Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Zwei Familien leben einen Vertrag

deutsch-französische Freundschaft Zwei Familien leben einen Vertrag

50 Jahre liegt die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages zurück. Zwei Familien, die diese Freundschaft leben, sind die Régniez aus Bouchain und Cesson Sevigne und die Schulzes aus Neustadt.

Neustadt. „Es war nicht so einfach. Nicht jeder Franzose liebte die Deutschen“, erinnert sich Hermann Schulze 50 Jahre zurück. Damals war er wenige Monate nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages als Pfadfinder über das deutsch-französische Jugendwerk in das Nachbarland gereist, um an einem Jugendaustausch teilzunehmen. Er lernte das Land und die Menschen kennen - mit einigen schrieb er sich im Anschluss noch, „aber das konnte es ja nicht gewesen sein, was Konrad Adenauer und Charles de Gaulle bei der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages angestrebt hatten“, betont er.

Was die beiden Staatsmänner jedoch wahrscheinlich im Sinn hatten, war eine Freundschaft wie die von Hermann Schulze und André Régniez, die nicht nur seit 50 Jahren hält, sondern sich auf beide Familien übertragen hat. Regelmäßig besuchen die Familien einander, verbringen zusammen Urlaube und haben zum Beispiel durch Patenschaften feste Bindungen geschaffen. „Wenn unser ältester Sohn zu den Régniez fährt, dann sagt er, dass er seine französischen Eltern besucht“, betont Karla Schulze.

Die Söhne fungierten oft als Übersetzer, doch die Sprache sei auch trotz fehlender Detailkenntnisse kein Hindernis: „Wenn ein Glas Rotwein die Zunge gelockert hat, klappt das eigentlich ganz gut“, ergänzt die Neustädterin, die mit ihrem Mann dem zweitältesten Sohn der Régniez zum Beispiel auch schon ein Praktikum bei Ferrero vermittelt hatte: „Auch wenn wir räumlich getrennt sind, stehen wir uns eben sehr nahe.“

Stadt lädt zum Festakt ein

„Die Verständigung zwischen Völkern beziehungsweise den Menschen ist die Voraussetzung für ein funktionierendes Europa“, fasst Hermann Schulze zusammen, der mit seiner Familie mit gutem Beispiel vorangeht.

In der kommenden Woche steht wieder ein Besuch aus Frankreich an: Die Régniez sind dann auch zu Gast bei dem Festakt „50 Jahre Élysée-Vertrag“, den die Stadt Neustadt am Freitag, 10. Mai, um 10.30 Uhr im Pfarrheim veranstaltet. Als Gastredner treten Norbert Kartmann, der Präsident des Hessischen Landtages, und der stellvertretende französische Generalkonsul Stanislas Mrozek aus Frankfurt auf. Weitere Gäste werden der ehemalige Kommandeur der Panzerbrigade 14, Dr. Klaus Wittmann, und seine Frau Geneviève sein: Der Brigadegeneral a.D. ist Mitglied der Gesellschaft der Mitglieder der französischen Ehrenlegion und des französischen nationalen Verdienstordens. Des Weiteren hat Bert Dubios vom Kulturhistorischen Verein Neustadt eine Ausstellung zur Thematik „deutsch-französischer Freundschaftsvertrag“ entwickelt, die am 11., 12., 14., 16., 18. und 19. Mai von 15 bis 17 Uhr im historischen Rathaus zu bewundern ist.

Anlässlich der „Europawoche“ veranstaltet die Martin-von-Tours-Schule zudem am Mittwoch, 15. Mai, ab 18 Uhr im historischen Rathaus ein Konzert unter dem Motto „Hör mal, wie Europa klingt“.

- Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag - ein Abkommen mit dem Ziel, die Nachbarländer nach Jahren der „Erbfeindschaft“ und verlustreichen Kriegen zusammenzuführen. Er trat am 2. Juli 1963 in Kraft. Am 5. Juli 1963 folgte das Gründungsabkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk. In der Folge entstanden Partnerschaften zwischen Städten, Schulen und Vereinen.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis