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Zwischen Fastfood und Frittierfett

Theater Zwischen Fastfood und Frittierfett

22 Mitglieder der Theater-AG der Stiftsschule begeisterten mit "Currywurst mit Pommes" das Publikum und sagten in einer emotionalen Verabschiedung ihrer Lehrerin Barbara Ballmeier Adieu.

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Eine orientierungslose sächsische Familie – Mutter (Sarah Nau, von links), Oma (Merlinde Friese) und die beiden Töchter (Pauline Hänsel und Marie Groß) – macht Station bei Penny (Franka Schönwandt) an der Hansi-Bar. Fotos: Karin Waldhüter

Amöneburg. Morgens, acht Uhr an der „Hansi-Bar“, einer Frittenbude an einer deutschen Autobahn. Der Kaffee ist fertig, und das Fett muss nach drei Wochen mal wieder gewechselt werden. Leute kommen und gehen. Alle haben es eilig. Die Stammgäste Herbert (Noah Dawedeit) und die beiden Bauarbeiter (Anne Müller und Emily Schunk) wollen bei einem Kaffee und einem Pils ein wenig plaudern. Chefin Penny (Franka Schönwandt) serviert mit Gelassenheit, Routine und einem netten Wort Pommes, Buletten, Bier und Kaffee aus dem Pappbecher.

„Currywurst mit Pommes“ heißt das Stück aus der Feder der beiden Autoren Frank Pinkus und Nick Walsh und ist eine satirische Momentaufnahme zwischen Fastfood und Frittierfett am Rande einer deutschen Autobahn. Zwei Stunden lang begeistern die 22 Mitglieder der Theater-AG der Jahrgangsstufen acht und neun ihre 150 Zuschauer. Die Aufführung lebt von ihren abwechslungsreichen Szenen, die schnell und ohne Pause aneinandergereiht werden. Die 40 Rollen teilen sich die Darsteller untereinander auf.

„Das war eine große Herausforderung für die 14- bis 15-Jährigen“, berichtet Barbara Ballmeier, die gemeinsam mit Stefan Völker die Theater-AG der Stiftsschule leitet. „Eine Wahnsinnsleistung, was das Textlernen angeht“, ergänzt sie.

Besonders amüsant sind die spritzigen Dialoge, in denen zwar häufig Klischees bedient werden, die aber durch Mimik und Gestik der Schauspieler zusätzlich an Farbe gewinnen. Dabei wird den Besuchern keine Verschnaufpause gegönnt. Die Szenen wechseln schnell. Suchen eben noch drei Lehrerinnen (Antonia Henkel, Tessa Weber und Elisabeth Kreyling) Erholung bei einer Aroma-Therapie, so stehen kurz darauf zwei „kulturbeflissene“ Ehepaare (Noah Dawedeit, Johanna Welk, André Heinzer, Naomi Keller) oder die drei Manager (Noah Dawedeit, André Heinzer und Frederik Koch), die nur ihre Karriere im Sinn haben, im Mittelpunkt.

Pause an der Hansi-Bar macht auch eine Familie (Lea Szabo, Elisabeth Schneider, Marie Groß), die Opa Alfred (Elisabeth Kreyling) in einer „Pension für alte Menschen ohne Zähne“ zurücklassen wollen. Als orientierungslose sächsische Familie (der Dialekt sitzt perfekt) erfreuen Merlinde Friese, Sarah Nau, Marie Groß und Pauline Hänsel ihre Zuschauer.

Zwei Kriminalschauspieler (Johannes Wichert und Anne Müller) sorgen als Ehepaar mit einem gespielten Schusswechsel für einen Schreckmoment. Gelungen ist auch die Darstellung der holländischen Familie (Johannes Wichert, Tessa Weber, Johanna Welk und Naomi Keller) und des alten Mannes (Frederik Koch), der schließlich mit Opa Alfred gemeinsam auf Reisen geht.

Zur Rückreise geht drei Wochen später das Ganze wieder von vorne los, und das Treiben auf der Bühne wird zu einem vergnüglichen Schauspiel, das zeigt, wie schnell der Wandel der Zeit sein kann.

Damit das Frittenbuden-Flair auch auf das Publikum überschwappt, gab es in der Pause frisch gegrillte Currywurst auf dem Schulhof. „Der Applaus beweist, dass ihr eine hervorragende Leistung gezeigt habt“, lobte Schulleiter Hans-Georg Lang am Ende. Barbara Ballmeier bekam einen Extraapplaus vom Publikum. Sie war zum vorletzten Mal für ein Bühnenstück verantwortlich und wird mit Ferienbeginn nach fast 30 Jahren an der Stiftsschule den verdienten Ruhestand antreten. „Es war für sie immer ein Anliegen, die Schüler in einem anderen Zusammenhang zu zeigen“, erklärte Stefan Völker und lobte ihr „ungeheures Geschick mit den Schülern“ und die sehr angenehme Arbeit, die nun zu Ende gehen werde.

von Karin Waldhüter

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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