Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Zweieinhalb Jahre Haft für Haschisch-Dealerin

Urteil noch nicht rechtskräftig Zweieinhalb Jahre Haft für Haschisch-Dealerin

Ein im Bildungsbürgertum angesiedeltes Kirchhainer Ehepaar hat zwischen 2008 und dem 16. Mai 2013 135 Kilo Haschisch gekauft, in Erdbunkern versteckt und 97 Kilo verkauft - zur Verbesserung der persönlichen Lebensverhältnisse.

Kirchhain. Der 64-jährige Ehemann wurde am 1. September von der 3. Großen Strafkammer des Marburger Landgerichts in zweiter Instanz wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Außerdem ordnete die Kammer den Einzug von 291000 Euro als Wertersatzverfall an. Diese Summe entspricht dem Verkaufswert der 97 Kilo Haschisch, die das Ehepaar nach den Feststellungen des Gerichts an drei Abnehmer verkauft hatte: Einen fränkischen Käsehändler, einen Biolandwirt aus der Region und einen Metzger aus dem Saarland, wie die OP berichtete.

Nun verurteilte die 1. Große Strafkammer des Marburger Landgerichts die Ehefrau wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, müsste die Frau diese Haftstrafe verbüßen, da Freiheitsstrafen über zwei Jahre nicht zur Bewährung ausgesetzt werden können. Das berichtete Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel auf Anfrage der OP. Die Redaktion konnte den Prozess nicht besuchen, weil sich der Verhandlungstermin versehentlich nicht in der monatlichen Presse-Übersicht des Landgerichts befand.

Einstellung von 18Fällen ist denkbar

Dr. Kurt Sippel hat den gesamten Verfahrenskomplex dieses aufsehenerregenden Falls mit insgesamt sechs Beteiligten für die Staatsanwaltschaft geführt. Das im Vergleich zum Ehemann niedrige Strafmaß für die Ehefrau begründete der Staatsanwalt damit, dass die angeklagten Fälle 1 bis 18 von dem Verfahren abgetrennt werden mussten, da der bereits verurteilte fränkische Käsehändler als Hauptabnehmer des Ehepaares auf unabsehbare Zeit im Krankenhaus liegt und nicht als Zeuge gehört werden kann.

Die Verteidigung habe gegen das Urteil Revision eingelegt. Vom Ausgang des Revisionsverfahrens hänge wesentlich ab, was mit dem abgetrennten Verfahren geschehe, erklärte Dr. Kurt Sippel. Sollte der Bundesgerichtshof keine Revisionsgründe erkennen, oder sollte das erstinstanzliche Urteil in zweiter Instanz Bestand haben, könne möglicherweise über eine Einstellung des abgetrennten Verfahrens nachgedacht werden. Der Staatsanwalt begründete dies mit der großen Kooperationsbereitschaft der Ehefrau gegenüber Staatsanwaltschaft und Polizei.

Die Angeklagte hatte die Polizei nach dem Auffliegen des schwunghaften Drogenhandels die Polizei nicht nur zu den Drogen-Bunkern geführt, sondern auch Erdverstecke im eigenen Garten gezeigt. Beamte gruben dort große Mengen Bargeld, den Familienschmuck des Mannes, Goldmünzen und eine wertvolle Uhr aus. Später lieferte sie noch einen Bündel Geldscheine bei der Polizei ab, den sie im Haus gefunden hatte. Außerdem sagte sich die Angeklagte von ihrem Ehemann los, hielt diesem vor, sie gegen ihren Willen in die illegalen Geschäfte hineingezogen zu haben.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis