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Zwei Monate hinterGittern wegen 5,90 Euro

Rückfälliger Schwarzfahrer Zwei Monate hinterGittern wegen 5,90 Euro

Das vermeintliche Kavaliersdelikt Leistungserschleichung brachte gestern einen 28-jährigen Kirchhainer Schwarzfahrer eine zweimonatige Haftstrafe ohne Bewährung ein.

Kirchhain. Der Angeklagte ist ein alter Kunde des Kirchhainer Amtsgerichts. Vielleicht nahm er es sich auch deshalb heraus, mit knapp halbstündiger Verspätung zu seiner Hauptverhandlung zu erscheinen. Die Staatsanwaltschaft warf dem arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher vor, am 5. August 2014 mit einem Regionalzug von Kirchhain nach Neustadt gefahren zu sei. Bei einer um 21.49 Uhr erfolgten Kontrolle konnte er keinen Fahrschein vorweisen. Schaden: 5,90 Euro. Juristen nennen das Erschleichung von Leistungen.

Der Angeklagte räumte den Vorwurf der Anklage ein: „Ich bin schwarzgefahren. Ich wollte zu meiner Mutter“, machte er gleich zu Beginn der Beweisaufnahme reinen Tisch. Einen besonderen Anlass für diese Fahrt vermochte er dem unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug tagendem Gericht nicht zu nennen.

Der als Zeuge geladenene Zugbegleiter, der den Schwarzfahrer ertappt hatte, erkannte den Angeklagten im Gerichtssaal nicht wieder. Er sehe täglich in Tausende Gesichter und könne sich unmöglich jedes Gesicht merken. Über die Kontrolle wusste er nur zu sagen, dass diese ohne besondere Vorkommnisse erfolgt sei. Über Besonderheiten führe er Buch - ohne die Namen der Schwarzfahrer zu notieren. Unter dem 5. August 2014 finde er keinen Eintrag, erklärte der Zeuge. Der Zugbegleiter gab an, dass Fahrgäste, die unmittelbar nach dem Einsteigen zum Nachlösen auf ihn zukämen, von ihm ein Ticket bekämen. Wer sitzend ohne Fahrausweis angetroffen werde, sei für ihn ein Schwarzfahrer und werde aufgeschrieben.

Vergehen mit einem so geringen Schaden würden nur auf Antrag oder bei einem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung strafrechtlich verfolgt. Im vorliegenden Fall habe die Staatsanwaltschaft das öffentliche Interesse bejaht und die Anzeige von DB-Regio zur Anklage gebracht. Dafür gebe es gute Gründe, die im strafrechtlichen Vorleben des Angeklagten lägen, fasste Edgar Krug das Verfahren nach der kurzen Beweisaufnahme zusammen. Der Vorsitzende listete zwischen 2001 und 2014 zehn Verurteilungen auf, denen mehrere dutzend Straftaten zugrunde lagen. Unter anderem hatte der Angeklagte eine achtzehnmonatige Jugendstrafe voll verbüßt. Zuletzt wurde er am 17. Juni 2014 vom Amtsgericht wegen dreier Schwarzfahrten zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Exakt sieben Wochen später folgte die angeklagte einschlägige Tat.

Das veranlasste den Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft dazu, eine zweimonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Leistungserschleichung zu beantragen.

Eine zweimonatige Freiheitsstrafe sah auch das Gericht als tat- und schuldangemessen an. „Der Angeklagte tingelt seit Jahren kreuz und quer durch das Strafgesetzbuch und lässt sich durch Sanktionen nicht beeindrucken. Sieben Wochen nach seiner letzten einschlägigen Verurteilung ist er erneut schwarzgefahren. Die Rückfallgeschwindigkeit ist kaum zu überbieten“, sagte Edgar Krug während der Urteilsbegründung. Deshalb müsse eine Freiheitsstrafe her und zwar ohne Bewährung. Der Angeklagte lehne sich weiterhin gegen die Rechtsordnung auf, zeige keine gravierenden Veränderungen in seinem Leben, die Anlass zur Hoffnung auf ein künftig straffreies Leben gäbe, sagte Edgar Krug.

von Matthias Mayer

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