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Zeugin redet sich um Kopf und Kragen

Urteil Zeugin redet sich um Kopf und Kragen

Ein weiteres Nachfolgeverfahren des großen Drogenprozesses gegen zwei abgeurteilte Brüder endete am Freitag dramatisch: Nicht der Angeklagte, sondern eine Zeugin verließ als große Verliererin das Kirchhainer Amtsgericht.

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Ein Zollbeamter zeigt ein sichergestelltes Marihuana-Paket. Um eine wesentlich geringere Menge dieser Droge ging es vor dem Kirchhainer Amtsgericht.

Quelle: Archiv

Kirchhain. Nach Überzeugung des Gerichts hat die Zeugin am Freitag vorsätzlich falsch ausgesagt.

Die 25-jährige Stadtallendorferin war ursprünglich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden, weil sie für die Brüder als Drogenkurierin gearbeitet hatte. Diese Strafe war zur Bewährung ausgesetzt worden. Diese Bewährung steht nun auf der Kippe. Oberamtsanwalt Reinhard Hormel kündigte für die Staatsanwaltschaft noch im Gerichtssaal ein Verfahren gegen die Produktionshelferin wegen uneidlicher Falschaussage an. Und Strafrichter Joachim Filmer erklärte, er werde dieses Verfahren zulassen.

Der Richter erläuterte die weitreichenden Konsequenzen für die junge Frau. Im Zuge des neuen Verfahrens werde die Bewährung höchstwahrscheinlich widerrufen. Die Zeugin müsse dann nicht nur ihre bereits verhängste Strafe von einem Jahr und neun Monaten verbüßen, sondern zusätzlich sechs Monate wegen uneidlicher Falschaussage. „Sie verschwindet für zwei Jahre und drei Monate von der Bildfläche“, sagte der Richter und ergänzte: „Die Zeugin hat sich um Kopf und Kragen geredet.“

Zu dem Zeitpunkt saß die Zeugin schon lange nicht mehr im Saal. Die Worte des Richters galten dem Angeklagten, einem 27-jährigen Neustädter, der laut Anklageschrift mit 87,3 Gramm Marihuana gehandelt haben soll. Die Anklage stützte sich auf Abhörprotokolle aus dem großem Drogenfall. Filmer führte dem schweigenden und nicht vorbestraften Angeklagten die Diskrepanz zwischen seiner zu erwartenden Geldstrafe und der Strafandrohung für die Zeugin vor Augen. Diese musste nur auftreten, weil der Angeklagte im ersten Verfahren jegliche Tatbeteiligung abgestritten und letztlich das Gericht trotzig aufgefordert hatte, ihn „wegen etwas zu verurteilen, was ich gar nicht getan habe.“ Lediglich den Ankauf von 20 Gramm Marihuana hatte der Angestellte eingeräumt.

Filmers Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Der Angeklagte räumte schließlich ein, die besagte Marihuana-Menge besessen zu haben. Gleichzeitig versicherte er, nie mit Drogen gehandelt zu haben. Dieser Tatvorwurf stand zu diesem Zeitpunkt der Beweisaufnahme schon nicht mehr im Raum. So verurteilte das Gericht den Angestellten wegen Drogenbesitzes zu einer Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen à 40 Euro. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Anklage. Da der Verurteilte und der Ankläger Rechtsmittelverzicht erklärten, erlangte das Urteil Rechtskraft.

von Matthias Mayer

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