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Zugezogene "in Allendorf verwurzelt"

Serie "Ausgedient" Zugezogene "in Allendorf verwurzelt"

Durch die Bundeswehr kamen Matthias Schneider und Horst Erdel einst nach Stadtallendorf. Inzwischen sind sie in der zweitgrößten Stadt des Landkreises heimisch geworden.

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Der passionierte Motorradfahrer Matthias Schneider posiert in seiner Garage auf dem Bike.

Quelle: Peter Gassner

Stadtallendorf. Gebürtig kommt Matthias Schneider aus Fulda, doch „in Allendorf bin ich verwurzelt“, sagt er heute. Die Karriere bei der Bundeswehr war es, die ihn 1985 mit Frau und Tochter in den Ostkreis verschlug. Angefangen hatte alles mit seinem Wehrdienst, den er 1980 in Idar-Oberstein absolvierte. Schon nach drei Monaten war ihm klar: Die Zeit beim Militär sollte länger dauern. Er verlängerte und trat 1983 seine Ausbildung zum Unteroffizier in Stadtallendorf an. Darmstadt, Hannover, sogar Amerika (Yuma in Arizona) - einige Zwischenstationen gab es auf seinem Karriereweg bis zum Hauptmann. Doch immer wieder strebte er zurück. „Ich habe immer gesagt: Die Familie braucht einen Mittelpunkt“, erklärt er. Die ein oder andere Chance auf Weiterbildung ließ er deshalb auch verstreichen. „Ich zähle zu den wenigen, die so lange an einem Standort waren“, sagt er. Dennoch brachte er es bis zum Stabsoffizier bei der Division Schnelle Kräfte.

Neben dem Alltag in der Kaserne war es ihm immer wichtig, auch außerhalb der Bundeswehr Menschen zu begegnen und Kontakte zu pflegen - ein Grund dafür, dass der Drohnenspezialist trotz seiner Bindung an die Bundeswehr insgesamt drei Ausbildungen machte (Elektrogerätemechaniker, Erzieher, Berufskraftfahrer). Schneider spielt seit 30 Jahren aktiv Handball, engagierte sich politisch bei der CDU und saß über 10 Jahre lang im Stadtparlament. Auch in der Pfarrgemeinde sowie bei der Blaskapelle in Niederklein bringt er sich ein. Eine große Leidenschaft gilt zudem schnellen Gefährten - der 66-Jährige nimmt an Oldtimertreffen teil und ist passionierter Motorradfahrer. Mit all seinen Aktivitäten hat er seinen Lebensmittelpunktpunkt in Stadtallendorf - auch nach Ablauf seiner Dienstzeit im vergangenen Jahr. „Wir möchten hier nicht weg, sagt er.

Wehrpflicht „hat keinem geschadet“

In seiner langen Zeit in der Kaserne hat er viele Menschen erlebt, die die Bundeswehr nach Stadtallendorf brachte. „Der Großteil davon ist hier geblieben“. Bis vor fünf Jahren sorgte vor allem die Wehrpflicht für ständigen Nachwuchs in der Kaserne. Für Schneider ein klares Argument für die Wehrpflicht: „Man hat immer mit jungen Leuten zu tun und auch Dinge außerhalb der Kaserne besser mitbekommen“. Die 9 (früher 12 oder 15 Monate) „haben keinem geschadet“. Die Bundeswehr habe aus seiner Sicht immer für „Organisation, Kameradschaft, Erleben“ gestanden - eine Erfahrung, die auch jungen Menschen bei der Orientierung für das spätere Berufsleben nicht schadeten. „Verkehrt war das nicht - ich treffe heute noch frühere Wehrdienstleistende zum Beispiel im Baumarkt. Die erzählen mir dann, dass es eine schöne Zeit war“, berichtet er.

Nach Aussetzung der Wehrpflicht „würde ohne Reservisten vieles gar nicht mehr funktionieren“, so Schneider. Auch er selbst ist seit Beginn des Jahres noch als Reservist im Einsatz. „Die Leute fehlen“, sagt er. Er plädiert daher für ein „FSJ für alle“ - bei dem zwischen Bundeswehr und sozialem Dienst gewählt werden kann.

Horst Erdel glaubt ebenfalls, „dass heute vor allem die unteren Dienstgrade fehlen“. Der spätere Oberstleutnant war rund 20 Jahre lang als Soldat und in der Verwaltung tätig. Als gebürtiger Berliner wuchs er später in Dautphetal auf und zählte 1959 zum ersten Jahrgang Wehrpflichtiger. Nachdem er zwischenzeitlich ein Jahr in Wiesbaden war, zog es aber auch ihn wieder zurück. Nach drei Jahren im Rechnungsprüfungsamt leitete er ab 1983 die Stadtallendorfer Stadtwerke. Auch er ist heute noch in mehreren Vereinen, unter anderem bei den Wanderfreunden Hatzbachtal.

„Die Wehrpflichtigen kamen aus allen Gegenden“, erinnert Erdel sich an die aktive Bundeswehrzeit. Die Aussetzung der Wehrpflicht sieht er als „nicht positiv“ an. „Für viele war es eine gute Erfahrung, ich hatte nicht den Eindruck, dass die jungen Menschen es als verlorenes Jahr angesehen haben“, sagt er. „Allerdings konnte man die Soldaten zum Schluss in den neun Monaten kaum noch richtig ausbilden“.

von Peter Gassner

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