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Tischtennis

Marcel Miss ist sieglos glücklich

Mit der Teilnahme am Weltranglistenturnier in Düsseldorf ist für Marcel Miss aus Stadtallendorf ein Traum in Erfüllung gegangen – auch wenn der Behinderten-Tischtennisspieler Lehrgeld zahlen musste.

Mit der rechten Hand bewegt Marcel Miss seinen Rollstuhl, mit der linken konzentriert sich der Stadtallendorfer auf Schläger und Ball.

© Michael Hoffsteter

Stadtallendorf. Während des Entscheidungssatzes musste der Frust einfach raus. Der Schweizer Michael Fässler führte mit zwei Punkten, da haute Marcel Miss auf den Tisch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das brachte ihm die Gelbe Karte ein – es half dem Rollstuhlfahrer aus Stadtallendorf aber nicht, doch noch die Wende einzuleiten. „Darüber habe ich mich sehr geärgert. Ich habe 2:0 nach Sätzen geführt, danach bin ich nervös geworden und meine Hände haben angefangen zu zittern“, blickt Marcel Miss zurück, um dann besonnen hinterherzuschieben: „Wutausbrüche nutzen nie.“

Ein Sieg gelang dem 18-Jährigen nicht bei den „BSNW Open“, einem internationalen Ranglistenturnier in Düsseldorf. Aber gegen Fässler war Miss immerhin nah dran. „Man wächst an den Erfahrungen“, sagt der Stadtallendorfer. „Es war wunderbar, sich mit den Sportlern aus den ganzen anderen Nationen zu messen. Für mich war es wichtig, um zu wissen, wie weit ich noch davon entfernt bin, mithalten zu können.“

Gegen Nesim Turan, der in Düsseldorf Zweiter wurde, hielt Miss zumindest im dritten Satz richtig gut mit. Der Weltranglistenneunte und Vize-Europameister aus der Türkei war dann aber doch zu stark (5:11, 4:11, 8:11). Und gegen Kun Nan Ko aus Taiwan stand das Tischtennis-Talent auf verlorenem Posten (4:11, 3:11, 5:11). Viel Applaus vom Tross des Gegners gab es trotzdem, was Marcel Miss als großes Lob registrierte: „Das zeigt den Respekt, den sie vor meiner Leistung hatten.“

Bundestrainer Wieland Speer habe ihm und den anderen jungen Spielern jedenfalls geraten, im nächsten Jahr bei den „Bayreuth Open“ einen neuen Anlauf zu nehmen. Bis dahin hat Marcel Miss noch viel vor. Ein Einsatz beim Zweitliga-Rollstuhlteam von Bad Wildungen wäre schön, wo er bislang nur Ersatzmann war. Oder ein Sieg bei den Nichtbehinderten, dem er bei Stadtallendorf IX in seinem ersten Seniorenjahr in der 3. Kreisklasse noch hinterherläuft. Oder aber, und das ist das nächste große Ziel, beim Deutschland-Cup.

von Holger Schmidt

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