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Auf Spaziergang in die Vergangenheit

Sichertshausen Auf Spaziergang in die Vergangenheit

Gemeinsam mit dem ganzen Dorf organisierte der Förderverein „Unser Dorf Sichertshausen“ seine 777-Jahrfeier. Geschichte zum Anfassen war einer der Höhepunkte.

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Die unterhaltsamen Dorfspaziergänge zur Geschichte Sichertshausens erfreuten sich großer Beliebtheit. Im Hintergrund sind die ­Alte Schule und ein ehemaliger „Tante-Emma-Laden“ zu sehen.Fotos: Martina Becker

Sichertshausen. Um 20 Uhr schunkelte am Samstagabend bereits das gesamte Zelt. Das ist zweifelsohne nicht die Regel für einen Abend mit Kommers.

Dorfjubiläen sind meist geprägt vom Blick in die Geschichte. In Sichertshausen war das nicht so, was nicht heißt, dass der Ort keine Geschichte vorzuweisen hat. Der Veranstalter, der Förderverein „Unser Dorf Sichertshausen“, hatte sich nur für ein anderes Konzept entschieden.

Statt langatmiger Erzählungen am Abend gab es am Nachmittag bei geführten Dorfspaziergängen Geschichte zum Anfassen. Rund siebzig Personen, in der Hauptsache aus Sichertshausen sowie Nachbarorten der Großgemeinde Fronhausen nahmen hieran teil.

Von Günter Majewski, dem Vorsitzenden des Fördervereins, Alexander Lauer sowie von Hartmut Findt erfuhren sie in gut eineinhalb Stunden, wo früher beispielsweise die Tante-­Emma-Läden waren, wo Bier gebraut und Apfelwein ausgeschenkt wurde oder wo man die erste „Bluna“ trinken konnte. Auch über die kleine Dorfkirche gab es reichlich zu erzählen. Sie beherbergt beispielsweise eine „sehr wertvolle spätbarocke Orgel, wusste Kirchenvorstand Dieter Schwing. Wie Schwing waren noch weitere Bürger in die Führung einbezogen. Armin Redler von der Gastwirtschaft „Zum Hufeisen“ holte das Telefon hervor, über das der Marburger Radiomoderator Thomas Koschwitz von seiner Gastwirtschaft aus einmal eine Sendung moderierte, weil er wegen Schneefalls nicht mehr rechtzeitig zum Sender nach Frankfurt kam.

Petra und Georg Rieck hatten vor ihrem Haus das Gasthaus zur Linde wieder aufleben lassen. In seinem Ursprung war dieses Haus, Sichertshausen lag an der Grenze vom Königreich Preußen zum Herzogtum Nassau, einst ein Zollhaus gewesen.

Der Verein „Alte Schule“ hatte am Backhaus die Backtradition aufleben lassen und auf Lemmersch Hob wurde gewaschen wie vor 75 Jahren.

Als besondere Geste wurden den Rundgängern an den verschiedenen Stationen kleine Stärkungen angeboten.

Prägend für die neuere Dorfgeschichte war die Bundesstraße 3, die zuerst durch den Ort und dann als Umgehungsstraße am Rande des Dorfes verlief. Beide Varianten hinterließen schmerzliche Erinnerungen. Erst seit dem Bau der B3a im Jahr 1994 konnte Sichertshausen „aufatmen“. Seitdem hat es sich zu einem Kleinod entwickelt.

Zum Kommers würdigten diese Entwicklung Bürgermeister Reinhold Weber ebenso wie Landrätin Kirsten Fründt. Viel Engagement der Bürger, großer Gemeinschaftssinn und Tatendrang zeichneten Sichertshausen aus und habe es „aufblühen“ lassen, so die Grußwortüberbringer.

„Wir haben schon viele Komplimente für das Dorf bekommen“, erzählte Majewski. Eine besondere Leistung der Dorfgemeinschaft war in jüngster Vergangenheit die Sanierung und der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses. Auf dessen Gelände fand auch die 777-Jahrfeier statt. Mit Absicht habe man im Vergleich zur 725-Jahrfeier einen eher kleineren, dafür aber „lockeren“ Rahmen für die Feier gewählt, sagte Majewski. Diese hielt er stellvertretend für Ortsvorsteher Reinhard Lauer, der aus dem Krankenstand dem Fest alles Gute wünschte. Er war eine der Triebfedern, die bei den Vorbereitungen für das Fest mit ganzem Engagement dabei war.

Das Programm bereicherte am Samstagabend die Trachten- und Volkstanzgruppe Großseelheim mit Sketchdarbietungen sowie die anschließende Livemusik. Der Sonntag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst und am Nachmittag unterhielten die Brüder Rabenau aus Bellnhausen mit „Mir schwätze Platt“. Dazu gab es ein Bufett mit dreißig hausgemachten Kuchen. Besondere Hingucker hatte Werner Naumann zum Fest geschaffen. Passend zum Schnapszahlenfest hatte er sieben Bilder gemalt, die Märchen darstellten, in denen die Zahl sieben eine zentrale Rolle spielten. Diese Bilder vom „tapferen Schneiderlein“ bis zu den „Sieben Raben“ gab es auf dem Rundweg zu entdecken.

von Martina Becker

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