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Zur Einschulung gab‘s fünf Bonbons

Projekttag der Generationen Zur Einschulung gab‘s fünf Bonbons

In Großseelheim leben Tradition und Moderne dicht beieinander. Damit dies auch künftig so bleibt, hat die Trachten- und Volkstanzgruppe einen Projekttag ins Leben gerufen, den es künftig jährlich geben soll.

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Der Natur auf der Spur: Jürgen Wenz (rechts) zeigt den künftigen Schulanfängern ein Kräuterbeet im neu angelegten Luther-Gärtchen. Die 94-jährige Gertrud Lesch (kleines Foto) erzählte den Kindern, „weijs freier woar“.

Quelle: Matthias Mayer

Großseelheim. Kurz vor 10 Uhr herrscht gestern noch ein ziemliches Gewusel im großen Saal des Großseelheimer Bürgerhauses. Die Kindergartenkinder aus Kleinseelheim hatten sich etwas verspätet, weil sie zuvor noch ihrem Storchenpaar einen Besuch abgestattet hatten. Einige Kinder schlichen sich bis auf wenige Meter an einen Storch auf Nahrungssuche heran. Dieses kleine Abenteuer wollten sie natürlich auskosten.

So verzögert sich die Einteilung der insgesamt 45 Kindergartenkinder aus Großseelheim, Schönbach und Kleinseelheim in vier Gruppen doch ein wenig.

Alte Spiele und Mundart

Während sich die Gruppen mithilfe der Erzieherinnen noch finden, erzählt Evelyn Leukel gegenüber der OP vom Werden und vom Zweck des „Projekttags der Generationen“. Die Idee sei bei der Teilnahme am Wettbewerb unser Dorf hat Zukunft entwickelt worden. Mit den Projekttagen solle das Interesse der Kindergartenabgänger und künftigen Grundschüler für das Brauchtum, für die jüngere Geschichte ihrer Heimat und für künftige Aufgaben geweckt werden.

Damit dies gelingt, hat die Trachten- und Volkstanzgruppe mehrere Stationen aufgebaut. Auf der Bühne übt Marianne Ascher internationale und alte Kindertänze mit den Kindern ein. Im Saal spielt Inge Schweinsberger mit den jungen Besuchern das alte Spiel „Opas Fangbecher“. Jürgen Wenz nahm die Kinder mit ins Freie, stellte die Natur am Beispiel des neu angelegten Luther-Gärtchens vor. Sabine Scheld bringt den Kindern alte Kinderlieder näher, die diese zum Teil auf Platt singen. Ausschließlich um Mundart geht es bei Brigitte Wenz. Wie sich die Zahlen oder kleine Verse in Großseelheimer Mundart anhören, spricht sie vor. Wer sich in Mundart schon sicher fühlt, kann sich auf Platt vorstellen.

"Weijs freier woar"

Und dann gibt es noch die Station „Weijs freier woar“. Die Großseelheimer Seniorinnen Anna Nau und Gertrud Lesch erzählen den Kindern, wie sie ihre Kindheit in Großseelheim verbracht haben. Bunte Schulranzen mit unterschiedlichen Motiven? Nein. Die gab‘s nicht. Die 94-jährige Gertrud erzählt, dass sie eine ganz normale Tasche hatte. Anna Nau besaß noch nicht einmal die. Ihre Hefte trug sie unter dem Arm zur Schule.

Zuckertüte? Nein, die gab‘s nicht. Gertrud Lesch weiß es noch ganz genau: Zur Einschulung bekam sie fünf Bonbons. Kindergeburtstags-Partys? Nein, dafür gab es keinen Platz im Haus. Spielplatz? Das war der eigene Garten, in dem auch Kaufladen gespielt wurde - wobei die Kinder den Kaufladen aus Backsteinen und Holzbrettchen selbst bauten. Modische Kleidung? Gertrud Lesch hat in ihrem langen Leben immer nur die Tracht getragen - mit Ausnahme eines Tages. Sie fuhr in die große Stadt in „vornehmer Kleidung“ - und fror jämmerlich an den Beinen. Sie verrät den Kindern, dass das unter der Tracht getragene Leinen im Sommer angenehm kühl und im Winter schön warm hält.

So war es früher. Da aber die großen Kindergartenkinder im Hier und Heute auch mal Hunger haben, gab‘s zum Abschluss ein gemeinsames Essen, das ortsansässige Nahversorger und die Tanz- und Trachtengruppe gesponsert hatten.

von Matthias Mayer

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