Eine gefüllte Halle – wie hier 2007 in Stadtallendorf beim Tischtennis-Champions-League-Spiel des TTV Gönnern gegen Charleroi – hilft den Vereinen und nutzt den Sponsoren.
Marburg. Märte nennt auch den Grund für seine Feststellung: „Es gibt in unserer Region eine viel zu konservative Unternehmerschaft, die im Spitzensport nichts bewegen will.“ Märte war lange Jahre als Manager tätig beim TTV Gönnern, der einst mit den Topstars Timo Boll und Jörg Roßkopf in der Tischtennis-Bundesliga und auch in Europa für Furore sorgte.
Am Beispiel des TTV Gönnern wird deutlich, wie wichtig Sponsoren für das Überleben und schließlich das Aus des Bundesligisten waren.
Wichtig ist die finanzielle Unterstützung auch für andere Vereine im Landkreis, die Spitzensport anbieten oder anbieten wollen. Wie schafft es der Tennisverein (TV Marburg), die Attraktivität des ITF-Weltranglistenturniers „Marburg Open“ von Jahr zu Jahr zu steigern? Warum spielen Marburgs Basketball-Frauen in der 1. Bundesliga, die Männer aber nur in der Oberliga? Warum schaffen es die heimischen Handballvereine seit Jahren nicht, zumindest in der hessischen Spitze mitzuspielen? Ist die Hessenliga das Nonplusultra der Fußballer in unserem Landkreis? Welchen Aufwand müssen die Verantwortlichen der Marburg Mercenaries betreiben, um national konkurrenzfähig zu bleiben? Ist die 2. Bundesliga auf lange Sicht Endstation für die Volleyballerinnen? Was muss geschehen, damit nach Johannes Oesterling mal wieder ein Schwimmer aus unserem Landkreis an den Olympischen Spielen teilnimmt?
Diesen Fragen und mehr geht die OP in den kommenden Wochen in einer Serie zum Thema „Sponsoring im Sport“ nach.
Blicken wir zunächst zurück auf den TTV Gönnern, Timo Boll und Co.: Nach einem rasanten Aufstieg des kleinen Provinzvereins aus dem Hinterland in der Saison 1995/96 zum zweimaligen Champions-League- und zweimaligen Deutschen Pokalsieger mit dem damaligen Youngster und heutigen Superstar Timo Boll musste der TTV in den vergangenen Jahren zunehmend erkennen, dass die wirtschaftliche Substanz im Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht ausreicht, um Profi-Tischtennis in der notwendigen Nachhaltigkeit darstellen zu können. Nach Bolls Weggang war dann auch bei den wenigen Aktivposten im Umfeld des Vereins mehr oder weniger die Luft raus.
Die Folge: Am 24. April 2009 wurde das Aus des Bundesligisten TTV Gönnern offiziell besiegelt. Die Turngemeinde (TG) Hanau übernahm ab der Saison 2009/10 den Platz des TTV Gönnern in der Deutschen Tischtennis Liga (DTTL), der Eliteliga des deutschen Tischtennis-Sports.
Roßkopf brachte seinerzeit die Problematik des TTV auf den Punkt: „Von Jahr zu Jahr war es schwieriger, genügend Geld von Sponsoren aufzutreiben. Es musste so kommen.“
Dabei hatte Gönnern unter der Leitung von Manager Märte alles versucht, um das Aus abzuwenden. Lange habe man sich nur mithilfe von Mäzenen über Wasser gehalten.
Gespräche mit Großunternehmen und Konzernen außerhalb des hiesigen Landkreises brachten nicht die erhofften Resultate: „Alle teilten uns mit, wir sollten uns um eine Zusammenarbeit mit heimischen Unternehmen kümmern“, sagt Märte. Doch auch große Erfolge, wie der zweimalige Champions-League-Sieg, lösten bei potenziellen Sponsoren aus unserem Landkreis keine Euphorie aus. „Offenbar geben Unternehmen eher etwas für gemeinnützige Dinge als für den Profisport“, ergänzt Märte. Auch der kostspielige Einsatz professioneller Marketing-Agenturen habe sich im Nachhinein für den TTV Gönnern nicht gelohnt.
Hinzu kam und kommt die mangelnde oder gänzlich fehlende Berichterstattung über hochkarätige Sportevents aus der heimischen Region im Hessen Fernsehen. Märte teilt in diesem Zusammenhang die jüngst im OP-Interview geäußerte Kritik des Marburger Oberbürgermeisters Egon Vaupel.
