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Zunächst gilt ein "Stoppschild"

Jugendarbeit Zunächst gilt ein "Stoppschild"

Alle Fraktionen im Stadtparlament sind sich des Werts der Ferienspiele wie auch der Freizeit in Bad Kissingen im Heiligenhof bewusst. Doch zunächst wird nur geprüft, ob sich die Stadt dies weiter leisten kann und will.

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Das Kanufahren ist eines von vielen Elementen bei der Ferienfreizeit der Stadtjugendpflege, die nächste Woche beginnt.

Quelle: Privatfoto

Stadtallendorf. Seit Juni ist klar, dass die Stadt aufgrund der Vorgaben des Mindestlohns-Gesetzes erheblich mehr Geld für die Arbeit der ehrenamtlichen Betreuer bei der Ferienfreizeit Bad Kissingen und den Ferienspielen ausgeben muss (die OP berichtete ausführlich). Rund 50000 Euro Mehrkosten erwartet die Stadtverwaltung, in diesem Jahr wird es aber beide Angebote unverändert geben.

Wäre es nach dem Antrag der SPD-Fraktion gegangen, so hätte es einen klaren Auftrag des Stadtparlaments gegeben, zwei sehr wertvolle und wichtige Bausteine der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt zu sichern. Er sollte „einen nachhaltigen Weg zur Sicherung der Durchführung“ von beiden Angeboten in den künftigen Jahren erarbeiten. Der CDU-Fraktion ging das in dieser Form aber zu weit. Ihr Änderungsantrag setzte eine Stufe vorher an. Demnach soll der Magistrat nur prüfen, wie sich diese beiden Angebote finanziell sichern ließen. Bündnis 90/Die Grünen wollten zusätzlich auch noch eine Zusammenarbeit mit Nachbarstädten prüfen lassen. So weit die Ausgangslage bei Beginn der intensivsten Debatte am Donnerstagabend im Stadtparlament. In einem Punkt waren sich alle Redner dabei einig: beim hohen Stellenwert beider Angebote. Doch die CDU beharrte nicht zuletzt angesichts der zu erwartenden Haushaltsdefizite zunächst auf einer Prüfung Der SPD-Antrag sei gut, aber der der CDU noch besser, sagte Klaus Rybosch. Jener Beschlussvorschlag der SPD mache aus seinr Sicht erst bei den Haushaltberatungen für 2016 Sinn. Außerdem müsse man sich auch Alternativen einstellen. „Und wir können uns künftig nicht vor unangenehmen Entscheidungen drücken“, sagte Rybosch.

Thierau will bei Gehältern sparen

Vor ihm hatte Jürgen Behler für die SPD den Wert beider Angebote in der Sozialarbeit der Stadt für ihren Nachwuchs herausgearbeitet. „Wer schon einmal in Bad Kissingen war, weiß um die Begeisterung, mit der dort gearbeitet wird“, sagte Behler. Die CDU hatte er einer „Kehrtwende“ verdächtigt. Sie stelle die falsche Frage mit ihrem Änderungsantrag. Winand Koch (FDP) sprach angesichts der Änderungen beim Kommunalen Finanzausgleich und dessen Folgen für Stadtallendorf von „dunklen Wolken“. Man müsse sich jetzt zunächst mit den Auswirkungen auseinandersetzen. Das Mindestlohngesetz, das zu jenen Folgen für die Stadt geführt hatte, kritisierte Koch als „schlecht gemacht“.

Für die Bündnisgrünen warb deren Fraktionsvorsitzender Michael Goetz für den eigenen Änderungsantrag. Man müsse bereit dazu sein, auch über einen größeren Verbund nachzudenken. Eine interkommunale Zusammenarbeit, wie die Grünen sie anregten, lehnte er angesichts des besonderen Angebots, das auf die Erfordernisse in Stadtallendorf zugeschnitten sei, ab. Manfred Thierau (Republikaner) plädierte auf seine Weise für eine gesicherte Zukunft beider Angebote. Es müsse andere Einsparmöglichkeiten geben. „Da sollten wir bei den üppigen Gehältern der Mitarbeiter des gehobenen Dienst anfangen“, spitzte er leicht polemisch zu. Es folgten weitere Debattenbeiträge. Am Schluss gab es nochmal einen Appell von Professor Thomas Noetzel (SPD): Er forderte von der CDU-Fraktion ein klares „Ja ohne ein Aber“ ohne ein „Stoppschild“. Sie, die CDU, solle Mut zur Entscheidung für Ferienspiele und Freizeit in Bad Kissingen aufbringen.

Wenig Zeit für Entscheidung

Doch der Änderungsantrag der CDU fand mit 19 Ja-Stimmen eine Mehrheit im Parlament. Dem so veränderten SPD-Antrag, der auch den Wert beider Angebote betont hatte, stimmten dann alle Stadtverordneten zu.

Die Ferienfreizeit in Bad Kissingen startet in der nächsten Woche, es ist bereits das 60.Mal, das sie die Stadt ermöglicht. Wie üblich ist sie ausgebucht, es gab wie so oft im Vorfeld eine Warteliste. In den nächsten Monaten wird nun die Verwaltung Finanzierungskonzepte prüfen müssen. Viel Zeit bleibt nicht, schon im Herbst beginnen die Planungen für die Angebote im nächsten Jahr.

von Michael Rinde

Hintergrund

Stadtverwaltung und Magistrat beziehen sich auf Rechtsauskünfte, nach denen die Stadt verpflichtet ist, ihren ehrenamtlichen Betreuern nunmehr 9,80 Euro zu zahlen und sie wie Festangestellte einzustufen. Bei den Ferienspielen wie auch bei der Freizeit in Bad Kissingen sind jeweils zwölf besonders geschulte Betreuer neben den hauptamtlichen Sozialpädagogen der Stadtjugendpflege im Einsatz. Bei einem Sachstandsbericht im Juni im Sozialausschuss war von Mehrkosten von 28000 Euro bei der Freizeit in Bad Kissingen und rund 20000 Euro bei den Ferienspielen, so die Berechnungen im Vorfeld.

Für die Freizeit in Bad Kissingen verfolgt die Stadtjugendpflege seit Langem ein eigenes Konzept, das über reine Erholeffekte weit hinausgeht. Es verfolgt den Gedanken, die soziale Kompetenz und den Zusammenhalt der Kinder und Jugendlichen zu entwickeln und zu fördern. Erlebnispädagogik spielt eine zentrale Rolle dabei.

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