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Zeitzeugin berichtet über die Vertreibung

Lesung Zeitzeugin berichtet über die Vertreibung

Mit einem Vortrag und einer Lesung stellten Marlene und Horst W. Gömpel ihr Buch "...angekommen" vor, in dem sie nach 70 Jahren die Vertreibung der Sudetendeutschen aufarbeiten.

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Marlene und Horst W. Gömpel zeigten auf einer Karte, wo die vertriebenen Sudetendeutschen, mit denen sie während ihrer Recherche sprachen, herkamen.

Quelle: Klaus Böttcher

Neustadt. Neustadt. Seit Jahren würdigt die Stadt Neustadt Ereignisse der deutschen Geschichte und gewinnt für ihre Gedenkveranstaltungen recht prominente Redner. Um das Thema Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg ging es in diesem Jahr schon bei einer Veranstaltung in Momberg mit Weihbischof Dr. h.c. Gerhard Pieschel. Stand damals der Heimatkreis Schwerin/Warthe im Vordergrund, so war diesmal die Vertreibung von drei Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat das Thema.

Bürgermeister Thomas Groll erinnerte an die vielen Vertriebenen und die Toten nach dem Zweiten Weltkrieg. Er betonte, dass man sich erinnern müsse und nicht vergessen sollte. „Geschichte wird von wenigen gestaltet, aber von vielen erlitten“, fasste er zusammen.

Eine der drei Millionen Vertriebenen aus dem Sudetenland ist Marlene Gömpel, geborene Pöschl, die es nach der Vertreibung als Kind mit ihrer Familie nach Wabern verschlug. Die Familie, die in Reichsdorf im Erzgebirge zu Hause war, fand in Remsfeld eine neue Heimat.

Buch schildert Vertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung aus Heimatorten und Neubeginn in Nordhessen

Marlene Pöschl heiratete Horst W. Gömpel aus Treysa. Im Jahr 2014 veröffentlichten sie gemeinsam ein Buch. Das reichlich bebilderte und mit vielen Dokumenten gespickte Werk stellt auf 500 Seiten die Vorgeschichte der nationalen Auseinandersetzungen im Herzen Europas dar. Es schildert die verschiedenen Phasen der Vertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung aus ihren Heimatorten und ihren Neubeginn in Nordhessen.

Horst W. Gömpel widmete sich dem Thema vor rund 60 Zuhörern in Neustadt und brachte die Örtlichkeiten den Besuchern an Hand einer Karte „Böhmen, Mähren und Sudeten-Schlesien. Die Heimatgeschichte der Sudetendeutschen“ näher. Er spannte den Bogen von der geschichtlichen Entwicklung bis zur Vertreibung aus den verschiedenen Orten und der Ankunft der rund 30000 sudetendeutschen Heimatvertriebenen nach vieltägiger Fahrt in Güterzügen im Gebiet des heutigen Schwalm-Eder-Kreises.

100 Zeitzeugen befragt

Die beiden Autoren suchten während ihrer Recherchen 100 Zeitzeugen auf, befragten sie und geben ihre Berichte in ihrem Buch wieder. Beigefügt haben sie eine Karte des Sudetenlandes - des Randbereichs des heutigen Staates Tschechien - auf der die Herkunftsorte der Berichterstatter zu sehen sind. Die Vorgeschichte der Vertreibung wird in prägnanten Abrissen dargestellt und mit vielen Dokumenten erklärt. Die Umstände der Unterbringung und der Eingliederung der Vertriebenen wird mit Zeitungsausschnitten und detaillierten Lageberichten untermauert.

Marlene Gömpel übernahm in Neustadt die Lesung. Sie hatte einen Teil des Buches ausgewählt, in dem sie von der Fahrt aus dem Sudetenland nach Wabern und der Ankunft in der neuen Heimat Remsfeld berichtete.

In dem Teil schildert sie einerseits das Schicksal ihrer Familie und andererseits die allgemeine Situation. Dabei erzählte sie von freundlichen Aufnahmen, verschwieg aber auch nicht, dass die Vertriebenen nicht bei allen Menschen willkommen waren. Das drückte sich beispielsweise in dem Satz aus: „Kartoffelkäfer, Wildschweine und Flüchtlinge sind die größte Plage.“

Nina Köhler sorgte am Klavier für die musikalische Begleitung der Veranstaltung.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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