Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
1000 Kilometer für kranke Kinder

Glückstour 1000 Kilometer für kranke Kinder

Schornsteinfegermeister Norbert Böth steigt seinen Kunden berufsbedingt aufs Dach. Doch jetzt macht er erst einmal Urlaub – und den verbringt er auf dem Rennrad, fährt Hunderte Kilometer, um Geld für die Krebshilfe zu sammeln.

Voriger Artikel
Schutz für die Erdbeeren
Nächster Artikel
Viele Gewinner und eine rote Laterne

Sieben Tage, 1000 Kilometer, bei Wind und Wetter: Schornsteinfegermeister Norbert Böth aus Wenkbach nimmt als einziger Vertreter des Landkreises an der diesjährigen Glückstour zugunsten krebskranker Kinder teil.

Quelle: Ina Tannert

Wenkbach. Morgen startet die diesjährige Glückstour, an der Schornsteinfeger aus dem ganzen Land teilnehmen, um so viele Spenden wie möglich zusammenzuradeln. Mit von der Partie ist dieses Mal ein Vertreter aus dem Landkreis. Zum mittlerweile elften Mal findet die Radtour zugunsten krebskranker Kinder statt. Und für die haben sich 35 Teilnehmer, allesamt Schornsteinfeger, so einiges vorgenommen. Die Strecke führt über 1000 Kilometer von Neckarsulm bis nach Köln. Den Weg wollen die Radler in sieben Tagen schaffen. An den Start gehen wird auch Norbert Böth, Schornsteinfegermeister aus Wenkbach, von der Kreisgruppe der Schornsteinfegermeister Marburg-Biedenkopf.

Er ist mit 39 Jahren der jüngste der Glücksradler, die an dem sportlichen Benefiz-Event teilnehmen – und das völlig auf eigene Kosten. Für die Aktion hat sich Böth Urlaub genommen, Anfahrt und Übernachtungen während der Tour sind längst gebucht. Geld und Aufwand gibt er dabei nur zu gerne, „wir kämpfen für eine so wichtige Sache“, erklärt er. Auch für Verpflegung und Ausrüstung langt der Selbstständige tief in die Tasche, alleine die Startgebühr liegt bei 500 Euro und wandert ohne Abzug direkt mit in den Spendentopf.

Rekordsumme an Spenden  in Höhe von 176.000 Euro

Und der füllt sich bereits seit Monaten. Alle teilnehmenden Radler und Schornsteinfeger-Verbände aus dem ganzen Land haben im Vorfeld kräftig Spenden gesammelt, Kunden, Firmen und Privatleute ins Boot geholt, die sich an der Aktion beteiligen. Und die mischen kräftig mit: Verschiedene Unternehmen sponsern die Glückstour-Trikots, zahlreiche Handwerker arbeiten zum Teil umsonst, ihren Lohn spenden die Kunden direkt für die Glückstour und zahlreiche Privatpersonen unterstützen die gute Sache finanziell. „Jeden Tag kommen weitere kleine und große Beträge hinzu, die Spendenbereitschaft ist enorm“, lobt Böth begeistert.  Auf ihrem Weg werden die Radler an jeder Etappe entlang der Strecke die Spenden aus dem vergangenen Jahr symbolisch an örtliche Hilfsinitiativen, Vereine und Forschungsprojekte gegen den Krebs verteilen. Dieses Mal haben sie eine Rekordsumme in Höhe von 176.000 Euro im Gepäck.

Auf das große Event für den guten Zweck freut sich der Wenkbacher als einer von drei Teilnehmern aus Hessen bereits seit Monaten. „Ich bin zum ersten Mal so richtig mit dabei“, erzählt Böth. Für ihn geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. Dabei war sein Ziel gleich in zweierlei Hinsicht eine echte Herausforderung – nur durch einen Notfall wurde er überhaupt zum Radler. Denn: Vor einigen Jahren zwang ihn eine Krankheit samt Lungenoperation dazu, sein Leben von Grund auf zu ändern. Ein Teil seiner Lunge musste entfernt werden, wochenlang war er ans Bett gefesselt, konnte kaum laufen und seine volle Genesung stand lange auf der Kippe.

Nach langwieriger Arbeitsunfähigkeit und gesundheitlichen Einschränkungen befand er sich auf dem Weg der Besserung, musste wieder fit werden, und das per Rad. „Das war das einzige Training, das ich machen durfte“, erzählt er. Also stieg er gezwungenermaßen auf sein Fahrrad, um Herz-Kreislauf-System und Muskulatur wieder auf Vordermann zu bringen. „Ich war nie ein großer Radfahrer, aber die Krankheit hat mich dazu gemacht.“ Heute ist er glücklich darüber, ein begeisterter Radler und fährt mittlerweile über hundert Kilometer in der Woche auf dem Rennrad. „Es ist ein Geschenk und ein kleines Wunder, dass ich das überhaupt wieder kann – jetzt will ich erst recht etwas zurückgeben“, erklärt er.

Böth freut sich auf die vielen glücklichen Gesichter

Eine soziale Ader hatte er vorher schon, aber an der Tour teilgenommen hätte er ohne seine Erkrankung wohl nicht: „Wenn alles glattläuft im Leben, macht man sich weniger Gedanken wie es sein könnte, wenn es anders wäre“, sagt er. Sein eigenes Schicksal hat ihm die Augen geöffnet, lässt ihn viel mehr an die denken, denen es nicht so gut geht, vor allem an die Kinder. „Es ist Wahnsinn was die Kranken durchmachen und die Hilfsinitiativen leisten – da ziehe ich drei Hüte vor“, betont er.

Bereits im vergangenen Jahr sprang er daher trotz vermindertem Lungenvolumen als Ersatzfahrer bei der Glückstour ein, nachdem ein Teilnehmer ausgefallen war. Dieses Erlebnis hat ihn tief beeindruckt. „Das Allergrößte“ war für ihn nicht nur die große Hilfsbereitschaft und das Engagement der Fahrer, sondern vor allem die an Krebs erkrankten Kinder, die die Radler während der Tour kennenlernen. Auf die vielen glücklichen Gesichter bei dem turbulenten Event freut er sich jetzt schon.

Verein „Schornsteinfeger helfen krebskranken Kindern“

Organisiert wird die Glückstour von dem extra zu diesem Zweck gegründeten Verein „Schornsteinfeger helfen krebskranken Kindern“, dem mittlerweile bundesweit über 900 Berufsvertreter angehören. Der traurige Auslöser der stetig wachsenden Spendenaktion war vor zehn Jahren der Tod der Tochter eines Schornsteinfeger-Kollegen, der mittlerweile selber den Kampf gegen den Krebs verloren hat.

Heute zählt die Glückstour mit zu den größten privaten Hilfsaktionen in Deutschland: Seitdem die Aktion ins Leben gerufen wurde konnten die Teilnehmer bereits über eine Million Euro an Spendengeldern für die Krebshilfe
zusammenradeln. Mit dem Geld unterstützt der Verein zahlreiche Initiativen, Elternvereine, Kliniken, Einzelpersonen und Forschungsprojekte.

Während der einwöchigen Radtour wird Böth mit den Kollegen zwischen 90 und 130 Kilometer am Tag zurücklegen. Er hofft „auf eine tolle Tour und Rückenwind“. Die gesammelte Rekordsumme wollen die Radler auch in diesem Jahr noch mal überbieten – bisher haben sie das jedes Mal geschafft.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr