Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Acht Stationen zum Auferstehungsfest

Ostergarten Acht Stationen zum Auferstehungsfest

Sonst ist es ein Gemeindehaus, gegenwärtig ist es die üppig ausgestattete Kulisse für die Darstellung der Ostergeschichte in acht Stationen. Rund 2000 Menschen sind diesen besonderen Kreuzweg in den vergangenen Wochen gegangen.

Voriger Artikel
„Investor verschwindet und wir gucken in die Röhre“
Nächster Artikel
Zu Besuch bei den "Camping-Hühnern"
Quelle: Michael Hoffsteter

Hassenhausen. Dort steht er, der Wegweiser nach Jerusalem, mitten in Hassenhausen. Pastor Pascal Weiand begleitet heute in altertümlichem Gewand eine Seniorengruppe aus Marburg durch den Ostergarten. Es ist die dritte Auflage der Aktion, initiiert von der Evangelischen freikirchlichen Gemeinde Hassenhausen, einer Gemeinde mit baptistischer Ausrichtung. Jeweils bis zu 3000 Menschen aus der Region und auch von weiter her, Kinder wie Erwachsene, durchschritten in den vergangenen Jahren den Ostergarten - in diesem Jahr hat die Gemeinde auf diese Weise bereits für rund 2000 Menschen die Ostergeschichte greifbar gemacht.

Und los geht’s nach Jerusalem, zur ersten Station der Passionsgeschichte. Die Gäste erleben den Einzug in Jerusalem in der Kulisse eines riesigen Jerusalem-Gemäldes. Der Raum ist mit Palmen und einer lebensgroßen Eselfigur geschmückt. Pascal Weiand lässt die Besucher teilhaben an der Aufbruchstimmung jener Zeit in Jerusalem. Die Menschen litten unter der Unterdrückung durch die römischen Herrscher, sie warteten auf einen Retter, einen anderen König. Vom Tonband gibt’s jetzt eine gewaltige Geräuschkulisse. Männer, Frauen und Kinder begrüßen Jesus, der auf einem Esel in die Stadt einreitet, begleitet von seinen Jüngern. Und sie hoffen, dass dieser Mann, der Wunder vollbringen kann, sie befreit.

Die Ostergeschichte erzählen, die wichtigste Botschaft der Christen weitergeben und greifbar machen - das ist das Anliegen, das die Hassenhäuser Gemeinde mit ihrem Ostergarten verfolgt. Das erfordert großen Einsatz. Von den 160 Mitgliedern der Gemeinde arbeiten mehr als 100 mit beim Ostergarten. Manche nehmen dafür Urlaub. In diesem Jahr ist der Garten drei Wochen lang geöffnet, jetzt noch bis zum Samstag, 30. März. Schon zwei Wochen, bevor die Führungen starten, beginnt der Aufbau. „Inzwischen geht’s schneller als am Anfang“, sagt Pascal Weiand und lächelt. „Das Grundgerüst steht mittlerweile an einem Tag, wir haben alles durchnummeriert.“ Das Grundgerüst, damit ist eine Art Theaterkulisse aus Stangen, Säulen und jede Menge Vorhängen, Wand- und Deckenbehängen gemeint, die sich quer durchs Gemeindehaus erstreckt. Gottesdienst ist nicht drin in dieser Zeit, „wir sind dann in anderen Gemeinden zu Gast“, erklärt Weiand.

Besucher erleben das erste Abendmahl

Für die heutigen Besucher geht’s weiter auf dem Kreuzweg. Sie erleben das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern anlässlich des Passahfests abhielt. Und sie erleben zugleich das erste Abendmahl. Gemeindemitglied Birgit Menger-Kächele kommt als Darstellerin hinzu. Sie reicht Brot und Traubensaft, die Worte Jesu werden eingespielt. „Das ist mein Leib, der für euch geopfert wird. Das ist mein Blut, es wird vergossen zur Vergebung eurer Sünden.“ Die Gäste kauen andächtig auf einem Stück Brot - und sie erleben die Angst der Jünger mit. Jesus kündigt seinen Tod an, und er sagt voraus, dass es einer der Jünger sein wird, der ihn verrät.

