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Fußball, Spieler der Woche:

Del-Angelo Williams nimmt sein Leben in die Hand

Obwohl der Stürmer von  Hessenligist Eintracht Stadtallendorf lange Zeit ohne seinen Vater aufwuchs, hat er Charaktereigenschaften von „Papa“, die dem 23-Jährigen beim Fußball zugute kommen.
Stadtallendorfs Del-Angelo Williams (links) setzt sich gegen Baunatals Mario Wolf durch. Foto: Marcello Di Cicco

Stadtallendorfs Del-Angelo Williams (links) setzt sich gegen Baunatals Mario Wolf durch.

© Marcello Di Cicco

Marburg. Der Vorsprung war hauchdünn, und er kam dank Verbindungen in die USA. Neun Stimmen sicherten Del-Angelo Williams letztlich den Titel „Spieler der Woche“, den er vor allem seiner Tante aus dem US-Bundesstaat Georgia zu verdanken hat, die für den Sohn ihres Bruders bei der Wahl ordentlich auf die Werbetrommel schlug.

Seine Verwandtschaft väterlicherseits hat Williams nie besucht, und auch seinen Vater bekam der 23-Jährige mehrere Jahre nicht zu sehen. Als Williams elf war, verließ sein Vater die Familie, kehrte in die USA zurück.

Er wuchs mit seiner Mutter und drei Schwestern auf – davon zwei älter als er. Auch wenn er seine Mutter als „meine Göttin“ bezeichnet, war sie eine Frau, die Williams bei den Problemen und Fragen eines heranwachsenden Mannes nur bedingt helfen konnte.

„Ich meine die ganz alltäglichen Dinge. Das fängt beim Rasieren an und geht bis zum ersten Kuss“, sagt der 23-Jährige. Es gab keinen älteren Mann, der als Wegweiser auf dem Lebenspfad diente. Wenn er mit anderen Kindern Streit hatte, hörte er manchmal: „Ich hole gleich meinen Vater“. „Was hätte ich sagen sollen?“, lässt Williams die rhetorische Frage im Raum stehen.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Er musste seine Probleme häufig selbst lösen, die Erfahrungen selbst machen, das hat ihn abgehärtet – vor allem seinen Schädel. „Ich habe einen ziemlichen Dickkopf“, gesteht der Stürmer zu. Ob er seinem Vater charakterlich ähnelt? „Wir sind fast ein und dieselbe Person“, lächelt er verlegen und spielt an den Fransen seiner zerrissenen Jeans herum.

Von seinem Vater hat er vor allem das „Gewinner-Gen“. Es gebe kaum etwas, das mehr Befriedigung bedeute als Erfolg mit der Mannschaft. Der  Siegeshunger ist in Williams unersättlich. „Ich bin unheimlich ehrgeizig. Nach Niederlagen will ich manchmal mit niemandem sprechen und allein sein“, sagt er.

Wenn sich Williams etwas in den Kopf setzt, dann macht er das auch. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch wenn es um seine berufliche Zukunft geht. 2015 brach er sein Betriebswirtschaftsstudium an der Philipps-Universität Marburg ab und entschied sich für eine Ausbildung an den Kaufmännischen Schulen Marburg. An der Uni waren manche Mitstudierende nicht „sein Ding“, und einige Veranstaltungen überlappten sich mit den Trainingszeiten bei Stadtallendorf.

Eine Entscheidung musste her, und Williams wählte den Fußballplatz statt des Hörsaals. „Es war zu 100 Prozent die richtige Entscheidung“, unterstreicht der Stürmer. Die drei Tore beim 4:2 im Hessenligaspiel gegen den KSV Baunatal am vergangenen Wochenende, die ihm den „Spieler der Woche“ bescherten, und Tabellenplatz eins mit der Eintracht bestätigen seine Entscheidung voll und ganz.

von Benjamin Kaiser


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