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Alle wollen die Kirmes im Dorf lassen

OP-Wahlforum zur Bürgermeisterwahl Fronhausen Alle wollen die Kirmes im Dorf lassen

Die Kirmes soll erhalten bleiben, mehr für die jungen und älteren Fronhäuser getan werden. Den Kindergarten neu bauen mag nur ein Kandidat - bei Bürgerhäusern gibt es unterschiedliche Ansätze.

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Vor 400 Zuhörern stellten sich die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Fronhausen beim OP-Wahlforum den Fragen der OP-Redakteure und des Publikums.

Quelle: Thorsten Richter

Fronhausen. Nachdem Fragen zu Bioenergie, der sanierten Brücke in Sichertshausen und dem Geruch im Dorf mehr oder weniger kontrovers abgehandelt waren (die OP berichtete gestern) ging es mit der Debatte um den Festplatz „Auf der Schwärz“ weiter.

Inhaltlich brachte Werner Speier (parteilos) grob auf den Punkt, wofür sich alle Kandidaten aussprachen: „Die Kirche und auch die Kirmes sollen im Dorf bleiben.“ Auch für Claudia Schnabel (Initiative Fronhausen) gehört das Fest zum Dorfleben dazu und sei an einem anderen Ort schwer denkbar. Speier möchte dennoch unter Einbezug der Allgemeinheit die Spielflächen ausbauen und Parkplätze schaffen. Peter Kelch (SPD) stellte klar, dass eben nicht das ganze Jahr über Kirmes sei und Fronhausen schlichtweg Pendlerparkplätze in Bahnhofsnähe brauche. Zusätzlich regte Kelch die Aufstellung von Fahrradcontainern zur sicheren Verwahrung an.

 

Michael Esken (parteilos) forderte mehr Toleranz für den Lärm während des Fests und brachte den Abriss der Mehrzweckhalle auf das Podium. Weil die Halle asbestbelastet ist, stimmten Speier und Kelch zu. Lediglich Claudia Schnabel sprach sich für die Prüfung einer möglichen Sanierung und Nachnutzung aus, gab jedoch zu bedenken, dass das Gebäude in der roten Geruchszone liegt. Außerdem sei ihr bekannt, dass es bereits Planungen für den gesamten Bereich „Auf der Schwärz“ gebe, die der Gemeindevertretung aber noch vorgelegt werden müssen. Diese habe dann zu entscheiden.

An die Adresse der Burschenschaft beteuerten alle Kandidaten, sich bei aufkommenden Beschwerden für einen Erhalt der Kirmes einzusetzen. Schnabel warf die Möglichkeit eines durch die Burschenschaft unterstützten Urlaubs in den Raum. Daraufhin riet Kelch, keine falschen Hoffnungen zu machen: „Fühlen Sie sich jetzt nicht animiert, während der Kirmes in den Wellness-Urlaub zu fahren?“ Speier griff diesen Punkt auf und animierte, auf die Kirmes zu gehen. Esken erklärte die Vielschichtigkeit des Problems und die einfachste mögliche Konsequenz: „Im Zweifelsfall dreht die Polizei den Strom ab.“

In der nächsten Ja/Nein-Fragerunde versprachen alle vier Kandidaten im Falle eines Wahlsiegs, auch Sprechstunden in den Ortsteilen anzubieten und bei den Ortsbeiratssitzungen in der Regel dabei zu sein. Uneinig waren sich die Kandidaten hingegen bei der Frage nach einem möglichen Kindergartenneubau.

OP-Wahlforum Fronhausen. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Nur Michael Esken befürwortete diesen, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Ein Neubau könnte zudem mehr Inklusion ermöglichen. Die anderen Kandidaten meldeten Bedenken an, die Trägerschaft durch die Kirche sei eine „gewachsene Kooperation“ (Speier) und würde durch einen Neubau gefährdet. Peter Kelch sah in dieser Hinsicht zu viele offene Fragen und Claudia Schnabel sprach sich für eine Investition in den bestehenden Kindergarten aus.

Ebenfalls um die Trägerschaft ging es bei der Frage um die Zukunft der Dorfgemeinschaftshäuser. Michael Esken und Claudia Schnabel waren der Meinung, die Gemeinde besitze zu viele Bürgerhäuser. Schnabel sagte ganz klar, dass sich die Gemeinde die Häuser in dieser Form nicht mehr leisten könne, eine Schließung möchte sie aber vermeiden. Esken hingegen schloss Schließungen nicht aus. Um die Häuser zu halten, favorisiert Kelch Lösungen, bei denen Ortsvereine die Trägerschaft übernehmen. Speier sieht Chancen, Zuschüsse besser zu nutzen und die Häuser attraktiver zu machen.

Weil es beim Ferienprogramm „eine Abstimmung mit den Füßen“ (Esken) zugunsten des Angebots in der Nachbargemeinde gebe, streben in Sachen der Kinder- und Jugendpflege alle Kandidaten mehr „interkommunale Zusammenarbeit“ an. Esken möchte die vorhandenen Jugendclubs bei Bedarf reaktivieren, Schnabel sieht zusätzlich einen Jugendpfleger als „super Lösung“. Kelch und Speier wollen die vorhandenen Angebote der Kirchen und anderer Institutionen mehr wertschätzen und das Ehrenamt fördern.

Dort will Speier auch ansetzen, wenn es um die älteren Bürger Fronhausens geht. Kelch möchte mit einer „Initiative Aktives Altern“ die bestehenden Angebote koordinieren um den Menschen zu ermöglichen, im Alter in gewohnter Umgebung mobil zu bleiben. Schnabel will gegenseitige Hilfe, etwa bei der Kinderbetreuung institutionalisieren und „erhalten, was wichtig ist: Ärzte, Apotheken“. Esken schloss sich in vielen Punkten an und ergänzte, dass sich die Bedürfnisse ändern, was die Wohnformen angehe. Man könnte etwa leerstehende, ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude für das Mehrgenerationenwohnen nutzen. Alle sprachen sich, falls finanziell machbar, für einen Bürgerbus aus. Kelch betonte auch Möglichkeiten wie Begegnungs­cafés, um die Leute aus den Wohnungen zu holen.

Zum Abschluss hatten die Kandidaten jeweils 90 Sekunden Zeit für einen Wahlaufruf.

von Philipp Lauer

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Egal, wer die Bürgermeisterwahl in Fronhausen gewinnt: Es gibt gute Aussichten darauf, dass der uralte Streit um die Sanierung der alten Lahnbrücke in Sichertshausen endlich beigelegt wird.

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