Immer noch verärgert ist Märte über das Auftreten eines Vertreters des Hessen Fernsehens bei einem zurückliegenden Workshop der Licher-Brauerei, an dem auch Vertreter des Privatsenders RTL teilnahmen. „Ich kann mich noch an einen Satz ganz genau erinnern“, sagte Märte im Gespräch mit der OP: „Ihr pickt euch die Rosinen, sprich Fußball und Formel 1, raus, und wir sollen den Schrott senden“, habe nach Aussage von Märte der Vertreter des Hessen Fernsehens in Richtung RTL gesagt.
„Wenn Tischtennis oder Frauen-Basketball von einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender als Schrott bezeichnet wird, wird deutlich, in welchem Dilemma wir stecken“, sagt Märte. Im Übrigen stehen Vaupel und Märte mit ihrer Kritik an der Sportberichterstattung des Hessen Fernsehens nicht allein. Auch der Präsident des Basketball-Bundesligisten BC Pharmaserv Marburg, Jürgen Hertlein, hatte sich bereits schriftlich beim Hessen Fernsehen über die Nichtbericherstattung von der Frauen-Basketball-Bundesliga beschwert. Geändert hat sich bislang nichts.
von Michael E. Schmidt
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Kommentare
Potential nicht da Beobachter des Sports – 08.03.10
Die Infrastruktur ist doch überhaupt nicht gegeben in dieser Region. Die größte Stadt ist Marburg mit einer Kern-Einwohnerzahl von unter 60.000 Menschen (keine Studenten, keine Stadtteile die 10km ausserhalb liegen) und einer schmalen industriell/unternehmerischen Landschaft. Welcher Firmenchef sollte X Euro für Verein Y ausgeben, der bestenfalls bis nach Gießen oder Fulda wirbt?Nehmen wir mal das populäre Beispiel der Fußballer des VfB Marburg: Vor 5 (?) Jahren als es zeitweilig um den Aufstieg in die Regionalliga ging, kamen im Spitzenspiel 1 gegen 2 knapp mehr als 500 Zuschauer - davon mehr als die Hälfte von den Gästen. Und selbst das sind dann im Gros Leute die sich an ihrer Bratwurst und der Flasche Bier festhalten anstatt wirklich interessiert mitzufiebern. Wenige Meter weiter steht ein Stadion mit einer Kapazität von mehreren Tausend Plätzen - locker fähig für höhere Spielklassen - aber außer das die Mercenaries den Rasen dort 5,6 mal im Jahr umpflügen (dürfen), passiert dort so gut wie nichts. Die Sportanlagen genügen Ansprüchen die bedeutend höher sind als das tatsächliche Sport-Potential in dieser Stadt.
alles richtig, blinx – 07.03.10
aber (herr märte), die frage bleibt: wohin geht das geld? ist es nicht so, dass erst mal die notwendigsten dinge finanziert werden müssen, bevor spielergehälter gezahlt werden. herr marte, bitte geben sie mal einen einblick!!!tv präsenz heimischer vereine etzel – 07.03.10
es gibt zwei vereine aus marburg die sehr erfolgreich spitzensport im landkreis bieten, leider nur in sogenannten randsportarten.wer einmal die stimmung bei den mercenaries im stadion miterlebt hat weis mit wieviel herzblut in diesem verein gearbeitet wird. da dieser verein aber nicht aus frankfurt oder dem umland von frankfurt stammt wird er totgeschwiegen wie fast alles was aus mittelhessen kommt. ich finde das mit entsprechenden übertragungen (auch mit erklärungen) man auch mehr sponsoren auf eines der besten american footballteams der letzten jahre in deutschland aufmerksam machen könnte deswegen sind sowohl heimische wirtschaft als auch überreionale sponsoren gewinnen könnte.
wohin geht das geld? blinx – 06.03.10
zitat: „Von Jahr zu Jahr war es schwieriger, genügend Geld von Sponsoren aufzutreiben. Es musste so kommen.“mich würde bei allen aufgeführten vereinen/mannschaften interessieren, wohin das geld geht? was bekommen z.b. die akteure der basketballer oder beim vfb. das wären spannende inhalte, statt zu jammern, woher das geld kommt.....