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Mobilität im ländlichen Raum sichern

Anzahl der älteren Fahrgäste steigt

Wie soll sich der Nahverkehr 2017 entwickeln, damit er für Menschen auf dem Lande attraktiv wird oder bleibt? Für manche stellt sich diese Frage nicht, sie sehen ihre Probleme schon heute nicht gelöst.
Glücklich ein Ort im ländlichen Raum, der von vielen Bussen angefahren wird wie Niederwalgern. Doch dort fühlt man sich von der Bahn abgehängt.

Glücklich ein Ort im ländlichen Raum, der von vielen Bussen angefahren wird wie Niederwalgern. Doch dort fühlt man sich von der Bahn abgehängt.

© Götz Schaub

Niederweimar. So ganz haben es die Bürger auf dem Lande wohl noch nicht verstanden, welche große Chance sich ihnen jetzt bietet. Sie sollen mit Experten daran mitarbeiten, dass der öffentliche Nahverkehr ihren Wohnort so attraktiv berücksichtigt, dass sich in Zeiten des demografischen Wandels ein Verbleib auf dem Lande möglichst ohne Mobilitätseinbußen gestaltet.

Na schön, der Ratssaal der Gemeindeverwaltung Weimar war mit gut 80 Besuchern zur Auftaktveranstaltung des Landkreises und der Servicekraft Bus GmbH Marburg ganz gut gefüllt, doch blieben längst nicht alle bis zum Schluss. Zur Sichtung der Ausgangslage bot Jörg Klein vom Planungsbüro IGDB in Dreieich eine Bestandsaufnahme der ÖPNV-Angebote in Marburg-Biedenkopf und Emanuel Seiz von VerkehrPlus in Weimar/Thüringen stellte am Beispiel der Stadt Halle dar, welche Kriterien für die Verkehrsnachfrage im ländlichen Raum eine Rolle spielen. Dabei wurde deutlich, dass sich aufgrund des demografischen Wandels zwangsläufig die Verkehrsströme ändern werden. Die Gruppe der älteren wird deutlich größer und diese haben dann, wenn sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen, andere Ziele als Kinder, Jugendliche und Arbeitnehmer. Also müsse man damit beginnen, veränderte Ansprüche und Erwartungen in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Darüber hinaus wird es aber auch einen deutlichen Rückgang an Einwohnern geben, der sich auch auf den öffentlichen Nahverkehr auswirken wird.

In den direkten Kontakten der Veranstalter mit dem Publikum, die Jörg Lunkenheimer (Servicekraft Bus GmbH Marburg) einleitete, wurde schnell klar, dass dort viele Leute saßen, die sich mehr Antworten auf heutige Probleme erhofften, als über die Zukunft zu diskutieren.

So meldeten sich Petra Caspers-Naujoks, Sabine Stoll und Isabel Spenner von der Mittelpunktschule Hartenrod zu Wort. Dort habe man immer wieder das Problem, wie Schüler zu den Orten eines Berufspraktikums kommen sollen, etwa nach Breidenbach zu Buderus. Das funktioniere nur über Mitfahrgelegenheiten. Man sehe auch eine Ungleichbehandlung der Schüler bei der gefeierten CleverCard. So können Schüler aus Bad Endbach diese auch dafür nutzen, um nach Marburg zu fahren, um dort beispielsweise ins Kino zu gehen. Schüler aus Hartenrod bekommen die CleverCard jedoch nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt, weil sie an einem Schulstandort wohnen und müssen so auch die Fahrt nach Marburg bezahlen, wenn sie denn mal ins Kino wollen.

Laut Marian Zachow haben rund 2700 Schüler keine CleverCard im Landkreis. „Wollten wir diese Schüler, die an einem Schulstandort leben und dorthin laufen können, mit einer CleverCard ausrüsten, würden wir den Kreishaushalt mit einer neuen freiwilligen Leistung belasten, was aufgrund der Finanzsituation nicht geht.“

Eine Frau merkte an, dass Kehna in Weimar keine Busanbindung habe. Das war das Stichwort für den auf Gemeindegebiet fahrenden Bürgerbus. Dieser kann zwar (noch nicht) in den Morgenstunden Bedienstete zur Hofgemeinschaft fahren, aber durch seinen festen Fahrplan an drei Tagen in der Woche und seine 100-prozentige Verlässlichkeit hat der Bürgerbus sich einen Stellenwert in der Bevölkerung errungen. So befand Zachow auch, dass dies eine gute Antwort auf anstehende Probleme sein kann. In einem Frage-Antwort-Gespräch hatten Zachow und Carsten Kamphausen von der Servicekraft Bus GmbH erste Ideen herausgearbeitet und umrissen, vor welchen Herausforderungen die Planer für den öffentlichen Nahverkehr ab 2017 stehen werden. Und so unglaublich es vielleicht heute noch klingen mag, vielleicht revolutioniert die digitale Welt den klassischen Busfahrplan: Heute richten sich die Menschen noch nach dem Busfahrplan, vielleicht richten sich die Busse 2050 nach den Menschen, die sie wie ein Taxi anfordern.

Die ersten Erkenntnisse des ersten Treffens will Kamphausen allen Teilnehmern schriftlich zukommen lassen.

n Termine: Im nächsten Jahr soll in drei weiteren Versammlungen, die auf jeden Fall an unterschiedlichen Orten im Landkreis stattfinden werden, gezielt weiter diskutiert werden. Am 16. Januar geht es um die Zielgruppe der Mitfahrer. Am 17. April um die Finanzierung und am 26. Juni um die Frage, wer die Menschen fährt. Am 18. September sollen dann die Ergebnisse zusammengefügt präsentiert werden.

von Götz Schaub


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