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Zeugen belasten die Schwägerin schwer

Betrugsprozess um Reisebüro-Bertreiber Zeugen belasten die Schwägerin schwer

Der Prozess gegen zwei Männer und eine Frau aus dem Ostkreis, die sich als Inhaber eines Reisebüros wegen vielfachen Betrugs verantworten müssen, ist mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt worden.

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„In Frankfurt wird gestreikt“, lautete eine Standard-Ausrede der Reisebüro-Betreiber, wenn Flugtickets ihrer Kunden mangels Bezahlung nicht vorlagen.  Foto: Frank Rumpenhorst

Quelle: Frank Rumpenhorst

Ostkreis. Wie die OP berichtete, haben die Brüder und ihre Schwägerin das Reisebüro, das vorwiegend Flüge in die Türkei vermittelte, geerbt. Später soll es zu einer finanziellen Schieflage gekommen sein, woraufhin es zu den insgesamt 83 angeklagten Betrugsfällen gekommen sein soll.

Die beiden Männer hatten am ersten Verhandlungstag alle Anklagepunkte eingeräumt. Der ältere hatte sich als Haupttäter bezichtigt, die Frau wurde von beiden entlastet. Dass das Gericht trotz der Geständnisse nun alle Einzeltaten mit Zeugen noch überprüfe, insgesamt sind 51 Zeugen benannt, begründete der Vorsitzende Richter Dr. Carsten Paul mit der Aufklärungspflicht der Kammer. In einem solch komplizierten Verfahren stehe ein Urteil auf einem besonderen Prüfstand.

Vernommen wurden am zweiten Verhandlungstag mehrere Inhaber und Mitarbeiter von Reisebüros, unter anderem aus Marburg, Gießen und Homberg/Ohm. Sie bestätigten die Vorwürfe, die Angeklagten hätten bei ihnen kurzfristig Flüge gebucht, die per Lastschrift bezahlt werden sollten. Die Konten seien jedoch nie gedeckt gewesen. Jeweils mehrere Tausend Euro Schaden seien es gewesen, für die die Reisebüros aufkommen mussten, da eine Stornierung nicht mehr möglich gewesen sei.

Drei Zeuginnen berichteten, nicht nur die angeklagten Männer seien zu ihnen gekommen, sondern auch deren Schwägerin. Diese räumte zwar ein, dabei gewesen zu sein, jedoch nie, wie die Zeuginnen behaupteten, allein. Sie verstehe nur schlecht deutsch und habe lediglich unterschrieben. Die Reiseverkehrskauffrauen blieben jedoch bei ihrer Darstellung. Im Übrigen habe die Angeklagte sehr gut deutsch gesprochen, über den jetzt anwesenden Dolmetscher wundere sie sich deshalb sehr, so eine von ihnen.

Ein weiterer Zeuge schilderte eine weitere Betrugsvorgehensweise der Angeklagten. Der Flugtickethändler aus Frankfurt berichtete, dass bei ihm in den Jahren 2010 und 2011 schnell Außenstände aufgelaufen seien. Eine Ratenzahlung sei vereinbart worden, jedoch nur die erste Rate geflossen. Daraufhin habe er angekündigt, Tickets nur noch freizuschalten, wenn sie bezahlt seien. Dafür habe er Belege gefordert, die die Angeklagten ihm per Fax auch geschickt hätten. Allerdings, so habe sich herausgestellt, seien diese gefälscht gewesen, Geld sei keines geflossen. Insgesamt beliefen sich die Schulden der Angeklagten bei ihm auf nunmehr über 130 000 Euro.

Der Zeuge hob hervor, dass es die Frau gewesen sei, die neben dem älteren Angeklagten immer als Ansprechpartnerin gedient habe. Diese betonte aber, lediglich gewusst zu haben, dass die Geschäfte schlecht laufen. Weil sie offiziell Inhaberin des Reisebüros gewesen sei, habe sie versucht, Außenstände aus ihrem Erbe zu begleichen. Dieses wolle sie immer noch übertragen, beteuerte die 36-Jährige.

Der Prozess wird am Freitag um 9 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts fortgesetzt.

von Heiko Krause

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