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Zwischen rational und emotional

Teich am Iglauer Weg Zwischen rational und emotional

Die Wendungen um das Thema Teichanlage am Iglauer Weg hat das politische Stadtallendorf zuletzt enorm beschäftigt. Anlass dazu boten massive Bürgerproteste.

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Zum Jahresabschluss stellten sich Parlament und Magistrat der Stadt Stadtallendorf zum Gruppenfoto. Bürgermeister Christian ­Somogyi trug die Amtskette, weil unmittelbar vor der Sitzung eine Festveranstaltung zu 70 Jahre Hessische Verfassung im Sitzungs-
saal stattgefunden hatte.

Quelle: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Entsprechend großen Raum nahm die Debatte um das sanierungsbedürftige Gewässer während der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in diesem Jahr ein. Stadtverordnetenvorsteherin Ilona Schaub (CDU) begrüßte dazu 36 Kolleginnen und Kollegen.

Es bedurfte mehrerer Neufassungen von Änderungsanträgen, um letztlich alle fünf Fraktionen ins Boot zu holen, die schließlich einstimmig für ihren gemeinsamen Änderungsantrag stimmten.

Was bedeutet dieses Votum für die Zukunft des Teiches? Da ist zunächst der Zeitgewinn. Die Stadtverordnetenversammlung setzte ihren Beschluss zur Verfüllung des Teiches vom 14. Juli aus.

Die städtischen Gremienbekommen Zeit zur Prüfung

Zugleich wird die Bearbeitung des Bauantrags für die Umgestaltung der Teichanlage zurückgestellt, damit die städtischen Gremien die genauen Kosten und die technischen Umsetzungsmöglichkeiten verschiedener Varianten zur Erhaltung des Teiches ermitteln können. Dabei muss die Sicherheit der Bürger beim Betreten des zum Teil nicht mehr standfesten Uferbereichs gewährleistet sein. Die alternativen Varianten zur Erhaltung des Teiches sind den zuständigen Fachausschüssen schnellstmöglich inklusive einer realistischen Kostenberechnung vorzustellen.

Es handelt sich folglich um einen Prüfauftrag an die Verwaltung. Auf Grundlage der vorzulegenden Ergebnisse wird das Parlament über die Zukunft des Teiches entscheiden - in die eine oder die andere Richtung.

Bernt Klapper (Bündnis 90/Die Grünen) begründete den Antrag aller Fraktionen, den er als Konsequenz von eindeutigen Willensbekundungen von Anliegern pro Teich-Erhalt wertete. Der alte Beschluss vom 14. Juli sei falsch. Es gelte jetzt zu retten, „was noch zu retten ist“, sagte er.

Diplom-Biologe: Kkeine Luxussanierung

Der Diplom-Biologe stellte klar, dass es den Antragstellern um keine Luxussanierung gehe, sondern um den Erhalt eines der wenigen offenen Gewässer im Stadtgebiet. Notfalls könnten die Arbeiten an dem Projekt je nach Kassenlage auch zeitlich gestreckt werden. Den Teich selbst bezeichnete der Grünen-Politiker als bedeutsam für die künftige Entwicklung des Wohngebiets Spaltanlage / Iglauer Weg, das er als städtebauliches Desaster bezeichnete.

Letzteres brachte Werner Hesse (SPD) auf die Palme. Klapper verkenne, dass diese Missstände auf Privatgrundstücken stattfände, nicht in den von der Stadt beeinflussbaren Arealen. „Wir haben im Sommer sehr intensiv beraten und nach Faktenlage entschieden. Ich glaube nicht, dass die Fakten damals falsch waren“, kam Hesse auf den eigentlichen Kern zurück. Geändert haben sich seit Juli aus seiner Sicht zwei Dinge:

Die im Juli noch anerkannten Standards für eine mögliche Teichsanierung werden inzwischen infrage gestellt. n Es gibt jetzt eine Reihe von Menschen, die sich sehr intensiv mit der Gestaltung der Anlage auseinandersetzen.

Mut der beiden großen Fraktionen zur Kehrtwende

Beide Punkte hätten seine Fraktion bewogen, noch einmal rational an die Sache heranzugehen, um nach Prüfung aller Fakten eine rationale Entscheidung zu treffen.Manfred Thierau (BUS) lobte ausdrücklich den Mut der beiden großen Fraktionen zur Kehrtwende in dieser Frage, die ein gemeinsames Handeln des ganzen Parlaments ermögliche. Er betonte ausdrücklich, dass dieses Lob nicht ironisch gemeint sei.

Er hoffe nun mit den Anliegern auf ein positives Ergebnis der Prüfung, damit der Teich für die Bürger saniert werden könne. „Knackpunkt sind und bleiben die Kosten“ Auch Winand Koch (FDP) sprach von einer beispielhaften Kooperationsbereitschaft aller Fraktionen zur Lösung eines Problems, das Emotionen freigesetzt habe, wie er dies nur selten erlebt habe. „Wir wollen uns nicht einlassen auf das, was mal vorgegeben wurde. Es soll geprüft werden, ob wirklich alle teuren Vorkehrungen zur Rettung des Teiches notwendig sind“, sagte Koch.

Der Rechtsanwalt warb zudem für eine zeitliche Streckung der Arbeiten am Teich und forderte die städtischen Gremien auf, nicht nur auf etwaige Fördergelder zu schielen.„Wir sind prüfungsoffen. Knackpunkt sind und bleiben die Kosten“, erklärte Hans-Georg Lang für die CDU-Fraktion. „Charme des Antrags: Wir halten an. Es wird geschaut und geprüft“, sagte der Schulleiter und Naturwissenschaftler, der aus seiner Profession heraus feststellte: Die Diskussion sei emotional geführt worden, anhand der Zahlen werde sie wieder rational.

Für den Schweinsberger ist die entscheidende Frage: „Was ist mit den Standards? Braucht man sie so, wie ursprünglich vorgesehen, oder geht es auch anderes und günstiger?“ Die Beantwortung dieser Frage wird über das Wohl und Wehe des Teiches am Iglauer Weg entscheiden.

von Matthias Mayer

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