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40 Apfelsorten wachsen rund um Ebsdorf

Apfel- und Weinfest 40 Apfelsorten wachsen rund um Ebsdorf

Hier musste niemand in den sprichwörtlich sauren Apfel beißen. Bei strahlendem Sonnenschein feierte Ebsdorf am Samstag sein Apfel- und Weinfest. Dabei wurde die seltene Apfelsorte fieser Erstling gefunden.

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Alfred Oehler bestimmt die mitgebrachten Äpfel der Besucher.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Der Apfel - das beliebteste Obst der Deutschen. Im Jahr 2012 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei etwa 25 Kilo, so zählte das Statistische Bundesamt nach. Die bekannteste und am meisten gezüchtete Art ist der Kulturapfel. Hierzulande gibt es davon über 1500 Sorten. Zahlreich wird die gesunde Frucht in Literatur und Poesie erwähnt. Allseits bekannt sind berühmte Zitate wie „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder „Ein Apfel am Tach, hält den Doktor in Schach“. Allen Grund der berühmten Frucht mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Am Samstag feierten die Ebsdorfer ihr drittes Apfel- und Weinfest auf dem Hof des Dorfarchivs. Veranstaltet hatte die Feier der Heimat- und Verschönerungsverein Ebsdorf. Das Thema Apfel war überall vertreten. Bei Apfelkuchen, Apfellikör, Weinverkostung, Musik und Gesang genossen die Gäste das sonnige Wetter. Vor Ort wurde mit einer traditionellen Apfelpresse frischer Apfelsaft hergestellt. Über mehrere Stunden kelterten Kurt Büttner und Jürgen Grün kiloweise das frische Obst, was besonders die Kinder begeisterte. Ein Highlight des Festes war die große Apfelausstellung des Vereins. Im Vorfeld waren die Mitglieder tagelang durch die Gemarkung Ebsdorf gewandert, hatten von jedem Apfelbaum mehrere Proben gesammelt sowie Standort und Baum fest gehalten. Auf langen Tischen erstreckten sich die teilweise noch nicht identifizierten Funde, wurden von Experten begutachtet und bestimmt.

Viele Festbesucher brachten zudem eigene Äpfel mit, um deren genaue Sorte bestimmen zu lassen. Mittlerweile existieren zahlreiche, schwer zu unterscheidende Hybride des Obstes. Daher werden viele Apfelsorten verwechselt und falsch deklariert, erzählte Apfelkenner Alfred Oehler, Vorsitzender des Kreisverbands Marburg für Obstbau, Garten und Landschaft.

Der Experte identifizierte die Ebsdorfer Apfelsammlung und erklärte den Gästen die feinen Unterschiede der Früchte. Zum Erkennen der Sorte gibt es viele Möglichkeiten. Die äußere Beschaffenheit gibt häufig schon wichtige Hinweise, ob klein, groß, hoch gebaut, flach, kugel- oder walzenförmig. Die Schale kann unter anderem trocken, matt, rau oder fettig sein. Zudem sind Farbe, Geschmack und Geruch der gereiften Äpfeln ausschlaggebend. Apfelkenner können zudem weitere Anhaltspunkte durch die Form und Tiefe der Kelcheinsenkung an der Unterseite der Frucht sowie durch eine Stielprobe oder den Probeschnitt erkennen.

Viele Äpfel hatten braune oder eingedrückte Stellen. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, erklärte Oehler. Während der langen Trockenzeit des Jahres, warfen die Bäume ihre Früchte nicht ab. Durch die dann einsetzenden starken Regenfälle, sind viele Äpfel geplatzt und beschädigt worden. Die Früchte eignen sich trotzdem sehr gut zum vermosten. Unter der Sammlung aus Ebsdorf fand der Experte schließlich eine eher seltene Apfelsorte: „den fiesen Erstling“. Wie der Name schon sagt, ein sehr säurehaltiger, herber Apfel, der jedoch gerne beim Mosten von Apfelwein verwendet wird. Am häufigsten wächst in der Umgebung der Boskop, ein großer saftiger Tafelapfel von grüngelber bis roter Deckfarbe, mit kräftigem, säuerlichem Aroma.

Äpfel werden in einem Kataster dokumentiert

Die Vielfalt der Apfelsorten des Ortes soll nun genau erfasst und dokumentiert werden. Der Heimat- und Verschönerungsverein Ebsdorf hat sich den Erhalt der heimatlichen Kultur, Sitten und Gebräuche auf die Fahne geschrieben. Mit der umfangreichen Sortenkunde von etwa 75 Apfelbäumen des Ortes und deren Bestimmung möchte der Verein ein Obstbaum-Kataster für die Gemarkung anlegen, erklärte Vereinsvorsitzender Wolfgang Richardt. Insgesamt gibt es in der Region etwa 40 verschiedene Apfelsorten. Bürgermeister Andreas Schulz lobte das Engagement des Vereins, der zudem ehrenamtlich die Pflege mehrerer Pflanzungen und den Erhalt der Äpfel als Kulturgut übernimmt. In nächster Zeit soll der Apfelbestand im gesamten Ebsdorfer Grund erfasst und nach Lage und Sorte dokumentiert werden.

HINTERGRUND

Der Apfel gehört zur Familie der Rosengewächse. Die Pflanzengattung der Äpfel gehört zu den Kernobstgewächsen und umfasst über 50 Arten Bäume und Sträucher. Der Kulturapfel ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Art. Durch umfangreiche Kultivierung und Zucht sind im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl neuer Sorten entstanden. Jedes Jahr kommen zahlreiche hinzu. Weltweit gibt es geschätzt über 30000 Sorten.

von Ina Tannert

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