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Zeltbewohner haben eine Perspektive

Hessen-Kaserne Zeltbewohner haben eine Perspektive

Auch Stadtallendorfs Bürgermeister erwartet für die Einrichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung in Stadtallendorf konkrete Gegenleistungen vom Land.

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Zuerst werden die Gebäude der Hessen-Kaserne hergerichtet, die erst seit wenigen Jahren leer­stehen.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Die OP berichtete am Samstag bereits ausführlich über die sich seit längerem abzeichnenden Pläne des Landes, die Hessenkaserne nun doch zu nutzen. Ziel ist es, bis Dezember zunächst fünf Gebäude so herzurichten, dass dort bis zu 700 Menschen ein festes Dach über dem Kopf finden.

Aktuell leben etwa 600 Flüchtlinge in dem seinerzeit vom Katastrophenschutz und der Bundeswehr geschaffenen Zeltcamp neben dem Bundeswehr-Hallenbad. Sozialminister Stefan Grüttner erneuerte gestern auch die Aussage, die sein Ministerium bereits Ende vergangener Woche gegenüber der OP gemacht hatte. Im nächsten Jahr soll für bis zu 1200 Menschen Platz in den Kasernengebäuden geschaffen werden.

Inzwischen steht auch ein Termin für die Informationsveranstaltung für die Stadtallendorfer Bürger fest: Am 24. November will Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich ­gemeinsam mit der Stadt über die Planungen berichten.

Christian Betz: "Das schafft Perspektiven für die Menschen im Camp"

Betreiber des Zeltcamps im Auftrag des Landes ist der DRK-Kreisverband Marburg. Bei dessen Geschäftsführer Christian Betz ist die Freude über die ­näherrückenden Dauerquartiere groß. „Das ist eine sehr gute Nachricht, das schafft Perspektiven für die Menschen im Camp“, erklärte Betz gestern gegenüber der OP.

Jetzt gehe es gemeinsam mit dem Land um die Konzeption. Bei einem Punkt, der Informationspolitik, soll es Besserung geben. Er gehe nach einem aktuellen Austausch mit dem Land davon aus, dass die künftige Zusammenarbeit konstruktiver und im Sinne der gemeinsamen Aufgabe verlaufen werde, erklärte Somogyi. Er erwartet einen zeitnahen Informationsaustausch. Somogyi hatte in der Sitzung des Stadtparlaments in der vergangenen Woche die bisherige Informationspolitik des Landes scharf kritisiert und dabei beklagt, Informationen nicht oder nur aus zweiter Hand erhalten zu haben.

Wobei Somogyi gestern gegenüber der OP betonte, dass die Stadt bei den Planungen keineswegs über den Ersten Stadtrat einbezogen worden sei. Dies hatte das Sozialministerium gegenüber der OP erklärt. „Wir sind über den Besichtigungstermin von der Bundeswehr kurzfristig unterrichtet worden, nicht vom Land“, stellte Somogyi klar.

Der Teil der Hessen-Kaserne, der zu Flüchtlingsunterkünften und Versorgungs- und Verwaltungsgebäuden umgebaut wird, ist künftig eine Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung, etwa 30 gibt es davon landesweit inzwischen. Die nächstgelegene befindet sich in Neustadt in der früheren Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne mit der kürzlich auf 1100 Plätze aufgestockten Kapazität. Neustadts Bürgermeister Thomas Groll hatte sehr konkrete Forderungen an das Land formuliert – und sich damit auch zu weiten Teilen durchgesetzt. Sein Stadtallendorfer Amtskollege Somogyi, der jetzt in gleicher Situation ist, will dies ebenfalls tun. „Ich werde auch eine Gegenleistung fordern. Das möchte ich aber erst mit dem Land erörtern, bevor ich das öffentlich tue“, erklärte er gestern auf Nachfrage der OP.

Brandschutzkonzept wird noch erstellt

Für die künftige Erstaufnahmeeinrichtung in Stadtallendorf werden naturgemäß die gleichen Regeln gelten wie seinerzeit in Neustadt beim Umbau der Ernst-Moritz-Arnd-Kaserne. Das gilt auch für den Brandschutz. In dem Fall ist der Kreis als Aufsicht gefordert. Bisher war er noch nicht eingebunden, rechnet aber mit der entsprechenden Beteiligung durch das Land analog zu Neustadt.

Reichen die Kapazitäten der Stadtallendorfer Feuerwehr angesichts der neuen Aufgabe? Kreisbrandinspektor Lars Schäfer betont, dass die Wehr gut ausgestattet ist, auch in der überörtlichen Hilfe eine Rolle spielt und über eine Drehleiter verfügt. Ob zusätzlicher Bedarf bestehe, lasse sich erst sagen, wenn das Brandschutzkonzept vorliege, hieß es auf OP-Anfrage aus der Kreisverwaltung.

Und wie steht es um den Rettungsdienst? Derzeit sieht der Kreis angesichts der bisherigen Einsatzzahlen noch keinen Grund, die Kapazitäten zu erhöhen. Das könne aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden, erklärt der Kreis als Rettungsdienst-Träger. Monatlich registriert der Kreis 110 Einsätze in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt, dem Camp Stadtallendorf und in Marburg. Rund die Hälfte davon entfällt auf Neustadt.

von Michael Rinde

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