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Ab November gibt es „eigene“ Wärme

Bioenergie-Dorf Mölln Ab November gibt es „eigene“ Wärme

Wenn alle dasselbe wollen, kann es auch mal ganz schnell gehen: Erst im Herbst 2014 gründete sich in Mölln eine Bioenergie-Genossenschaft, jetzt werden schon die Rohre für die Nahwärme verlegt.

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Vertreter der Firmen und Kreditgeber sowie des Kreises, der Kommune und natürlich der Genossenschaft führten den symbolischen ersten Spatenstich aus für eine Baustelle, die schon das gesamte Dorf umfasst.

Quelle: Götz Schaub

Mölln. Das kleine Mölln ist der nächste Ort, in dem die Energiewende von den Einwohnern betrieben wird. Und mit was für einem Erfolg. 60 Prozent der Haushalte machen mit. Das bedeutet 32 Häuser von insgesamt 54 erhalten einen Anschluss. „Quelle“ der Nahwärme ist die Biogasanlage, die zwischen Mölln und Heskem steht, von Peter Arndt und Thomas Rein betrieben wird und schon das GrundBad und die Gesamtschule Heskem mit Abwärme beliefert.

In der neuen Heizzentrale, die sich direkt in Mölln befinden wird, wird es allerdings auch noch einen Ölkessel geben. Das lässt sich noch nicht vermeiden, wie in anderen Bioenergie-Dörfern auch.

Doch soll dieser so wenig wie möglich zum Einsatz kommen. Nämlich nur im Falle eines Ausfalls der Nahwärme-Versorgung und an besonders kalten Tagen, in den so genannten Spitzenlastzeiten, die von der Nahwärme nur zu 95 Prozent abgedeckt werden können, erklärt Dr. Wolfram Westmeier vom Vorstand der Genossenschaft.

Offizieller Spatenstich nach einem Monat Bauarbeiten

Es gibt aber auch noch zwei Pufferspeicher mit einem Volumen von 7000 Litern. Dort wird die Wärme gespeichert, die an Tagen geliefert wird, an denen aufgrund der Wetterlage weniger Wärme abgenommen wird. Seit 6. Juli wird in Mölln schon gebaggert.

Zum Teil sind die Rohre schon verlegt, zum Teil gibt es offene Gräben. Trotzdem fand diese Woche noch ein „offizieller erster Spatenstich“ statt. „Es ist eben schon schwierig, wenn man mehr als zwei Menschen dabei haben will, sie alle unter einem Hut zu bekommen“ , befand Westmeier. Und weil auch bei diesem Termin nicht alle konnten, wie etwa der Vorsitzende der Genossenschaft, Edgar Pieringer, übernahm dessen Stellvertreterin Silke Schnegelberger die Eröffnungsrede. „Obwohl die Arbeiten schon im vollen Gange sind, fühlt sich das alles noch so unwirklich an“, sagte sie zunächst, um dann doch der Veränderung im Dorf ins Auge zu sehen: „Als Zugezogene freue ich mich sehr in eine Dorfgemeinschaft gekommen zu sein, wo Dinge einfach gewuppt werden.“

„Wenn der Landkreis sein Ziel erreichen will, energieautark zu werden, geht das natürlich auch nur über den Bürgerwillen vor Ort“, sagte Landrätin Kirsten Fründt. Sie freute sich sehr, in Mölln eine intakte und rege Dorfgemeinschaft vorzufinden, die schon viel zur Verbesserung der Lebensqualität im Ort in die Hand genommen hat. Dieses Projekt sei hingegen ein „doppelt positives“. Denn zum einen tue es der Dorfgemeinschaft gut, zum anderen wurden heimische Firmen mit Aufträgen bedacht.

Netz soll bis Mitte Oktober fertig sein

Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz bestätigte, dass die Möllner schon sehr viel in Eigenleistung vollbracht haben. Nun geben sie ein Beispiel für die konkrete Umsetzung der Energiewende. „Und dieses Beispiel hat auch dazu geführt, dass es nun auch in Dreihausen und Hachborn Überlegungen zur Energiewende gibt.“ Schulz sparte nicht mit Lob. Er sei auch stolz darauf, dass Mölln so ist, wie es ist und zur Gemeinde Ebsdorfergrund gehört.

So, und was gibt es noch an wichtigen Zahlen und vor allem: wie geht es jetzt weiter? Die Antworten hat Bernd Föller parat, Projektleiter im Bereich Heizung des Ingenieurbüros für Technische Gebäudeausrüstung und Energiemanagement in Grebenhain: „Die Trasse ist insgesamt 1500 Meter lang. Inklusive Heizzentrale und Hausübergangsstationen werden hier rund 700000 Euro investiert.“ Das Netz soll bis Mitte Oktober fertig sein. Ab Mitte September sollen die Hausanschlussstationen in Angriff genommen werden. Und: Ab November kann der Winter kommen, dann wird alles inklusive Heizzentrale fertig sein.

von Götz Schaub

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