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100 Jahre Retter im eigenen Dorf

Weiershausen 100 Jahre Retter im eigenen Dorf

Wann die Feuerwehr des heutigen Weimarer Ortsteils Weiershausen genau gegründet wurde, weiß man heute nicht mehr. Die erste offizielle Feuerwehr nahm vor 100 Jahren die Arbeit auf. Und das wird am Wochenende gefeiert.

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Ein eingeschworenes Brandschützer-Team für ein kleines Dorf im Allnatal: Die aktuelle Besetzung der Freiwilligen Feuerwehr ­Weiershausen.

Quelle: Privatfoto

Weiershausen. Noch gut in Erinnerung ist hingegen die Gründung der Jugendfeuerwehr vor 25 Jahren. Grund genug, diese beiden Jubiläen am Samstag und Sonntag festlich zu begehen, unter anderem mit einer Übung der Weimarer Jugendwehren, einem zünftigen Kommersabend mit viel Musik und einem Familiennachmittag am Sonntag. Im Vorfeld des Jubiläumsfestes gab es einen Wettbewerb für Kinder, die ihre gebastelten Feuerwehrautos einreichen konnten. Die schönsten Kunstwerke werden am Sonntagnachmittag prämiert.

Das erste Schriftstück über die Frage des Brandschutzes in Weiershausen stammt aus dem Jahre 1864, berichtet Helmut Zeman in der 16-seitigen Chronik, die zum Fest erschienen ist. Der Grund für den Wunsch nach einer eigenen Feuerspritze im Dorf liegt auf der Hand: Bis dahin hatten die Weiershäuser noch Glück gehabt, wenn die in Elnhausen und Niederweimar stationierten Feuerspritzen nach einer Stunde an einem Brandort eingetroffen waren. Man kann sich vorstellen, dass es bis dahin meist nur noch wenig zu löschen gab.

Erste Spritzenmannschaft

Der Nachbarort Allna bekam noch im Oktober 1864 eine eigene Spritze, die für beide Orte gedacht war. In dieser Zeit stellte Weiershausen ebenfalls eine Spritzenmannschaft auf, laut Chronik bestand die aus Rottenmeister Johann Kirch und Petter Ammenhäuser, Konrad Winter, Andreas Merte, Johannes Becker, Johannes Brehmer, Jost Friebertshäuser, Georg Winter, Daniel Becker und Jost Becker. Feuerreiter war Andreas Pfeiffer.

Dennoch blieb das Problem, dass in einem Brandfall die Hilfe zu spät im Ort eintraf. Erfolglos ersuchte man um eine eigene Ausrüstung. Erst ab Januar 1915 hatte Weiershausen mit der Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr, Vorläufer für die spätere freiwillige Feuerwehr, eine vollwertige Brandschutzeinheit. In den vergangenen 100 Jahren gibt es, was die Geschichte der Feuerwehr betrifft, große Lücken.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verbessert sich die Quellenlage. Eine Zeit, die bis in die sechziger Jahre von Johann-Heinrich Merte (Flibse) und dessen Neffen Karl-Heinz Merte (Hennesch) als Ortsbrandmeister geprägt wurde. 1951 wurde Städten und Gemeinden die Trägerschaft der Feuerwehren zugewiesen, jede Gemeinde hatte eine Feuerwehr aufzustellen.

Der Name Merte blieb an der Spitze der Weiershäuser Wehr auch weiterhin vertreten: Walter Merte (Hennesch) führte die Floriansjünger als Ortsbrandmeister von 1960 bis 1985. Ein Meilenstein in der Geschichte der kleinen Ortsteilwehr war der Bau eines unterirdischen Löschwasserbehälters (Zisterne) mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmeter 1967, über dem schließlich in Eigenleistung das erste Gerätehaus errichtet wurde.

Aufschwung ab 1974

Mit der Gebietsreform wurden die Brandschützer des Orts Teil der Weimarer Feuerwehr. Durch diesen Zusammenschluss, berichtet Helmut Zeman, der von 1985 bis 2005 das Amt des Wehrführers bekleidete, „entwickelte sich ein deutlicher Aufschwung in Ausbildung und Ausstattung der Feuerwehr“.

Am 28. August 1990 schließlich wurde die Jugendfeuerwehr Allna-Weiershausen gegründet, mit vier Mädchen und neun Jungen. Die Anschaffung eines gebrauchten Tragkraftspritzenfahrzeugs (TSF) 1993 erforderte den erneuten Umbau des Gerätehauses, was wiederum zum größten Teil in Eigenleistung gelang. Die Jugendabteilung orientierte sich zeitweise in der Zusammenarbeit Richtung Wenkbach und Niederwalgern, seit Ende 1999 arbeitet man wieder gemeinsam mit Allna.

Problem bei Freistellung für Einsätze

2005 übernahm der heutige Wehrführer Christian Zeman sein Amt und wurde auch Vereinsvorstand. Dass sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern, merkt man auch in Weiershausen. Immer weniger Feuerwehrleute arbeiten heute noch direkt vor Ort. Viele müssen weite Strecken zur Arbeit zurücklegen. Die Zahl der bäuerlichen Betriebe geht fast gegen Null. Das reduziere die Mannschaft bei einem Tagesalarm drastisch, so Helmut Zeman in der Chronik.

Wer nach der Ausbildung in seinem Beruf vorwärts kommen möchte, muss Umzüge in Kauf nehmen und um den Erhalt seines Arbeitsplatzes oft kämpfen. Auch Arbeitgebern falle es schwerer, ihre Mitarbeiter für Einsätze freizustellen.

Jede Feuerwehr stehe derzeit vor dieser großen Herausforderung. War in den Gründerzeiten das Material, das zum Einsatz kam, oft kläglich, so haben die damaligen Feuerwehrleute mit dem „Herz in der Hand“ den Mensch in Not Hilfe geleistet. Heute müsse die alte Idee aus dem Jahre 1915 neu gezündet werden. Ein wichtiger Baustein dazu sei die Jugendfeuerwehr, aus der viele heute aktive Feuerwehrfrauen und -männer hervorgegangen sind.

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