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"Zur Krönung" brennt der Glockenturm

Großübung "Zur Krönung" brennt der Glockenturm

"Pünktlich wie die Feuerwehr" heulten am Samstagnachmittag um 15 Uhr Sirenen. Eine dreistündige Übung mit neun unterschiedlichen "Einsätzen" begann.

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Sämtliches Material mussten diese Feuerwehrleute über die an dieser Stelle noch breiten Treppen den verrauchten Glockenturm hinaufschleppen.

Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Keine alltägliche Situation. Überall im Stadtgebiet passieren in ganz kurzen Abständen Unglücke, manches davon wäre schon für sich alleine ein Großeinsatz. Bombenfund in der Nähe der Firma Roth, Unfall mit eingeklemmter Insassin im Fasanenweg, die Rettung von Menschen aus luftiger Höhe oder zwei unmittelbar nacheinander entstehende Brände, bei denen Menschen in Gefahr sind. All das arbeiteten 70 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus der Kirchhainer Kernstadt, aus Groß- und Kleinseelheim, aus Anzefahr, Betziesdorf und Stausebach ab.

Auch wenn eine solche Ballung in der Realität wenig wahrscheinlich ist: Für die örtliche Einsatzleitung, für die Kommunikation untereinander war eine solche Übung wichtig. „Es geht darum, die Führung mehrerer gleichzeitiger Einsätze zu proben, Entscheidungsabläufe zu trainieren“, erläuterte Kirchhains Wehrführer Stephan Schmidt. Er hatte die Übung gemeinsam mit seinem Stellvertreter Torsten Mende über Wochen hinweg vorbereitet. Die örtliche Einsatzleitung sollte auf den Prüfstand gestellt werden. Zugleich bot den vielen verschiedenen Szenarien die Gelegenheit, alle übenden Kräfte auch zum Einsatz zu bringen und sie zu fordern.

Mittendrin, auch das gehörte im Fall der Fälle zu einer solchen „großen Lage“, Bürgermeister Olaf Hausmann samt seinem Stellvertreter, dem Ersten Stadtrat Konrad Hankel. Formal ist der Bürgermeister Chef der Feuerwehren, in der Praxis ist die eigentliche Einsatzführung an den Stadtbrandinspektor Reinhold Bonacker delegiert. Hausmann „spielte“ mit, gab Statements bei der natürlich gespielten Pressekonferenz während der Ereignisse ab. Er selbst hatte sich in einem dreitägigen Seminar für die Aufgabe „Chef der Feuerwehren“ schulen lassen.

Einsatz im Turm führt an Belastungsgrenze

Als „Krönung“ erwartete die Einsatzkräfte zunächst ein Brand in einem früheren Bekleidungsmarkt mit vier Vermissten. Fast zeitgleich kam der Alarm für den im Turm der Stadtkirche entdeckten Brand. Zwei Menschen hatten sich nach oben geflüchtet. Die Stadtkirche ist mit Feuerwehrfahrzeugen nicht direkt erreichbar. Alles Gerät muss herbeigetragen werden. Löschwasser müssen Einsatzkräfte aus der Mühlenwohra heranpumpen.

Mit kiloschwerer Ausrüstung bepackt, bestiegen Feuer­wehrleute den Glockenturm. Dort zeigten sich körperliche Belastungsgrenzen. Angesichts der Gesamtsituation waren zunächst nur sechs Feuerwehrleute aus Betziesdorf vor Ort.

Die Bilanz: Bei realen Einsätzen wären an diesem Tag laut Schmidt zwei Tote und neun Verletzte zu beklagen gewesen.

von Michael Rinde

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