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Zur Belohnung gibt es Amphetamin

Gericht Zur Belohnung gibt es Amphetamin

Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung erhielt ein 38-jähriger Rauschenberger, weil er für eine Freundin 500 Gramm Amphetamin versteckt hatte.

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Unter den Dächern der Rauschenberger Altstadt gab es einen florierenden Handel mit Amphetaminen.Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Mit einem ungewöhnlichen Freundeskreis hatte das Schöffengericht des Marburger Amtsgerichts in der vergangenen Woche zu tun. Ein 38-jähriger Rauschenberger war wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge angeklagt. Der Angeklagte hatte für eine 59-jährige Rauschenbergerin, die bereits wegen Handels mit Betäubungsmitteln zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, 500 Gramm Amphetamin in einem Außenbunker versteckt.

Gleich zu Prozessbeginn räumte der Angeklagte die Tat ein und schilderte die Entwicklung dieser ungewöhnlichen Freundschaft zu der Dealerin: Bereits seit 2003 hatten sich der Angeklagte und die 59-jährige Frau gekannt. Damals fanden Partys im Haus der Rauschenbergerin statt, wobei es zunächst nur bei Alkohol blieb. Irgendwann tauchte auf den Partys auch Amphetamin auf, von welchem sich der Angeklagte bediente und zum regelmäßigen Konsumenten wurde.

Auf die Nachfrage von Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel, woher die Frau das Amphetamin bekommen hatte, wusste der Angeklagte keine Antwort. Das sei nie ein Thema gewesen, erklärte er.

Bunker war Drogenversteck

Anfang September 2013 bat die Dealerin den Angeklagten, 500 Gramm Amphetamin für sie aufzubewahren, da sie mit Polizeidurchsuchungen in ihrer Wohnung rechnete. Dieser Bitte kam der Rauschenberger nach und versteckte eine Geldkassette mit dem Amphetamin in einem Außenbunker. Von dort brachte er der Frau auf deren Wunsch kleinere Mengen, die diese verkaufte. Der Angeklagte betonte jedoch, dass es sich dabei um einen reinen Freundschaftsdienst gehandelt hätte, für den er nie etwas bekommen habe. Dies stellte die Rauschenbergerin, die aus der Strafhaft in Frankfurt-Preungesheim vorgeführt wurde, im Zeugenstand etwas anders dar und erklärte, dass er sich für seine Hilfe durchaus Amphetamin für den Eigenbedarf aus der Geldkassette hatte nehmen dürfen.

Im November 2013 entschied sich die Frau, aus dem Drogenhandel auszusteigen und übergab ihr Geschäft an einen weiteren Mann. Infolgedessen gab auch der Angeklagte die Geldkassette mit dem restlichen Amphetamin an diesen Mann weiter, der als Zeuge gehört werden sollte. Da er zur Verhandlung jedoch nicht erschien, verhängte das Gericht unter Vorsitz von Richterin Nadine Bernshausen auf Antrag des Staatsanwaltes ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro oder ersatzweise drei Tage Ordnungshaft.

Dafür berichtete der Angeklagte, dass der fehlende Zeuge im Bekanntenkreis immer wieder damit geprahlt hätte, dass ihn niemand erwischen könnte, da sein Bruder bei der Polizei sei und ihm Tipps gebe. Dies ließ wiederum Staatsanwalt Dr. Sippel hellhörig werden, der noch einmal beim Angeklagten nachhakte. Da dieser jedoch nur von den prahlerischen Äußerungen berichten konnte, ließ Sippel das Thema auf sich beruhen.

Stattdessen stellte sich die Frage nach der Strafe für den Angeklagten, der nach eigener Aussage seit Sommer 2014 keine Drogen mehr konsumiert. Staatsanwalt Dr. Sippel hielt dem Angeklagten in seinem Plädoyer das Geständnis zugute, verwies zugleich aber auf die Menge von 500 Gramm Amphetamin. Da die Strafverfolgungsbehörden das Amphetamin nicht sicherstellen konnten, ging Sippel bei der Berechnung des Wirkstoffgehaltes von der günstigsten Prognose für den Angeklagten aus. Doch auch mit dieser Rechnung kam der Staatsanwalt über einen Wert von zehn Gramm Wirkstoff, ab welchem es sich um Handel mit einer nicht geringen Menge handelt. Daher beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung und eine Zahlung von 2400 Euro. Verteidiger Ralf Luthe schloss sich dem Antrag an und betonte noch einmal das Geständnis des Angeklagten, welches den Prozess erleichtert habe.

Auch das Gericht folgte den Anträgen im Urteil, das nach dem Rechtsmittelverzicht von Staatsanwaltschaft und Verteidigung rechtskräftig wurde.

von Julius Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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