sowie deren Eltern benachrichtigen, sagte einer der Zeugen aus.

Streitfraktionen verfolgten einander durch die Nacht

In der Wohnung kam es erneut zu einer hektischen, lautstarken Auseinandersetzung. Erst nachdem die Eltern in den Streit eingriffen und die Kontrahenten trennten, verließ die Gruppe das Haus wieder.

Danach begab sich die Gruppe auf den Rückweg, traf jedoch einige Straßen weiter wieder auf einen der Angeklagten. Während einer erneuten Rangelei brach dieser einem anderen Mann die Nase - aus Notwehr, gab der Angeklagte an. Aus grundloser Aggression, warfen die Zeugen ihm wiederum vor. Nach dieser, mittlerweile dritten, Konfliktsituation begab sich die Festgruppe in den frühen Morgenstunden zum Wohnhaus des jüngeren Angeklagten. Dort kam es erneut zu lautstarken Vorwürfen und Beleidigungen. Seine Gruppe wollte nur sachlich über die Prügelei sprechen, aggressiv seien sie nicht vorgegangen, sagte ein beteiligter Zeuge über die Situation.

Die alarmierte Mutter des einen Angeklagten versuchte erfolglos zu schlichten. Sie empfand die Situation ihrerseits als extrem aggressiv, emotional und chaotisch, „von Sachlichkeit war nichts zu sehen, ich hatte richtig Angst“, so die Zeugin. Erst als ein weiterer Nachbar hinzukam, beruhigte sich die aufgeheizte Stimmung, hieß es vor Gericht.

Nachdem sich alle Beteiligten intensiv mit der Wahrheitsfindung beschäftigt hatten, kam das Gericht zu dem Schluss, dass nicht mehr rekonstruiert werden könne, welche Seite der Auslöser für die Aggressionen gewesen war. „Wie so oft, ergab ein Wort das andere, jeder hatte seinen Anteil daran“, stellte Richter Cai Adrian Boesken fest.

Wichtiger für den Prozess war generell das Verhalten der betroffenen Personen während der Auseinandersetzungen. Auch die Jugendgerichtshilfe bewertete die Ereignisse als typischen „gruppendynamischen Prozess in Verbindung mit Alkohol“. Für die Angeklagten schlug sie eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht vor.

„Auf am Boden Liegende wird nicht getreten“

Da dem älteren Angeklagten eine aktive Teilnahme beziehungsweise Provokation an der ersten Schlägerei nicht nachgewiesen werden konnte, wurde der 20-Jährige mangels Beweisen freigesprochen.

Bei dessen Freund sah die Lage dagegen völlig anders und deutlich ernster aus. Der junge Mann steht zudem nicht zum ersten mal vor Gericht, wurde in den letzten vier Jahren unter anderem bereits wegen Nötigung, Beleidigung und Diebstahl angeklagt.

Das Gericht sah seine Schuld als erwiesen an. Er hatte einen am Boden liegenden Kontrahenten gegen den Hinterkopf getreten. Ein entscheidender Punkt vor Gericht. „Auf am Boden Liegende wird nicht getreten und von diesem Gericht grundsätzlich mit freiheitsentziehenden Maßnahmen geahndet“, warnte der Richter den jungen Mann.

Auch den Faustschlag, der dem Geschädigten die Nase brach, wertete das Gericht nicht als Notwehr sondern als gezielte Attacke.

Der 19-Jährige wurde schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung sowie einer einfachen Körperverletzung zu einem Jugenddauerarrest von einer Woche verurteilt. Dies sei ein wichtiges Signal, betonte der Richter und riet dem jungen Mann, an seinen Emotionen und Aggressionen zu arbeiten.

von Ina Tannert

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