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„Abtrünnige“ bilden eine neue Fraktion

Fronhausen „Abtrünnige“ bilden eine neue Fraktion

Für vier der einst sieben Mitglieder der Fraktion „Bürger für Fronhausen“ beginnt eine neue Ära in einer neuen Fraktion, die politisch unabhängig für die Gemeinde arbeiten will.

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Wer sich für die neue Fraktion Initiative Fronhausen interessiert, kann sich bereits im Internet unter www.initiative-fronhausen.de informieren.

Quelle: Thorsten Richter

Fronhausen. Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber hat eine verlässliche Mehrheit im Parlament endgültig verloren. Die Koalition aus „Bürger für Fronhausen“ (BfF) und SPD muss ab sofort mehr denn je um Mehrheiten kämpfen, sprich Überzeugungsarbeit leisten.

Nach Inge Lettermann-Nass, Claudia Schnabel und Martin Wenz hat nun auch der ehemalige Fraktionsvorsitzende Richard Möller die BfF-Fraktion verlassen, ohne sein Mandat zurückzugeben.

Die vier haben sich am Samstag zusammengefunden und beschlossen, als neue Fraktion im Fronhäuser Parlament weiter zu arbeiten. Unter den Namen „Initiative Fronhausen“ haben sie es sich auf ihre Fahne geschrieben, parteipolitisch unabhängig und bürgernah zu arbeiten.

Nun, gab es dieses Vorhaben nicht schon einmal? Richtig, die „Bürger für Fronhausen“, schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus unzufriedenen SPD-Mitgliedern hervorgegangen, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, politisch unabhängig, bürgernahe Arbeit im Parlament zu betreiben. „Einer von euch“ titelten die Wahlplakate Webers vor seiner ersten Wahl zum Bürgermeister. Trotz klarer Wiederwahl ist bei einigen „Bürgern“ der Traum von der politisch unabhängigen Arbeit ausgeträumt. Der Bürgermeister setzte zur Unterstützung seiner Arbeit auf eine stabile Koalition. Da es bereits schon innerhalb der SPD-Fraktion den einen oder anderen „Freidenker“ gibt, der nicht immer mit der Parteilinie konform geht, musste er Sorge tragen, in seiner Fraktion Geschlossenheit zu erreichen.

Aber so verstanden die vier „Bürger“ nicht die parteiunabhängige Arbeit. Was intern bei den „Bürgern“ passierte, weiß die Öffentlichkeit nicht konkret, sie nahm immer nur diverse Veränderungen wahr. Inge Lettermann-Nass gab den Vereinsvorsitz zurück, Richard Möller sein Amt als Fraktionsvorsitzender. In den Parlamentssitzungen vertraten „Bürger“ immer wieder sehr konträre Meinungen, diejenigen, die nicht aufseiten des Bürgermeisters standen, wurden von diesem mehr als einmal verbal sehr hart angegangen oder mit einem nicht zu überhörenden geringschätzigen Tonfall bedacht.

Ein Beispiel: Als Claudia Schnabel einmal eine Nachfrage stellte, antwortete Reinhold Weber nur, dass das gerade gesagt worden sei und sie einfach zuhören solle. Der Bruch mit der Fraktion hat Vorgeschichten. Schon 2011, als die Feuerwehrspitze wegen Problemen mit dem Bürgermeister den kollektiven Rücktritt artikulierte, sagte Richard Möller dazu im Parlament: „Wir, die Mehrheit der Fraktion, können den derzeitigen Kurs des Bürgermeisters in dieser und anderen Angelegenheiten nicht mittragen.“ Das Feuerwehr-Problem wurde gelöst, die „anderen Angelegenheiten“ offenbar nicht.

Steffen Weber, aktueller Fraktionsvorsitzender der nun auf drei Personen geschrumpften BfF-Fraktion, hatte seine ehemaligen Fraktionsmitglieder aufgefordert, das Mandat zurückzugeben, um Nachrückern der BfF den Platz frei zu machen. Das haben die vier jedoch nicht vor. „Wir sind zwar nicht mehr bei den Bürgern, aber wir vertreten immer noch das Programm, was wir uns vor der Kommunalwahl gegeben haben. Und das heißt, dass wir frei nach Wissen und Gewissen im Sinne der Gemeinde und nicht im Sinne irgendwelcher Parteien entscheiden“, sagt Inge Lettermann-Nass auf OP-Nachfrage.

"Sind motiviert und bekommen Zuspruch“

Im Umkehrschluss heißt dies auch, dass die vier sehr wohl auch Anträge der BfF mittragen werden. Lettermann-Nass: „Wir wollen aber nicht gute Anträge ablehnen, nur weil sie von einer bestimmten Partei kommen. Diese Spiele machen wir nicht mehr mit.“ Das dürfte die CDU sicher gerne hören. „Ob aus der neuen Fraktion bei den nächsten Kommunalwahlen eine neue Liste wird, ist noch offen. „Wir sind motiviert und bekommen Zuspruch aus der Großgemeinde.“

Übrigens, auch Bürgermeister Reinhold Weber nimmt für sich in Anspruch, parteiunabhängig zu sein. Er fühlt sich nur der Gemeinde verpflichtet. In einem offenen Brief an alle Mitbürger im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Fronhausen teilt er mit, dass aufgrund des unausgeglichenen Haushalts „Sparen angesagt“ sei.

Die Gemeinde müsse mehr einnehmen und weniger ausgeben. Weber: „In einer solchen Situation müssten alle Gemeindevertreter an einem Strang ziehen, aber das Gegenteil ist in Fronhausen der Fall. Parteipolitik geht hier vor der Konsolidierung der Gemeindefinanzen. Das Gemeinwohl wird Einzelinteressen untergeordnet.“

von Götz Schaub

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