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Anwohner befürchten mehr Lärm

Umstrittener Innovationspark Anwohner befürchten mehr Lärm

Im Dezember schuf das Parlament Ebsdorfergrund die Voraussetzung, dass der vorhabenbezogene Bebauungsplan „Innovationspark Ebsdorf“ diskutiert werden kann. Betroffene Anwohner haben ihre Befürchtungen formuliert.

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Wer von der L 3048 kommt, die per Brücke über die Ortslage von Ebsdorf geführt wird, muss durch den ganzen Ort fahren, um das angedachte neue Gewerbegebiet zu erreichen. Ein Unding, finden betroffene Anwohner.

Quelle: Nadine Weigel

Ebsdorf. Ziel dieses Bebauungsplanes ist die Ausweisung eines Gewerbegebietes sowie eines Mischgebietes, um der Nachfrage nach Bau- und Gewerbegrundstücken im Ortsteil Ebsdorf gerecht werden zu können. Die Parlamentarier stimmten dem Aufstellungsbeschluss sowie der Änderung des Flächennutzungsplanes am Ortsrand von Ebsdorf, im Bereich des alten Bahnhofs zu. Das Plangebiet soll über eine eigenständige Erschließungsstraße erschlossen werden. Auf dem Gelände will sich unter anderem ein bereits in Ebsdorf existierender Fuhrbetrieb ansiedeln. Insgesamt handelt es sich um eine Fläche von 45000 Quadratmetern.

Jetzt regt sich in Ebsdorf Widerstand gegen diese Planungen. Anlieger schlagen Alarm und haben bereits eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Kein Innovationspark in Ebsdorf“ gegründet. Die Gründungsmitglieder Sabine Brandt, Holger Engmann, Jennifer und Jens Kampmann, Thomas Kuhaupt, Hans Peter Lindau, Peter Molzberger, Claudia Pfabe und Dr. Peter Ungar sind überhaupt nicht von der Idee angetan und halten sie auch nicht für zukunftsweisend.

Sie sagen: „Die Planungen zum ,Innovationspark‘ sind nicht innovativ, sondern rückwärtsgewandte Zersiedelungspolitik aus den 80er Jahren.“ Ihr Argument, das sie bereits in einem Flugblatt festgehalten haben: Die Zuwegung soll über den Ortskern, die Bahnhofstraße und den Feldweg hinter dem alten Raiffeisengebäude erfolgen. Das Gewerbegebiet soll also über ihr Wohngebiet angebunden werden. Ihre Befürchtung: Alle Autos und Lastkraftwagen müssten von der Landesstraße 3048 kommend durch den ganzen Ort fahren und dann in die Bahnhofstraße abbiegen. Eine solche Anbindung empfinden sie - wo in anderen Orten verkehrsberuhigte Zonen eingerichtet werden, - als nicht zeitgemäß und fordern deshalb, dass zur Verfügung stehende Alternativen genutzt werden. Ihre Lösung: „Das neue Gewerbegebiet im Rahmen der Ortsumgehung Heskem ist eindeutig der bessere Ort. Der neu anzusiedelnde Fuhrbetrieb würde eine neue Bleibe in der Gemeinde finden, die zusätzliche Belastung durch den Schwerlastverkehr könnte so verhindert werden.“ Wie die Gemeindevertretung habe auch der Ortsbeirat den Plan abgenickt, behaupten die genannten Anlieger. So sei es nicht, sagt indessen Ortsvorsteher Walter Kaiser. „Ich habe lediglich bei einer Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt ,Verschiedenes‘ darüber informiert, dass das im Gespräch ist und auf uns zukommt. Doch erst mit dem Beschluss der Gemeindevertretung im Dezember konnte der Gemeindevorstand tätig werden und den Ortsbeirat auffordern, eine Stellungnahme abzugeben.“

Aufstellungsbeschluss eröffnet nur die Diskussion

Diese soll dann quasi die erste Amtshandlung des neuen Ortsbeirats nach der Kommunalwahl werden. Wie eine solche Stellungnahme aussehen könnte, geben die Anlieger schon jetzt vor: So heißt es im Info-Flyer der Initiative: „Die Anwohner der Bahnhofstraße sind schon jetzt einer extremen Lärm- und Schmutzbelastung durch das in der Bahnhofstraße ansässige Fuhrunternehmen ausgesetzt. Das Werksgelände befindet sich unmittelbar im südwestlichen Anschlussbereich zum geplanten neuen Gewerbegebiet. Ein Lärmschutz ist dort nicht vorhanden. Die Be- und Entladevorgänge, der Werksverkehr zwischen Feldscheune und dem Betriebsgelände in der Bahnhofstraße sind schon jetzt eine extreme Belastung für uns Anwohner. Und nun soll die Belastung für uns alle noch einmal erhöht werden.“

Bürgermeister Andreas Schulz will das Anliegen der Bürger genauso ernst nehmen wie das Anliegen des ortsansässigen Unternehmens, das gerne über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan in seine Zukunft investieren möchte. „Es ist aber noch gar nichts entschieden“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Das Parlament habe auch nichts einfach abgenickt. Doch habe es - in der Tat einstimmig - dafür gesorgt, dass das Thema überhaupt behandelt werden könne. Denn nur über den Aufstellungsbeschluss wird die Grundvoraussetzung für das Beteiligungsverfahren geschaffen. Und in dem Beteiligungsverfahren können dann die Anlieger wie auch die Träger öffentlicher Belange Stellungnahmen und Bedenken abgeben, die dann vom Parlament abgewogen werden. „Letztendlich bedarf es für die Ausweisung aber dann auch noch der Zustimmung des Regierungspräsidiums“, informiert Schulz. Der Ausgang sei also noch ganz offen. Man könne als Parlament aber auch nicht schon im Vorfeld Wünsche aus der eigenen Gemeinde einfach ablehnen. „Wir wollen ja schließlich auch, dass heimische Gewerbetreibende bei uns eine Zukunft haben.“ Gleichwohl wird es aber auch auf die Argumente der Initiative ankommen, ob diese politisch überzeugen können. Derzeit verfügt die Gemeinde Ebsdorfergrund über keine eigenen Flächen mehr, die an Gewerbetreibende verkauft werden können. Bis das angedachte Gebiet bei Heskem nach dem Bau der Ortsumgehung entwickelt werden könne, würden sicher gute drei bis vier Jahre vergehen, schätzt Schulz. Nun gibt es aber die konkrete Anfrage aus der eigenen Gemeinde, zugegeben auch ortsteilbezogen, denn die betreffende Fläche befindet sich im Besitz des Unternehmens. Und mehr noch: zwei weitere Unternehmen haben ebenfalls Interesse an Investitionen angemeldet.

Schulz ist es wichtig, mit Personen der BI in Verbindung zu stehen, um sich gegenseitig die Interessen näherbringen zu können. Das sei schließlich gelebte Demokratie innerhalb einer Gemeinde. Es gehe um Interessen, nicht um Gut und Böse. Entsprechend sollte auch die Diskussion geführt werden.

von Götz Schaub

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