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26 neue Bewohner werden erwartet

Flüchtlingsunterbringung 26 neue Bewohner werden erwartet

Ab Oktober werden bis zu 26 Flüchtlinge nach Rauischholzhausen ziehen. In einer ersten Informationsveranstaltung stellten sich Vertreter von Kreis und Gemeinde den Fragen der Einwohner.

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In dem Haus am Zimmerplatz 3 in Rauischholzhausen sollen ab Oktober bis zu 26 Flüchtlinge untergebracht werden.

Quelle: Ina Tannert

Rauischholzhausen. Derzeit leben 16 Menschen in Ebsdorfergrund, die nach wochen- oder monatelanger Flucht samt Erstaufnahme-Behördenmarathon ihren Weg in den Landkreis gefunden haben. Die gesetzlich vorgeschriebene Verteilungsquote liegt derzeit bei 72 Personen. „Wir liegen also noch weit darunter“, so Bürgermeister Andreas Schulz.

Ab dem ersten Oktober werden daher bis zu 26 neue Asylbewerber in den Ortsteil reisen und in das Mietshaus am Zimmerplatz 3 einziehen. Vor allem interessierte die rund 150 Anwesenden, wer genau demnächst in ihrer Nachbarschaft leben wird. Woher die Menschen stammen, ob es sich um Familien oder Einzelpersonen eines bestimmten Alters handelt - darüber konnten die Regierungsvertreter keine genaue Auskunft geben. Darauf hat der Kreis keinen Einfluss, „bis sich die Bustüren am Landratsamt öffnen - weiß man meistens nichts“, erklärte Jochen Koenemann vom Fachbereich Ordnung und Verkehr.

Sicher sei lediglich, dass Menschen verschiedener Nationalitäten und Religionen nach Rauischholzhausen kommen werden. „Integration lebt von der Mischung“, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Künftig werden die neuen Mitbürger völlig selbstständig als Eigenversorger leben.

Betreut werden sie von einem der 13 Sozialarbeiter des Landkreises, der ein- bis zweimal in der Woche vor Ort sein wird. Um den durch die zusätzlichen Bewohner entstehenden Abfall wird sich ein Hausmeisterservice kümmern, teilte der Vermieter auf Nachfrage einiger Zuhörer mit. Wie viele der Flüchtlinge dauerhaft in der Gemeinde leben werden, lässt sich indes nicht voraussehen. Allerhöchstens 20 Prozent verbleiben auch an ihrem ersten Wohnort, den Großteil ziehe es erfahrungsgemäß in die Ballungsräume und großen Städte. „Die Bewohner wechseln häufig und sehr schnell“, teilte Schulz mit.

Im Fokus der Diskussion stand das künftige Zusammenleben mit den neuen Nachbarn. Im Umgang mit den Geflüchteten gehe es um ein beiderseitiges gutes Miteinander, das über eine Willkommenskultur hinausgehe, betonte Zachow. Hierbei helfe der Aufbau einer Atmosphäre der „freundlichen Normalität“, ein nachbarschaftlicher Austausch und die Teilhabe der neuen Mitbürger.

Der erste Eindruck zählt

Bereits während der Ankunft der von Krieg und Flucht häufig traumatisierten Menschen komme es auf den „ersten Eindruck“ an. Ausschlaggebend sei dabei, auf welche Art und Weise die Menschen in ihrer neuen Unterkunft aufgenommen werden. Erfahrungsgemäß präge dies zu einem großen Teil die Einstellung zu unserer Gesellschaft, berichtete Denise Ulbrich vom Fachdienst Ausländer und Migration. Für eine erfolgreiche Aufnahme und Integration unabdingbar sei dabei der Einsatz der Einheimischen, privater Organisationen und Vereine. „Nur das Ehren­amt kann ein Hineinwachsen in ein Dorf ermöglichen“, betonte Zachow. Das hohe Engagement privater Initiativen der Flüchtlingshilfe sei „enorm wichtig“ und würde von Seiten des Kreises stets und möglichst unbürokratisch unterstützt.

Ein weiteres Thema waren am Mittwoch mögliche Verständigungsschwierigkeiten mit den künftigen Bewohnern. Aus seiner Erfahrung falle die Sprachbarriere jedoch weniger ins Gewicht als häufig angenommen. Viele Flüchtlinge sprechen Englisch, manche bereits Deutsch und helfen bei der Übersetzung. Bei einer Überwindung der Sprachbarriere helfen sollen zudem ab dem zwölften Oktober dezentrale Deutschkurse an verschiedenen Orten im Landkreis, teilte Koenemann mit. Darüber hinaus werden künftig auch in Ebsdorf privat organisierte Sprachkurse angeboten.

Der Kreis rief die Anwesenden mehrfach dazu auf, ungenutzten, privaten Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Viele der Zuhörer wunderten sich bei diesem Thema, dass im Rahmen der Flüchtlingshilfe gerade in Rauischholzhausen die Gebäude der Universität Gießen nicht genutzt würden. „Viele Uni-Gebäude stehen leer und werden dem Verfall überlassen“, ärgerten sich mehrere Zuhörer. Den Frust könne der Kreis verstehen, häufig werde auf private Vermieter gesetzt, obwohl vielerorts ausreichend öffentlicher Wohnraum zur Verfügung stehe, sagte Koenemann. Der Grund für dieses Problem liege unter anderem an einem „langsamen Verwaltungsapparat“ und einer deutlich höheren Flexibilität der privaten Anbieter.

Die Resonanz der interessierten Zuhörer an diesem Abend fiel zum Großteil positiv aus. Mehrere Anwesende boten Hilfe, Beteiligung an der Organisation oder Sachspenden an.

von Ina Tannert

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