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Zwei Fotografen, zwei Motive

Armin Köhler und hans-Jörg Hellwig Zwei Fotografen, zwei Motive

Rauschenberg verfügt gleich über zwei herausragende Fotografen, die auch noch eine gemeinsame Wurzel haben: die Naturfotografie.

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Das Wetter meinte es nicht gut beim Fototermin mit Armin Köhler (links) und Hans-Jörg Hellwig. Die Heiligen Eichen, Rauschenbergs Wahrzeichen, sind im Nebeldunst nur schemenhaft zu erkennen. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Armin Köhler und Hans-Jörg Hellwig wohnen nur wenige Kilometer voneinander entfernt: Armin Köhler lebt im Herzen der Rauschenberger Altstadt, Hans-Jörg Hellwig wohnt im ehemaligen Ernsthäuser Bahnhofsgebäude in der mitten in der Natur liegenden Wambach-Siedlung. Kennengelernt haben sie sich über das Mitmach-Portal myheimat, auf dem sie als Bürgerreporter ihre Fotos und Texte veröffentlichten.

Bevor es so weit war, begann die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Fotografie im Hause Köhler mit einem Prospekt, der auf dem Esstisch lag. „Ich habe mir aus dem Prospekt etwas ausgesucht und 1800 Euro in die Erstausstattung investiert“, erzählt Armin Köhler. Dass ihm Hans-Jörg Hellwig später prophezeien würde, „deine Ansprüche werden steigen“, konnte er damals noch nicht ahnen.

Für die Naturfotografie braucht man nicht nur Kenntnisse von und eine große Liebe zu der Materie, viel Zeit und Geduld, sondern auch eine Ausrüstung, die dem Fachgebiet gewachsen ist. Das gilt besonders für die Objektive. Wer Vögel ablichten will, braucht eine Brennweite von mindestens 400 Millimetern - besser sind 600 Millimeter. Die Brennweite allein reicht nicht. Auch die Lichtstärke und vor allem die Abbildungsleistung müssen stimmen. Für solche Optiken sind im Laden schnell fünfstellige Euro-Beträge fällig. Und an ein solches Objektiv gehört ein Kameragehäuse mit einem entsprechend leistungsfähigen Sensor.

Ohne Selbstkritikkein gutes Foto

„Die Fotografie kann schon kostenintensiv sein. Aber wer sich etwas Gutes kauft, behält das auch über viele Jahre“, sagt Hans-Jörg Hellwig und rät dazu, die Schnelllebigkeit der Industrie beim Wechsel der Kamera-Gehäuse einfach nicht mitzumachen.

Natürlich macht ein gutes Equipment allein noch keine guten Fotos. Entscheidend ist die Frau, der Mann hinter der Kamera. Und für Hans-Jörg Hellwig muss jeder Fotograf aus seinen eigenen Fehlern lernen, seine Bilder kritisch betrachten. „Ich habe mich anfangs gefragt: Wie machen andere so gute Fotos? Heute bin ich sicher, dass Fotografen, die nicht selbstkritisch sind, keine guten Fotos machen.“

Was macht ein gutes Foto aus? Armin Köhler spricht vom Aha-Effekt, den ein gutes Foto beim Betrachter auslösen sollte. Für Hans-Jörg Hellwig muss ein gutes Foto den Betrachter ansprechen, vielleicht sogar eine kleine Geschichte erzählen.

Gute Fotos hat das Duo zuhauf gemacht, und nicht wenige unter diesen sind von herausragender Qualität. Davon können sich Fotofreunde im Internet überzeugen. Auf der von Hans-Jörg Hellwig gegründeten Seite diginatur.de veröffentlichen beide Fotografen die Ergebnisse ihrer fotografischen Ausflüge in die Fauna und Flora der Region. Auf der gemeinsam ins Leben gerufenen Seite bilderbogen-rauschenberg.de dokumentieren sie die Schönheit der Stadt, der Stadtteile und deren Umgebung. Einige ihrer Beiträge gehören in das Genre der Foto-Reportage. Auf diesem Gebiet wird es künftig mehr von den beiden Fotografen zu sehen geben. Im Vorfeld der 750-Jahr-Feier Rauschenbergs werden sie auf der Suche nach Motiven die Stadt durchstreifen, die zur Jubiläumsfeier im Rathaus-Keller ausgestellt werden.

