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Zurück und gleich wieder im Alltag

Afghanistan-Einsatz Zurück und gleich wieder im Alltag

Unter den 70 Soldaten, die die Stadt heute nach ihrem Afghanistan-Einsatz offiziell willkommen heißt, befindet sich auch Major Thomas Supe.

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Bundeswehrsoldaten bilden afghanische Soldaten an einem „Gelände-Sandkasten“ aus. Rechtes Foto: Major Thomas Supe war sieben Monate lang im Afghanistan-Einsatz. Fotos: Bundeswehr

Stadtallendorf. Es war sein dritter Aufenthalt in Afghanistan und mit sieben Monaten auch der längste. OP-Lesern ist Major Thomas Supe als Sprecher der Division Schnelle Kräfte zumindest bekannt. Im vergangenen September berichtete er im Interview mit dieser Zeitung von der Übergabe des Feldlagers Kundus an die afghanische Armee. Er als Sprecher des Feldlagers war dort einer der letzten deutschen Soldaten. „Wir haben nie herausgefunden, wer wirklich der definitiv letzte von uns war“, schmunzelt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Feldlager Kundus war über mehr als ein Jahrzehnt hinweg eines der Synonyme für den deutschen Bundeswehreinsatz in Afghanistan, was auch der 43-jährige Thomas Supe so empfunden hat. In dieser Region sei die Bundeswehr erstmals seit ihrer Gründung in Gefechte verwickelt worden, habe Gefallene zu beklagen gehabt und habe das Kämpfen gelernt, so deutet Supe dieses „Symbol Kundus“. Als er im vergangenen Juni in dem Feldlager ankam, stellte er sich schon die Frage, wie die Bundeswehr es schaffen wolle, dieses Lager samt Material geordnet zu räumen. Mitte Oktober war das geschafft. „Das war eine logistische Meisterleistung. Man konnte die Fortschritte im Lager täglich sehen“, sagt Supe. Letztlich schaffte die Bundeswehr die Übergabe zweieinhalb Monate vor dem gesetzten Termin. Mit Kundus verbindet Thomas Supe zugleich auch den bewegendsten Moment dieses Einsatzes. Am 3. Oktober vergangenen Jahres lud die deutsche „Partnerin Advisory Task Force“ noch einmal zu einem Gedenken für die deutschen Gefallenen am Ehrenhain im Lager Kundus ein. Als er abends dorthin ging, begegneten ihm Hunderte Soldaten, allesamt mit Kerzen.

Der Familienvater kannte die Besonderheiten eines Einsatzes in Afghanistan bereits gut. Deshalb „waren die Erwartungen daran relativ deckungsgleich mit der Realität.“ Er hat Vergleichsmöglichkeiten. Erstmals war der Familienvater im Jahr 2002, also kurz nach Beginn des deutschen Einsatzes, am Hindukusch, dann noch einmal 2009, allerdings nur für zwei Wochen. Er beschreibt große Entwicklungssprünge in dem Land, vor allem was dessen Infrastruktur angeht. „Universiäten sind überfüllt, es gibt ein sehr gutes Mobilfunknetz, in Kabul sind moderne Einkaufsmöglichkeiten entstanden und die Wirtschaft macht große Fortschritte“, fasst es der Bundeswehroffizier zusammen. Als einen der größten Erfolge des internationalen Einsatzes sieht Supe den Ablauf der nunmehr dritten Präsidentenwahlen an - weil er zeige, dass das Demokratiebewusstsein wachse. „Unter anderem deshalb ist der internationale Einsatz für mich eine Erfolgsgeschichte“, stellt er fest. Aus deutscher Sicht hat es sich bewährt, auf gegenseitiges Lernen zu setzen, die Afghanen wirklich ernstzunehmen und gemeinsam Probleme zu lösen.

Für ihn gibt es bei Auslandseinsätzen wie seinem aber auch ganz besondere Helden: Das sind die Familienangehörigen, weil sie die Hauptlast der Trennung tragen müssen. Supe hatte beinahe täglich Kontakt mit seiner Familie: „Dadurch hatte ich das Gefühl, bei allem mit dabei zu sein.“ Das erleichterte ihm auch die Heimkehr, sowohl bei seinem kurzen Urlaub, als auch am Ende des Einsatzes. Nach der Zeit in Kundus wechselte Supe in das Feldlager Masar-i-Sharif, übernahm dort die Betreuung der nationalen und internationalen Presse - und stellte bei den afghanischen Medien ebenfalls große Entwicklungssprünge fest. Es fallen Schlagworte, mit denen er diese Sprünge beschreibt: Es gebe eine vielschichtige Medienlandschaft, kritische Nachfragen und Berichterstattung, eine moderne Ausstattung. Supe hat aber auch andere Situationen erlebt. Er gehörte zu einem Konvoi, bei dem ein Fahrzeug der Bundeswehr von Aufständischen angesprengt wurde. Dabei wurden vier Soldaten leicht verletzt, eine Gefechtssituation.

Wie war die Rückkehr in den Dienstalltag in Stadtallendorf nach mehr als acht Monaten? „Ganz normal, ich habe die Tür zum Büro aufgeschlossen und war wieder mittendrin. Das war auch gut so“, antwortet er. Heute gehört Thomas Supe zu den insgesamt 70 Soldaten vom Divsionsstandort Stadtallendorf, die die Stadt offiziell willkommen heißen wird. Unter ihnen ist auch der Divisionskommandeur, Generalmajor Jörg Vollmer.

von Michael Rinde

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