Im Ostergarten baut sich allmählich eine sehr beklemmende Stimmung auf. Das Passahmahl ist vorüber, Erzähler Pascal Weiand greift eine Laterne, zieht den Vorgang zur nächsten Station zur Seite und führt die Gäste in die Kulisse des Garten Gethsemane. Es ist dunkel. Die Besucher tasten sich vorsichtig voran und hören dann die Geschichte von der Verhaftung Jesu, nachdem Judas ihn mit einem Kuss verraten hat. Die Jünger flüchten, die Soldaten nehmen Jesus mit - der Jünger Petrus folgt ihm heimlich.

Die Atmosphäre wird nun immer bedrohlicher. Spehre hängen von der Decke, die Besucher bahnen sich ihren Weg und erleben mit, wie Petrus gegenüber einer Magd, gespielt von Pastorin Dorothea Weiand, dreimal hintereinander verleugnet, Jesus zu kennen und sein Freund zu sein - dann kräht der Hahn, wie Jesus es beim letzten Abendmahl vorausgesagt hat. An diese nächtliche Lagerfeuerszene schließt sich die Geschichte über die Verurteilung Jesu an. Der römische Stadthalter Pontius Pilatus nimmt sie vor - gezwungen durch das Volk, das „Kreuzigt ihn, kreuzigt ihn“ skandiert. Die Geschichte, die folgt, ist brutal und blutig. „In der Kinderführung gestalten wir diese Szenen anders und halten sie wesentlich kürzer“, erklärt Pascal Weiand. Doch die Erwachsenen bekommen nun einen sehr genauen Eindruck von der Folter und Hinrichtung Jesu. Sie nehmen eine Dornenkrone in die Hand, sie können die Nägel für die Kreuzigung sehen, eine Peitsche anfassen. Und sie hören die Kreuzigungsszene, geschildert von dem Hauptmann, der die Hinrichtung leitete. Die Liebe, die er in den Augen des gefolterten und sterbenden Jesus sieht, bringt ihn zu der Überzeugung: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.“

Die Besucher können sich jetzt selbst ins Geschehen einschalten. Eingangs des Ostergartens hat jeder von ihnen einen Stein mit auf den Weg genommen. Er steht symbolisch für persönliche Sorgen, Ängste und Nöte. Wer mag, kann diesen Stein jetzt vor dem Kreuz ablegen - zum Zeichen des christlichen Glaubens, dass Jesus durch seinen Kreuzestod die Menschen von ihren Sünden und Nöten befreit.

Eine grüne Oase hinterm Grab

Die Geschichte hat ihren absoluten Tiefpunkt erreicht - und sie soll so nicht enden. Jesu Leichnam ist inzwischen durch einen großherzigen Spender in einem Höhlengrab, das sonst nur reiche Menschen der damaligen Zeit bekamen, beigesetzt worden. Es ist der zweite Tag nach der Hinrichtung, die Christen in aller Welt feiern ihn als Ostersonntag, als Auferstehungstag. In der Kulisse des Ostergartens sind einige Frauen auf dem Weg zu Jesu Grab. Sie wollen den Leichnam mit kostbaren Ölen salben und ihm so die letzte Ehre erweisen. Erzähler Pascal Weiand gibt jedem Besucher einen Tropfen eines duftenden Öls auf die Hand, um dafür ein Gefühl zu vermitteln. Nach und nach dürfen die Gäste jetzt das Grab betreten. Es ist leer. Darin liegt das Leichentuch Jesu. Und Darstellerin Birgit Menger-Kächele spielt den Engel, der im Grab wacht. „Jesus ist auferstanden“, raunt sie und strahlt. Die letzte Station des Ostergartens ist ein wirklicher Garten. Hinter dem Grab betreten die Besucher eine grüne Oase mit Blumen. Und angeleitet von Pascal Weiand tanzen sie im Kreis einen Freudentanz. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Dieser Satz Jesu Christi aus dem Johannes-Evangelium prangt groß an der Wand. Zur Erinnerung an den Ostergarten erhalten die Besucher ein grünes Blatt, gefertigt aus Holz. Als Zeichen der Auferstehung und des ewigen Lebens.

Die Führungen durch den Ostergarten sind bereits ausgebucht, in der Osternacht können Interessierte jedoch durch den Garten wandern und die Einspielungen zur Passionsgeschichte hören. Am Samstagabend besteht ab 20 Uhr die Möglichkeit, nach Belieben Zeit im Ostergarten zu verbringen, Getränke und Snacks zu genießen, mit anderen ins Gespräch zu kommen oder in einem „Raum der Stille“ zu verweilen. Anmeldungen sind nicht erforderlich. Adresse: Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Hassenhausen, Kapellenweg 1.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr