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50 Zentimeter sind was für Champions

Kaninhop 50 Zentimeter sind was für Champions

Pferde und Hunde springen in Wettkämpfen über Hindernisse. Warum sollten das nicht auch Kaninchen machen, die ohnehin gerne hüpfen? In Niederweimar machen kuschelige Kaninchen große Sprünge beim Kaninhop.

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Bein Kaninhop hüpfen die Kaninchen über Hindernisse, die 25 bis 50 Zentimeter hoch sind.

Quelle: Patricia Grähling

Niederweimar. Wenn Flecki am Startpunkt eines Hindernisparcours steht, wird das sonst so gemütliche, flauschige Kaninchen plötzlich ganz schön schnell. Das weiße Tier mit den schwarzen Flecken rennt los und springt in kürzester Zeit über alle Hindernisse. Die 11-jährige Jessica muss da flott reagieren. Sie hat ihren Flecki an der Leine und muss neben dem Kaninchen den Parcour entlanglaufen.

Zehn Kinder und Jugendliche sitzen im Vereinsheim des Kaninchenzuchtvereins Nieder­weimar. Sie haben ihre eigenen Kaninchen auf dem Schoß und warten, bis sie in den Parcours dürfen, um die Kaninchen springen zu lassen. Diese Sportart nennt sich Kaninhop, innerhalb des Zentralverbands Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) gibt es zahlreiche Wettbewerbe und Meisterschaften.

Kaninchen Opal aus Niederweimar ist Vize-Meister

Der Vize-Meister im Kaninhop hüpft auch in Niederweimar mit. Es ist das Kaninchen Opal, das zusammen mit Paula Schneider den Titel geholt hat. Paula trainiert gemeinsam mit ihrer Schwester Laura seit 2008 das Hindernishüpfen für Kaninchen. Seit 2010 nehmen sie mit ihren Haustieren an Wettkämpfen teil.

Laura Schneider hat gemeinsam mit Heiko Findt vom Kaninchenzuchtverein die Kaninhop-Gruppe in Niederweimar ins Leben gerufen. Seither trainiert sie nicht mehr nur mit ihrer Schwester die eigenen zehn Kaninchen – sondern hilft auch anderen Kindern und Jugendlichen dabei, ihren Kaninchen den Parcours schmackhaft zu machen.

Manche Tiere eignen sich einfach nicht

„Es ist aber ganz wichtig, dass die Kaninchen auch Spaß daran haben“, erklärt die 21-jährige Laura Schneider. Manche Tiere eignen sich einfach nicht für Kaninhop, weil sie nicht über die Hindernisse hüpfen wollen. „Das kann man dann nicht ändern“, betont sie. Aber ausprobieren lohne sich: „Manche Kaninchen sind ganz ruhig und gemütlich – und beim Kaninhop drehen sie plötzlich auf“, erklärt Findt. Andere hätten gar kein Interesse am Springen.

Und wie bringt man die Kaninchen nun zum Hüpfen? „Das ist eigentlich ganz leicht“, erklärt Laura Schneider. Es funktioniere im Prinzip nicht anders als die Erziehung von Hunden: „Die Kaninchen werden belohnt, wenn sie über ein Hindernis hüpfen.“ Ein kleines Leckerli und eine Streicheleinheit können Wunder bewirken – wenn das Kaninchen ein wenig Interesse am Springen hat.

Kaninchen sanft in die richtige Richtung schieben

Um den Tieren zu zeigen, was man von ihnen will, dürfen auch mal die Hände eingesetzt werden: Mit der Hand am Hintern des Kaninchens dürfen die jungen Besitzer die Tiere sanft in die richtige Richtung schieben. Rebeccas Flecki, ihr zweites Kaninhop-Tier, ist gerade im Parcours und will am Hindernis vorbei. „Nimm ihn hoch und setz ihn wieder gerade vor das Hindernis“, ruft Laura einen Tipp zu.

 
Zwar müssen die Kaninchen in der Regel – auch bei den Wettbewerben – an der Leine hüpfen. Die dient laut Findt aber nur dem Schutz der Tiere. So könne man sie schnell hochnehmen, falls Gefahr droht – und das Tier könne nicht abhauen. Die Leine muss beim Springen aber immer locker durchhängen. Manchmal gebe es solche Tage, da wolle ein sonst begeisterter Hüpfer nicht über die Hindernisse. „Das muss man dann akzeptieren“, betont Laura Schneider.

Hindernisse sind 25 bis 50 Zentimeter hoch

Wie bei anderen Sportarten auch gibt es beim Kaninhop verschiedene Wettbewerbs-Klassen, in denen die Kaninchen aufsteigen können. Die richten sich nicht nach Rasse oder Größe des Tieres, sondern nach der Höhe und der Anzahl der Hindernisse. In der leichten Klasse müssen die Kaninchen mindestens 25 Zentimeter hoch hüpfen – in der Elite-Klasse sind die Hindernisse sogar bis zu 50 Zentimeter hoch.

Und warum macht man Kaninhop? „Warum gibt es Springreiten“, lautet die Gegen­frage von Laura Schneider. Weder Pferde noch Kaninchen würden über einen Parcours gehen, wenn sie nicht darauf trainiert wären. Aber die Besitzer der Tiere hätten Spaß daran. „Es ist toll, mich so intensiv mit meinem Kaninchen zu beschäftigen und etwas mit ihm zu machen.“

Im Sommer wird draußen trainiert

Die Kaninhop-Gruppe trainiert alle zwei Wochen im Vereinsheim in Niederweimar. Im Sommer wollen die Kinder und Jugendlichen draußen auf der Wiese üben. „Wir haben im Herbst extra angefangen, eine Strecke rund um das Vereinsheim anzulegen“, sagt Findt. Er freut sich über den Zuspruch für die Gruppe. Ein wenig macht Kaninhop auch die Kaninchenzucht für Jugendliche attraktiver: Drei Mitglieder der Gruppe züchten selbst.

Laura und Paula Schneider üben mit ihren zehn Kaninchen höchstens einmal die Woche. „Man sollte nicht zu oft mit den Kaninchen trainieren“, erklärt Laura. „Wenn sie das jeden Tag machen müssen, dann verlieren sie die Lust am Springen.“ Und die ist eben das Wichtigste am Kaninhop.

von Patricia Grähling

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