Patrick Ochs, Ümit Korkmaz (vorne von links) und Co. machen Liegestützen vor idyllischer Waldkulisse.
Grünberg. Die Torwand vor dem Hotel ist noch nicht im Hier und Jetzt angekommen. Gelb und orange-bräunlich gefleckt steht sie da, die beiden Löcher als schwarz-weiße Fußbälle verziert, und verkündet: „Alle Spiele live – WM-Studio“. Doch die Weltmeisterschaft in Südafrika war gestern. Heute ist der Alltag. Und der kommt schwarz, weiß und rot daher. Das Frankfurter Bundesliga-Team gibt sich die Ehre, und als äußeres Zeichen baumeln vor dem Eingang zwei große Eintracht-Flaggen im lauen Sommerlüftchen.
Ein kleiner, gepflasterter Weg führt – gesäumt von Bäumen und einem grünen Bierwagen – hinauf zum Trainingsplatz. Der Fußballplatz liegt mitten in einem Wäldchen, umrandet von einer matten Rotaschelaufbahn, die an Bundesjugendspiele in den 80er Jahren erinnert. Einzig ein Plastikzaun, wie die Torwand in gelb und orange-bräunlich gehalten, trübt die Idylle. Um den Zaun herum haben sich schon eine Dreiviertelstunde vor dem Frühtraining die ersten Anhänger geschart. Die meisten stehen am Eingangsbereich zum Spielfeld, da, wo die Spieler später lang müssen. Vor allem Kinder und Jugendliche sind da, viele mit Eintracht-Trikots, wo dann Franz, Altintop oder Caio draufsteht.
„Geil, da kommen sie“, ruft ein Junge im Franz-Trikot. „Komm, wir holen uns ´nen Stift.“ Dann tippeln die ersten Spieler den kleinen, gepflasterten Weg zum Trainingsplatz hoch. „Morgen, Herr Ochs“, sagt ein Brillenträger. „Morgen“, entgegnet Patrick Ochs. Woraufhin der Brillenträger den Adlerträger wissen lässt: „Der grüßt alle, den kann ich gut leiden.“ Zehn Minuten später liegen die Frankfurter Spieler auf Isomatten und machen den Adler. Also: Sie liegen auf dem Bauch, breiten die Arme aus und bewegen sie auf und ab. Das sieht lustig aus, ist aber nicht unbedingt spektakulär. „Die Kinder sagen: Dehnen ist langweilig“, wird Trainer Michael Skibbe später sagen. „Für die Spieler ist Laufen langweilig.“
Insbesondere für Caio ist Laufen langweilig. Das wissen natürlich alle, und deshalb machen auch die Eintracht-Spieler ihre Späße, als der angeschlagene Brasilianer zusammen mit Chris einige Extra-Runden dreht. „Caio, tranquilo, tranquilo!“, ruft Ümit Korkmaz. Langsam, langsam. Vier Jungs ist das egal: Jedes Mal, wenn Caio vorbeitrabt, klatschen sie und rufen seinen Namen. Caio bedankt sich und hebt den Daumen. Und überhaupt Caio. Der Kerl hat vor der vergangenen Saison noch auf sich aufmerksam gemacht, als er mit einem kleinen Bäuchlein aus dem Heimaturlaub zurückgekommen war. Davon ist heuer nichts zu sehen. Er ist rank und schlank wie der Rest seiner Mannschaftskollegen. Wenn das ein Omen für die neue Saison sein soll, kann‘s ja wohl nur aufwärts gehen.
von Bodo Ganswindt und Holger Schmidt
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