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Alarmstufe Roth - Zielvorgabe bleibt aus

Ausschuss ohne Beschlussempfehlung Alarmstufe Roth - Zielvorgabe bleibt aus

Der Umgang mit der künftigen Konzeption für die gemeindliche Kinderbetreuung droht die Weimarer Parteien von einem klaren mehrheitlich getragenen Vorgehen zu entfernen. Das könnte für Roth fatale Folgen haben.

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Seit 25 Jahren existiert in diesem Gebäude in Roth ein Kindergarten. Derzeit ist nicht geklärt, wie es im Sommer dort weitergeht. Kommen U-3-Kinder, um die Zweigruppigkeit zu sichern? Welche Öffnungszeiten werden angeboten?

Quelle: Thorsten Richter

Niederweimar. Der Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie und Sport sollte am Mittwochabend eigentlich eine erste Richtung vorgeben, wie ab August die Konzeption zur Kinderbetreuung in Weimar aussehen soll.

Nach der Sitzung blieben die Vertreter von CDU und Grünen fassungslos zurück. Auch die beiden Leiterinnen der Kindergärten Oberweimar und Roth wussten nicht wirklich, wie sie mit der Haltung der SPD und FBW umgehen sollen. Und Bürgermeister Peter Eidam fehlten die Ansatzpunkte, die Haltung der beiden genannten Parteien nachvollziehen zu können.

Was war passiert? Es galt also festzulegen, wie sich die drei gemeindlichen Kindergärten bezüglich der gesetzlich vorgeschriebenen U-3-Betreuung aufstellen sollen. Dabei ging es vornehmlich um die Kindergärten Roth und Oberweimar, deren Leiterinnen zur Ausschuss-Sitzung gekommen waren und wertvolle Informationen zu einer Entscheidungsfindung beitrugen.

Der Gemeindevorstand hatte ausgehend von den realen Zahlen der in Weimar lebenden Kindern bis zu drei Jahren in Absprache mit den Kindergärten-Teams eine Konzeptionsempfehlung entwickelt, die dem Bedarf gerecht wird und ins pädagogische Konzept passt. Danach soll eine der beiden bestehenden Regelgruppen im Kindergarten Roth in eine altersgemischte Gruppe mit dann sechs Plätzen für Kinder im Alter ab zwei Jahren umgewandelt werden. Im Kindergarten Oberweimar soll die bestehende altersgemischte Gruppe als eine reine U-3-Gruppe weitergeführt werden. Kindergartenleiterin Evelin Muth merkte an, dass sie sich in Oberweimar auch vorstellen können, Kinder ab einem Jahr zu nehmen. Mit veränderten Öffnungszeiten bis 16 oder gar 17 Uhr sowie einem Mittagstisch in allen gemeindlichen Einrichtungen sehe man sich dann gut aufgestellt.

Wenkbach als „zentral“ gelegener Standort

SPD und FBW, die zusammen per Antrag die U-3-Betreuung zum Thema gemacht hatten, ging das noch nicht weit genug. Die Ausschuss-Mitglieder Hans Jakob Heuser (FBW) in Vertretung von Erika Zeman, sowie die beiden SPD-Männer Stephan Wenz und Andreas Kaletsch machten deutlich, dass sie sich darüber hinaus eine reine Kinderkrippe für die Großgemeinde Weimar im „zentral gelegenen Wenkbach“ wünschen und dafür das in Gemeindebesitz befindliche alte Lehrerwohnhaus favorisieren, das zur Zeit auf Mietbasis bewohnt wird. Wenz: „Wenn Weimar ein für junge Familien attraktive Gemeinde bleiben soll, müssen wir dieses Angebot vorhalten.“

Jetzt gebe es für solche Vorhaben noch Zuschüsse, so Wenz. Das Projekt in Wenkbach versteht er nicht als Konkurrenz, weil es ja ein zusätzliches Angebot für Familien mit kleinen Kindern sein soll, die eine neue Heimatgemeinde suchen. Kaletsch geht weiter von gut bis voll belegten Kindergärten in Weimar aus. Er könne sich nicht vorstellen, dass der demografische Wandel von einem auf das andere Jahr die Situation in Weimar völlig verändert.

Als zuständiger Sachbearbeiter bei der Gemeindeverwaltung legte Uwe Jakob Hahn hingegen dar, dass der Rückgang der Kinderzahlen schon merklich eingesetzt habe. Auch die derzeitigen Kinderzahlen sprächen nicht dafür, in ein zusätzliches Projekt zu investieren, zumal der Kindergarten in Roth noch Kapazitäten frei habe.

