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Alter schützt vor Trunkenheit nicht

Aus dem Gericht Alter schützt vor Trunkenheit nicht

Mehrere Autofahrten trotz Führerscheinentzug und unter massivem Alkoholeinfluss brachten eine 69-Jährige aus Ebsdorfergrund vor Gericht. Die Rentnerin erhielt eine spürbare Geldstrafe.

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Eine Fahrzeugkontrolle der Polizei wurde einer Frau aus dem Ebsdorfer Grund zum Verhängnis. Da sie alkoholisiert und ohne Führerschein unterwegs war, landete sie vor Gericht.Foto: Armin Weigel

Quelle: Armin Weigel

Marburg. Weil sie mehrfach trotz Fahrverbot und unter Alkoholeinfluss unberechtigt ihren Pkw nutzte, musste sich eine Frau aus der Gemeinde Ebsdorfergrund vor dem Marburger Amtsgericht verantworten. Die Angeklagte gab ihre Verfehlungen zu.

Im Mai dieses Jahres war die 69-Jährige mit ihrem Wagen zwischen Heskem und Ebsdorf unterwegs. Während einer Polizeikontrolle wurde ein Alkoholtest durchgeführt. Dieser ergab bei der Rentnerin einen hohen Promillewert von mehr als 2,8 Promille. Die Marburger Polizei verhängte umgehend ein Fahrverbot, nahm der fahruntüchtigen Frau noch am gleichen Tag den Führerschein sowie den Fahrzeugschlüssel ab.

Doch das zeigte keine Wirkung. Nur wenige Stunden später benutzte die Angeklagte den Ersatzschlüssel und fuhr erneut unerlaubt und nach wie vor unter erheblichem Alkoholeinfluss mit dem Wagen. Drei Monate später wiederholte sich dieses Verhalten.

Anfang August fuhr die 69-Jährige erneut betrunken und ohne gültige Fahrerlaubnis mit dem Auto. Auf der Gießener Straße rammte sie einen Straßenpfosten, es entstand ein Schaden von rund 400 Euro. Verletzt wurde niemand. Die Frau verließ anschließend den Unfallort, ohne weitere rechtliche Schritte einzuleiten, und entzog sich durch die Unfallflucht vorübergehend der Erfassung ihrer Personalien seitens der Polizei. Nach ihrer Rückkehr ergab ein weiterer Alkoholtest einen Blutalkoholwert von mehr als 2,3 Promille.

Während der Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht gestern gab die Angeklagte ihre Taten zu. „Ich sehe ein, dass ich einen großen Fehler gemacht habe“, betonte die 69-Jährige. Auch ihr Problem mit Alkohol habe sie begriffen. Heute trinke sie „normal“ und nicht mehr übermäßig.

Grund für den früheren hohen Alkoholkonsum sei die Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten gewesen. Dies habe bei ihr aus Trauer nach und nach zu immer höheren ­Alkoholmengen geführt.

Dies sei trotz allem kein Grund, betrunken Auto zu fahren, hielt ihr Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel vor. Das Argument sah die Frau ein, ihren Wagen habe sie mittlerweile verkauft, den entstandenen Schaden bezahlt. „Ich fahre kein Auto mehr“, erklärte die Angeklagte.

Die Frau stand nicht zum ersten Mal vor Gericht, laut Bundeszentralregister wurde sie bereits in elf Fällen verurteilt, unter anderem wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie diverser Betrugs- und Vermögensdelikte.

Die letzte Verurteilung liegt sieben Jahre zurück, einschlägig vorbestraft sei die Angeklagte nicht, erklärte Sippel. „Wer aber mit diesen hohen Promillewerten noch fahren kann, der hat trainiert“, folgerte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Trotzdem waren die Steuerungsfähigkeiten der Angeklagten entsprechend eingeschränkt, womit eine verminderte Schuldfähigkeit in Frage komme. Da sie ungeeignet sei, ein Kraftfahrzeug zu führen, forderte die Staatsanwaltschaft ein zweijähriges Fahrverbot sowie eine Geldstrafe.

Richter Dominik Best verurteilte die Frau schließlich wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis, Fahren unter Alkoholeinfluss sowie Unfallflucht zu einer Geldstrafe von insgesamt 4500 Euro, aufgeteilt auf 150 Tagessätze zu je 30 Euro. Zudem erhielt sie ein Fahrverbot von einem Jahr und neun Monaten. „Und kommen sie nicht wieder“, ermahnte der Richter die erleichterte Verurteilte, die dem zustimmte. Da sowohl Staatsanwaltschaft wie auch Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Ina Tannert

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