„Wasseramsel und Eisvogel gibt‘s bei uns noch“

Längst haben die beiden Lichtbildmeister ihr fotografisches Betätigungsfeld erweitert. Armin Köhler profiliert sich als Architektur-Fotograf. Er hat das neue offizielle Foto von Rauschenberg gemacht: Die wunderschöne Altstadt, eingetaucht in die grüne Umgebung und perfekt ausgeleuchtet vom allerbesten Foto-Licht. Bei Hans-Jörg Hellwig, der nach eigenem Bekunden vor dem Digitalzeitalter nur „Familien-Knipserei“ betrieben hat, sind Porträt- und Dokumentationsfotografie dazugekommen.

Ganz wichtig ist und bleibt den Rauschenbergern die Naturfotografie. Für Hans-Jörg Hellwig ist sie ein wichtiges Mittel, um den Menschen die Natur näherzubringen, ihr Verständnis und ihr Interesse an der Natur zu wecken. „Die Wasseramsel und den Eisvogel gibt‘s bei uns im Wohratal noch. Das sind Botschaften, die von unseren Fotos ausgehen“, erzählt er. Und er berichtet von der großen Begeisterung, den das Storchenmast-Projekt in der Wambach bei den Bürgern im ehemaligen Storchendorf Ernsthausen auslöste. „Elf Tage nach dem Aufstellen der Nisthilfen war der erste Storch da“, sagt er.

Einen erfolgreichen Brutversuch hat es in der Wambach noch nicht gegeben. Die beiden Fotografen üben sich in Geduld. Darin sind sie trainiert. „Man weiß nie, ob man überhaupt ein Motiv bekommt“, erzählt Armin Köhler von seinen nahezu täglichen Streifzügen durch die Natur mit Kamera, 600er Objektiv und Stativ. „Und dann haben wir noch das Problem, dass sich unsere Hauptakteure nicht so bewegen, wie wir es gerne hätten“, stellt Armin Köhler fest,

Seine Ausdauer wurde immer wieder belohnt - unter anderem mit einer spektakulären Foto-Serie. Armin Köhler war in den Südkreis gefahren, um am Martinsweiher ein frisch geborenes Wasserbüffel-Kalb zu beobachten. Aus 250 Meter Entfernung beobachtete er das Geschehen auf dem Hochplateau am Martinsweiher. Als sich ein Wasserbüffel gefährlich der Abbruch-Kante näherte, drückte er ab. Binnen einer Sekunde entstehen sechs Fotos. Sie zeigen, wie der Büffel abrutscht, in die Tiefe stürzt, hinter einer Baumkrone verschwindet, wieder auftaucht, mit einem gigantischen Bauchklatscher im See landet und einen kleinen Tsunami auslöst, vor dem die Wasservögel panisch fliehen.

Hans-Jörg Hellwig, der 2012 mit einem sich im See spiegelnden kanadischen Säbelschnäbler den Blende-Wettbewerb gewann, hat sich besondere Naturerlebnisse unter anderem auch mit dem Einsatz von Lichtschranken-Auslösern erschlossen. Mit dieser Technik gelangen ihm gestochen scharfe Fotos von Meisen im Flug und der Nachweis, dass Blaumeisen schneller sind als Kohlmeisen.

Gibt es noch fotografische Träume? Hans-Jörg Hellwig vereint die Fotografie mit seiner Leidenschaft fürs Reisen. Brasilien und die Dolomiten stehen für das kommende Jahr auf dem Programm. Das große Fernziel: „Einmal möchte ich in Alaska Bären beim Lachsfangen fotografieren.“

Solche Pläne passen derzeit nicht in Armin Köhlers Lebenssituation. Der Witwer muss sich um seine Kinder kümmern. So ist er froh, wenn er sich jeden Tag mal in die Natur verabschieden kann. „Dabei komme ich wunderbar runter. Und es muss nicht immer ein Super-Foto dabei herauskommen.“

n Armin Köhler und Hans-Jörg Hellwig haben ihre besten Fotos für zwei Rauschenberger Jahreskalender 2016 zusammengestellt. Diese können in der Schatzkiste und in der Bäckerein Bubenheim gekauft werden.

von Matthias Mayer

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