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Zwischen Krieg und Frieden

Adventskonzert Zwischen Krieg und Frieden

Das dritte von vier Adventskonzerten in der Stadtallendorfer Stadtkirche beschäftigte sich mit Krieg und Frieden. Ein Chor und ein Orchester interpretierten gemeinsam das Werk „The Armed Man“.

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Der Projektchor der Sing- und Musikschule und das Orchester Collegium Musicum Stadtallendorf führten die Messe „The Armed Man“ auf. 

Quelle: Yanik Schick

Stadtallendorf. Frieden ist besser. Noch deutlicher könnte die simple Botschaft, die Philip Schütz und seine Musikensembles am dritten Adventssonntag zum Ausdruck bringen wollen, kaum durch die Stadtkirche hallen. Es ist das letzte Stück des fast zweistündigen Konzerts, in dem der Chor mit Nachdruck singt: „Better is peace than always war.“ Lieber Frieden also statt immer nur Krieg.

Fast symbolisch weicht die anfangs einsetzende Marschmusik des Orchesters, erzeugt durch Piccoloflöte, Marschtrommel und Trompetenklänge, am Ende einem sanften, sehr religiösen Schlusschoral. Als es still wird in der Kirche, dreht sich Dirigent Philip Schütz zum Publikum: „Wir haben alles gesagt, was gesagt werden musste.“

Stück war ursprünglich den Opfern des Kosovokriegs gewidmet

„The Armed Man“ heißt das Gesamtwerk, das der Projektchor der Sing- und Musikschule an diesem Abend gemeinsam mit dem Orchester Collegium Musicum Stadtallendorf aufführt. Die von Karl Jenkins komponierte Messe war im Jahr 2000 ursprünglich den Opfern des Kosovokriegs gewidmet. Zum Adventskonzert übte Schütz, der neue Leiter der Sing- und Musikschule, mit beiden Ensembles alle 13 Stücke von „The Armed Man“ ein - und das aus gegebenem Anlass. Schließlich merke man anhand der vielen Flüchtlinge selbst in Stadtallendorf, welches Ausmaß so mancher moderne Krieg inzwischen genommen habe. „Die Komposition von Jenkins behandelt die Themen Krieg und Frieden von ganz verschiedenen Seiten. Auch von den grausamen“, erklärt Schütz.

Und so hat das Konzert neben besinnlichen Elementen wie dem „Benedictus“ auch immer wieder etwas Bedrohliches. Laute, unerwartete Trommelschläge lassen so manchen der knapp 400 Zuhörer in der Kirche hin und wieder aufschrecken. Im Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester ist militärische Marschmusik ein wesentlicher Bestandteil. Wie in einem Spiegel hält sie dem Publikum die Gräuel des Krieges vor Augen. Höhepunkt der Dramatik: das Werk „Charge“, bei dem das Orchester wild durcheinanderspielt, der Chor immer lauter zum Angriff auf dem Schlachtfeld auffordert, und plötzlich ein jäher Gongschlag das Kriegstreiben beendet. Für fast eine halbe Minute ist es still in der Kirche.

Muezznruf hat Symbolcharakter

Ein weiterer Teil von „The Armed Man“ ist der Muezznruf „Allah hu akbar“, den Mahmut Sanal, der Vorbeter der Stadtallendorfer Fatih-Moschee, vorträgt. Auch das hat laut Philip Schütz besondere Symbolkraft. „Über einen unserer Chorsänger ist der Kontakt zur Moschee entstanden. Als ich im Vorfeld dort war, wurde ich sehr herzlich empfangen“, betont der Dirigent. „Es zeigt: Christen und Muslime können miteinander leben.“

Die Einleitung in das Konzert lieferte zuvor Mohamad Kodmani. Der syrische Flüchtling muslimischen Glaubens, der mittlerweile in Neustadt lebt, spielte auf der Ney-Flöte. Ergänzt wird das Programm danach durch einen Auftritt des Jugendchors der Musikschule, der „Wir sind füreinander da“ singt sowie einen Auszug aus der Friedensrede „Kirche und Völkerwelt“ (1934) des Theologen Dietrich Bonhoeffer.

Für Philip Schütz ist es in der Rolle des Dirigenten das erste Konzert, das er als Leiter der Sing- und Musikschule gibt. „Es war überwältigend. Von vorne bis hinten hatte der Abend eine sehr positive Spannung“, bilanziert er danach.

von Yanik Schick

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