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Trauer

Zeitzeugin verstirbt fern ihres Geburtsortes

In Kanada verstarb am 19. Februar Gisela Spier Cohen, geboren am 28. November 1928 in Momberg. Sie wuchs in einer jüdischen Familie auf, bis diese 1942 nach Theresienstadt und im Herbst 1944 nach Auschwitz deportiert wurde.
Am 19. Februar verstarb Gisela Spier Cohen.Archivfoto

Am 19. Februar verstarb Gisela Spier Cohen.Archivfoto

Momberg. Dort wurden ihre Eltern sofort von ihr getrennt und in die Gaskammer getrieben. Sie musste Zwangsarbeit leisten. Ihr Bruder verhungerte in Dachau, sie selbst hat nur knapp überlebt; bei der Befreiung wog die damals 16-Jährige noch 21 Kilo. Nach mehreren Jahren in Israel holten sie Verwandte nach New York, von da ging sie nach Kanada, heiratete und bekam drei Kinder.

In den 90er Jahren entschloss sich Gisela Spier Cohen, in Deutschland vor allem vor Schulklassen von ihrem Leben zu erzählen - von ihrer Verwurzelung in der dörflichen Gemeinschaft, den Schrecken der Pogromnacht 1938, ihrem Schmerz, als sie zum erzwungenen Besuch der jüdischen Schule in Frankfurt die geliebte Heimat Momberg verlassen musste, von der Scheinwelt in Theresienstadt (sie durfte als Sportlerin in dem Theresienstadt-Film mitwirken, der zu Propagandazwecken dort gedreht wurde) und von den fürchterlichen Erlebnissen im KZ.

Sie war authentisch. So gelang es ihr, die Herzen ihrer jungen Zuhörer zu erreichen und ihnen zu verdeutlichen, was „Holocaust“ bedeutete - eindringlicher, als es jeder Film oder ­jedes Buch vermag.

Seit 1995 war sie fast jedes Jahr in Marburg - und auch in ihrem verlorenen Paradies Momberg -, bis Alter und Krankheit keine Reisen mehr zuließen.

In Gisela Spier Cohen verstarb eine der letzten Zeitzeuginnen, die bereit war, jungen Menschen über das Leid der NS-Zeit zu berichten. Als einzige aus ihrer Familie hat Gisela Spier Cohen ein eigenes Grab erhalten: in Toronto.

von Regina Neumann

- Regina Neumann, Marburg, lernte Gisela Cohen 1995 durch die Marburger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit kennen. Seitdem betreute sie sie bei ihren Besuchen in Marburg und besuchte sie zweimal in Kanada.


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