Das bekräftigte auch Ilona Born-Hach, Leiterin des Kindergartens Roth. Sie richtete einen klaren Appell an die Kommunalpolitiker, durch ihr Handeln nicht den Fortbestand einer zweiten Gruppe in Roth zu gefährden, der nur durch die Aufnahme von unter Dreijährigen gelingen könne. Schon jetzt gibt es in Roth 17 freie Plätze und im Sommer wechseln 16 Kinder in die Grundschule. Born-Hach bat zudem um ein klares Signal des Parlaments, damit Eltern, die gerne in Roth ihre Kinder anmelden wollen, eine schnelle und verbindliche Verlässlichkeit in Sachen Betreuung, Öffnungszeiten und Mittagstisch bekommen. Weil für die U-3-Kinder noch ein paar Umbauten nötig seien, müsse jetzt schnell gehandelt werden, damit zum neuen Kindergartenjahr im August alles fertig sei. Stefan Bug, Erster Beigeordneter der Gemeinde Weimar, sprach sich deutlich gegen ein mögliches Vorhaben in Wenkbach aus. „Eine reine Kinderkrippe läuft den pädagogischen Entwicklungen der letzten Jahre völlig entgegen. Nach dem hessischen Bildungsplan sollen die Lebensjahre von 0 bis 10 möglichst eine Einheit bilden mit festen Bezugspersonen und Orten. Deshalb haben wir uns ja auch darum bemüht, dem Fliegenpilz Raum im Kindergarten Niederweimar zu geben.“

Kompromissversuch von der Gemeindeverwaltung

Rainer Pfeffer und Elisabeth Wege von der CDU sowie Lydia Schneider von den Grünen, die zugleich den Ausschuss-Vorsitz innehat, mussten erschreckt feststellen, dass SPD und FBW ohne das ehemalige Lehrerhaus Wenkbach zu keinem Beschlussvorschlag kommen wollten. Hahn versuchte gegenzusteuern und brachte die Idee ins Spiel, in einem möglichen Beschlussvorschlag festzuhalten, die Option ehemaliges Lehrerwohnhaus in zwei Jahren noch einmal genauer zu überprüfen. Hans Jakob Heuser brachte hingegen zum Ausdruck, dass sich seine Fraktion eingehend mit dem Thema beschäftigt und ihn mit einer klaren Zielvorgabe in den Ausschuss geschickt habe.

„Hier müssen wir klotzen und nicht kleckern, um für Familien attraktiv zu bleiben. Wir wollen Plätze für Zuzügler vorhalten, uns breiter aufstellen.“ Er ging sogar noch weiter und stellte das gesamte in den vergangenen Jahren entwickelte pädagogische Konzept mit altersgemischten Gruppen in Frage. Dass dies nicht der ausschließliche Weg sei, begründete er damit, dass die Gesamtschule Niederwalgern seit Einführung der altersgemischten Lerngruppen ein Problem mit den Schülerzahlen habe.

Lydia Schneider bilanzierte für die Grünen: „Das wird eine Katastrophe, wenn wir jetzt hier den ganz großen Wurf wollen, die Eltern in Roth aber in der Luft hängen lassen.“

Bürgermeister Peter Eidam ließ die Diskussion lange auf sich wirken, ehe er verdeutlichte: „Wir haben beim Angebot für unter Dreijährige eigentlich kein echtes Problem und können das geforderte Angebot relativ kostengünstig gewährleisten.“

Als Kämmerer der Gemeinde kann er die Wenkbach-Idee derzeit nicht unterstützen. Erste Schätzungen gehen von Kosten um die 250000 Euro für einen Umbau des ehemaligen Lehrerhauses in Wenkbach aus. Hahn rechnet damit, dass allein aufgrund des Ausbaus von kindgerechten Sanitäranlagen mehr Geld zu veranschlagen sei. Für das von SPD und FBW angedachte Wenkbach-Projekt gibt es im noch zu beschließenden Haushalt 2013 keine Position.

n Am Mittwoch, 6. Februar, tagt ab 20 Uhr im Sitzungszimmer im Rathaus der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss. Dessen Mitglieder beschäftigen sich zunächst mit dem Haushalt 2013 und danach mit der Konzeption für die gemeindliche Kinderbetreuung.

von Götz Schaub

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